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zuſammentrifft, die dieſem Triebe die Richtung auf die vorhandene Sprache zu geben beſtimmt iſt, nennt zunächſt, ſobald es ſeinen Vater Papa rufen gelernt, auch andere Männer ſo; wenn es ſodann etwa in einem jüngeren Manne ſeinen Onkel kennen gelernt hat, ſo heißt ihm jeder jüngere Mann Onkel; ſpäter wohl auch Jedermann außer dem Vater, den es nun von Allen zu unter⸗ ſcheiden gelernt hat; keunt es außerdem etwa einen Knaben, der Otto heißt, ſo iſt ihm ſofort jeder Knabe ein Otto. Warum das? Macht das Kind etwa, um jeden Mann, jeden Knaben bezeichnen zu können, alle Einzelbenennungen, die ihm zu Gebote ſtehen, zu Gattungsnamen? Gewiß nicht. Es verwechſelt die andern Knaben wirklich mit ſeinem Otto; es ruft ſie, und iſt, wenn es die Verſchiedenheit der Perſon überhaupt bemerkt, überraſcht und enttäuſcht. Wenn es dieſe Erfahrung öfters macht, dann erſt wird Otto ihm eine Art Gattungsbegriff, den es nun überall verwendet, wo in früherer Zeit die Verwechſelung bei ihm hätte eintreten können, jetzt aber, und zwar eben durch den Beſitz des Namens, eine Zuſammenfaſſung zu ähnlicher Erinnerung, eine Vergleichung möglich geworden iſt. Auch ſpäter entwickelt ſich die Kindervernunft noch zuweilen auf dieſelbe Weiſe. Wenn ein Kind zum erſtenmale Schnee ſieht, und denſelben nun Federn nennt, oder Zucker; iſt es dann etwa witzig?„appercipirt“ es? Es verwechſelt nur, und würde den Zucker wohl zu eſſen verſuchen. Ja es kommt auch wohl vor, daß ein ihm geläufiges Kinderwort im Sinne einer höheren Verallgemeinerung verwendet wird, daß ihm z. B. ein Schmetterling ein Vögelchen, Blutegel Fiſch⸗ chen heißen; was ſinnreich genannt werden könnte, wenn es nicht umgekehrt Unfähigkeit wäre, die Unterſchiede zu erkennen ¹).
Die Vernunft die Vorbedingung der ethiſchen Handlungen. Was die ſittliche Handlungsweiſe des Menſchen betrifft, ſo iſt zwar die eigeutliche Triebfeder derſelben nicht in der Vernunft zu ſuchen; und warum ſollte eine Gattung, welche durch eine beſondere Steigerung des Geſichtsſinnes zur Fähigkeit der Weltanſchauung gelangt iſt, nicht auch zugleich nach anderer Seite hin in be⸗ vorzugtem Grade entwickelt ſein können? Dennoch aber iſt die Vernunft, in ihrer uns bekannten Abhängigkeit von dem Sprachreize, die nothwendige Vorbedingung auch der ethiſchen Handlungen, und zwar aller formell, der meiſten auch materiell. Grauſamkeit und Mitleid können beide nur mitempfindenden Weſen eigen ſein, Gerechtigkeit ſogar nur ausgebildet Denkenden. Der Beſitz des Beweglichen und ein Gefühl für dingliche Rechte ſind ohne ein Bewußtſein von den Dingen und von Menſchen, die uns und ihnen gegenüberſtehen, undenkbar; alle Scheu vor Anderen, perſönliche Ehre und das Streben danach beruhen auf dem Gefühl empfunden zu werden, Vernunftobject zu ſein. Wie viele ethiſche Handlungen, ſeien ſie nun vor unſerem Urtheil Tugend oder Laſter, bleiben ſomit auch nur ihrem ſachlichen Inhalte nach übrig und möglich, wenn wir das von der Sprache bedingte oder mit ihr zuſammenfallende Denken hinwegnehmen? In der ſich ſelbſt überlaſſenen Thierheit giebt es in der That auch materiell weder Gutes noch Schlechtes. Denn das Thier handelt immer nur naturgemäß, und kann keinem anderen Maßſtabe als der Naturforderung ſeines Individuums unterworfen werden; der Menſch hingegen verliert mehr und mehr die Richtſchnur eines ihn mit Beſtimmtheit leitenden Einzeltriebes, während ſich in gleichem Maße ſeinen immer freier und vielfältiger wirkenden Sondergelüſten der Geſammttrieb der Gattung, in Stämmen und Völkern mannigfach entwickelt, als öffentliche Meinung, Sitte und Geſetz zur Schranke und zur Norm entgegenbildet, nach welcher er beurtheilt werden muß. Und wenn auch ganz das Thier
¹) Urſprung der Sprache 113 ff.


