Aufsatz 
Der Uebertritt des Erprinzen von Hessen-Cassel zum Katholicismus / von Th. Hartwig
Entstehung
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Vater liesz ihm eine treffliche Erziehung zu Theil werden. In allen Zweigen des Wissens, so weit sie für einen Regen- ten von Wichtigkeit waren, wurde der Knabe unterrichtet. Sein erster Lehrer war J. Daniel Schmerfeld ¹). Die eigent- liche Leitung der Erziehung aber übertrug der Landgraf 1728 dem durch seine zahlreichen pädagogischen, philosophi- schen und mathematischen Schriften in jener Zeit weithin bekannten Professor J. Peter de Crousaz aus Lausanne ²).

Deshalb beschlosz der Cardinal mit Vorsicht an das Werk zu gchen, Er brachte eine seiner Creaturen, einen Herrn von Röder, der gleichfalls katholischer Neophyt war, mit einem angeblichen Legationssecretär, Schmelzer, einem verkleideten Jesuiten, an den Ilof seines Bruders. Diese Männer begannen nun ihr frommes Werk damit, dasz sie zunächst die Leute in der Umgebung des Fürsten katholisch zu machen suchten. Wie sie hierbei verfuhren, berichtete später ein Mann, nach welchem sie damals auch ihre Angel warfen, mit folgenden Worten:Auch mir, der ich bei 10 Wochen damals in Zeitz gewesen, ist ebenfalls von diesen ver- steckten Missionariis durch tausenderlei Versprechungen mit Hand und Mund zugesagt worden, wo ich mich mit Serenissimo zum römischen Glauben bekennen wärde, dasz es mir zu groszer Avantage gedeyen sollte. Das mit solcher Umsicht eingeleitete Unternehmen hatte Erfolg. Moriz erklärte keineswegs aber aus innerer Ueberzeugung, wie er später selbst gestand seinen Uebertritt. Die Bekehrung war so heimlich durchgeführt worden, dasz die Fürstin, eine eifrige Protestantin, erst geraume Zeit nachher durch ihren Gemahl davon in Kenntnis gesetzt wurde. Freilich war diesmal der Jubel der Katholiken nicht von langer Dauer. Denn kaum drei Jahre nach Ablegung seines Bekennt- nisses besann sich Moriz durch Gewissensscrupel und die eindring- lichen Vorstellungen A. H. Frankes veranlaszt wieder eines andern und kehrte zu seinem alten Glauben zurück. Ammon S. 202 flf.

¹) Dieser wurde später als Geheimer Rath mit seiner Familie in den

Adelsstand erhoben. Strieder XI, 224.

Rommel, Landgr. Friedrich Il. in Ersch und Gruber IJ. 50 S. 112.

Strieder II, 434 fl. Die folgende Darstellung des inneren Bil-

dungsganges des Prbprinzen hat zur Unterlage die Abschrift eines

Tagebuchs, welches Crousaz 1731 über die Entwicklung seines

Zöglings führte, und ein Copialbuch von Briefen desselben an

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