Aufsatz 
Der Uebertritt des Erprinzen von Hessen-Cassel zum Katholicismus / von Th. Hartwig
Entstehung
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Uebertritt des Erbprinzen und die damit im Zusammenhang stehenden Vorgänge zum Gegenstande und geben nicht allein über die Geschichte dieser Conversion, sondern auch über die damalige Stellung der beiden groszen Religions- parteien in Deutschland zum Theil neue und nicht unwieh- tige Aufschlüsse. Was ihren Werth im Allgemeinen betrifft, so leiden sie an dem unleugbaren Fehler, dasz sie fast nur die Denkungsweise der Protestanten reflectieren, indem sie über die katholischen Anschauungen nur selten und dann meist nur indirect Aufklärung geben. Allein dieser Mangel ist, soweit es sich um die Bekehrungsgeschichte handelt, von geringerem Belang, als es auf den ersten Blick scheinen könnte. Denn für protestantische Uebertreibungen gibt uns schon die Kenntnis der Individualität des Erbprinzen, sein

Benehmen und seine eigenen, zahlreich überlieferten Aeus-

serungen den Maszstab, beziehungsweise das Correctiv in

die Hand.

Auch die Frage, welche ich soeben zur Beantwortung gestellt habe, wird abgeschen von jenen Erklärungen des Prinzen noch vielfach darin erörtert, aber das Resultat ist im wesentlichen ein negatives, d. h. wir erfahren, welche Beweggründe den Prinzen nach aller Ueberzeugung nicht zu seinem Schritte getrieben haben, dagegen werden wir über die eigentlich entscheidenden Momente im Dunkeln gelassen. Ebensowenig bringen auch die Mittheilungen, welche sich lber die Frage in den Memoiren des nachherigen vertrauten Freundes und Ministers des Erbprinzen, des Frei- herrn Ernst M. von Schlieffen ¹) finden, sowie die Denk- würdigkeiten des Freiherrn Achatz Ferd. von der Asseburg die Sache zum Abschlusz.

1815 wurden die daselbst befindlichen 32 Bände dem geheimen Cabinetsarchiv überwiesen und kamen 1822 endlich an das Haus- und Staatsarchiv. Von zwei der abhanden gekommenen Bände fehlen in dem Repertorium die Inhaltsangaben.

¹) Ein glänzendes Urtheil über diesen merkwürdigen Mann fällt der bekannte Joh. Müller in einem Casseler Briefe aus dem J. 1781