Aufsatz 
Das Melde'sche Capillarbarometer / von Karl Fischer
Entstehung
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angestellt. Zunächst nahm ich ein Luftquantum von 100 mm und eine Quecksilbersäule von nahe 200 mm Länge, bei den folgenden Beobachtungen ein Luftquantum von 50 mm und eine Quecksilbersäule von nahe 100 mm Länge. Die Ablesungen wurden wieder in der in§ 6 ange- gebenen Weise gemacht. Die Resultate dieser Beobachtungen finden sich in der Beobachtungs- tabelle II. Eine Reduktion der Barometerstände auf Oo war überflüssig, da diesmal die Beob- achtungen in demselben Zimmer, in welchem das Normalbarometer hing, gemacht wurden.

In beiden Fällen, bei einer Quecksilbersäule von 200 und 100 mm Länge, weichen die be- rechneten Barometerstände von den am Normalbarometer abgelesenen beträchtlich ab. Jedoch lässt sich durch einen einfachen Kunstgriff die Verkürzung des Capillarbarometers erreichen, ohne dass das verkürzte Barometer an ſainfüdal ichkeit dem längeren nachsteht. Ein Blick auf Fig. 4 wird dieses klar machen. Es stelle Fig. 4a ein gewöhnliches Melde'sches Capillarbarometer in Lage I dar. In dieser Lage wird der untere Meniskus b der Quecksilbersäule bei einer Anderung des Luftdruckes nicht weit unter b sinken, so dass die langgestreckte cylindrische Gestalt des Teiles ba überflüssig wird. Denkt man sich daher diesen Teil, wie Fig. 45 zeigt, zu einer kleinen Kugel aufgeblasen, deren Volumen dem Volumen des Cylinders gleich ist, so hat man eine be- deutende Verkürzung des Barometers erreicht, ohne dass die Empfindlichkeit im Vergleich mit dem längeren Barometer gelitten hätte.

Es erübrigt noch, einiges über die Methode der Kalibrierung dieser Art von Röhren zu sagen.

Analog dem früheren Verfahren, giesst man so lange gleiche Mengen Quecksilber zu, bis dasselbe aus der Kugel heraustritt. Der Stand des Quecksilbers in der Röhre wird jezt abgelesen, und von diesem Punkte an die Röhre in der früher angegeben Weise durch weiteres Zugiessen kalibriert. Aus der Länge der einzelnen Quecksilberfäden in der Röhre wird das Mittel gebildet. Angenommen nun man hätte als mittlere Länge der einzelnen Quecksilberfäden in der Röhre 26,70 mm gefunden und zur Füllung der Kugel zehn Eingiessungen nötig gehabt, so würde das Volumen der Kugel dem Volumen einer cylindrischen Röhre von 267,0 mm entsprechen. Dem- entsprechend würde man den Punkt der Röhre, bei welchem das letzte eingegossene Queck- silberquantum mit seinem in die Röhre hineinragenden Ende stand, mit 267,0 zu bezeichnen und von da an mit der Bezeichnung fortzufahren haben.

§ 8. Um das Capillarbarometer praktisch zu verwenden, müssen noch einige Punkte er- örtert werden.

Angenommen, man hätte bei einer gewissen Temperatur ein Luſtquantum durch eine Quecksilbersäule abgesperrt, und man machte eine Beobachtung bei einer anderen Temperatur. Es fragt sich nun, ist es nötig, die Röhre frisch zu füllen, oder hat eine Temperaturänderung keinen Einfluss auf das Resultat?

Wenn die Temperatur zwischen Füllung und Ablesung sich geändert hat, gleichviel ob dieselbe gestiegen oder gefallen ist, jedoch so, dass der Taupunkt der eingeschlossenen Luft noch nicht erreicht ist, so ist das Volumen:

v in(1+ æl) und p1 in vr(1+ æ).