Aufsatz 
Der Uebertritt des Erprinzen von Hessen-Cassel zum Katholicismus / von Th. Hartwig
Entstehung
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Man würde aber zu weit gehen, wenn man aus diesem Umstand die Folgerung ableiten wollte, dasz der Landgraf und seine Räthe selbst nicht um die den Ausschlag gebenden Motive gewusst hätten. Vielmehr tritt in mehreren Briefen deutlich wenigstens der Glaube jener Männer, genau mit den eigeut- lichen Beweggründen bekannt zu sein, hervor ¹).

Durch das Ergebnis, welches uns die Prüfung des Charakters des Erbprinzen geliefert hat, ist die Ueberzeugung hinlänglich begründet, dasz für ihn die Aussicht auf eine glanzvolle Stellung einen verlockenden Zauber gehabt haben musz. Und wenn uns daher von verschiedenen Seiten die Nachrichten entgegentreten, dasz auch auf seinen Confessions- wechsel diese Rücksicht einen schwer wiegenden Einflusz geübt habe, so haben wir ihnen durchaus keine inneren Gründe entgegenzustellen. Am verbreitetsten ist die An- nahme, dasz er sich durch die Hoffnung auf die polnische Krone für den Katholicismus habe gewinnen lassen. Auch läszt sich nicht bestreiten, dasz schon wegen des Beispiels der sächsischen Fürsten gerade diese Aussicht ein sehr wirksames Motiv für ihn abgeben konnte. Auszerdem an sich nicht gewohnt, einen Gegenstand nach allen Seiten zu erwägen, besasz er namentlich da, wo es einen Lieblings- wunsch zu erfüllen galt, zu wenig Scharfsinn, als dasz er das Trügerische von solchen weitaussehenden Prajecten hätte erkennen müssen. Liesz er sich doch noch in seinem Alter durch die gleiche Hoffnung beinahe zu den gröszten Thorheiten hinreiszen 2). Allein die Fassung der Angaben,

¹) In einigen dieser Schreiben haben, wie es scheint, die Correspon- denten sich das Stillschweigen durch die Besorgnis auferlegen laszen, bei einem Eingehen auf das Detail die gebührende Ehr- furcht vor dem Erbprinzen zu verletzen. Auch ist sehr wohl denk- bar, dasz gerade diejenigen Actenstücke, welche für den Land- grafen Friedrich II compromittierend waren, der Sammlung des Staatsarchivs nicht zugewiesen wurden.

⸗2) In den Jahren 1770 und 1771 wurde dem Landgrafen Friedrich von einigen polnischen Abenteurern die Krone Polens, welche sie