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beſondere Aufmerkſamkeit des jungen angehenden Sprachforſchers zu erregen. Dagegen mag mit Recht bezweifelt werden, ob eine andere Eigenthümlichkeit dieſes geiſtvollen Mannes, nämlich das in ſeinem Unterrichte immer wieder betonte faſt ausſchließliche Vertrauen auf die, unabhängig von Andern, durch eigene Forſchung gewonnenen wiſſenſchaftlichen Reſultate wohlthätig auf den ohnedies mit immer wachſendem Selbſtbewußtſein ſeinen eigenen Weg ſuchenden Schüler gewirkt habe.
In ſeinem ganzen ſpäteren Leben bildet die Vorliebe für einen durch belehrende Geſpräche belebten Verkehr mit heranreifenden Jünglingen einen hervortretenden Charakterzug Geiger's. Die Anfänge dazu bemerken wir ſchon auf dem Gymnaſium. Den ſtudentiſchen Neigungen, wie ſie hie und da bei Primanern hervorzutreten pflegen, blieb Geiger nicht fern; er fehlte wohl ſelten bei einer der heitern Zuſammenkünfte. Die Primaner und Sekundaner hatten damals gemeinſchaftliche Spazier⸗ gänge veranſtaltet, deren Ziel meiſt Eſchersheim war, wo dann Bier getrunken und geſungen wurde, bis man in der vergnügteſten Stimmung Arm in Arm den Heimweg antrat. Geiger war immer in der heiterſten Stimmung, zu allen Späßen aufgelegt; er hatte eine beſondere Gabe, die verſchiedenſten menſchlichen Stimmen nachzuahmen und brachte nicht ſelten durch derlei urkomiſche Produktionen Alles zum Lachen. Bei dieſen Zuſammenkünften fand er ſich durch die Erſcheinung eines um drei Jahre jüngeren Mitſchülers beſonders angezogen und zeigte dieſem auf jede Weiſe ein beſonderes Intereſſe. „Als Secundaner“, ſchreibt mir dieſer jetzt in Berlin lebende Freund Geiger's, der Stadtgerichtsrath Rommel,„fühlte ich mich dadurch geehrt, zugleich aber übte ſeine ganze Perſönlichkeit eine mächtige An⸗ ziehung auf mich aus: ſein ruhiges philoſophiſches Weſen, eine gewiſſe Feierlichkeit in der Haltung trotz aller Heiterkeit, ſein feines taktvolles Benehmen, aus dem ſtets die edelſte Humanität hervorleuchtete, ſein tiefes und umfaſſendes Wiſſen, das eine unerſchöpfliche Quelle der Belehrung über alle wichtigen und höchſten Fragen der Menſchheit zu ſein ſchien. Er kam mir damals wie ein jugendlicher Sokrates vor und wir ſcherzten öfters über dieſen Vergleich. Bald ſahen wir uns täglich und es folgte nun eine Zeit, wie ſie wohl nur von wenigen Menſchen durchlebt wird, eine Zeit der liebenden Hingabe an den Freund und des gemeinſchaftlichen ſchwungvollen Strebens nach dem Guten und Wahren. Oft treten die Bilder aus jenen Tagen vor meine Seele, wie wir in Geſpräche verſenkt mit einander wandelten, ſein Arm um meine Hüfte, mein Arm auf ſeiner Schulter und wie wir Nächte durch, nachdem ich mich heimlich aus dem elterlichen Haus geſtohlen, mit verſchlungenen Armen im Lindenfels ſaßen und von Homer, von Sophokles, von allem Großen und Schöͤnen des klaſſiſchen Alterthums redeten“.
Am 27. Auguſt 1847 beſchloß Geiger ſeine Gymnaſialzeit mit einer Rede, die er bei Gelegenheit der Progreſſionsfeier im Kaiſerſaale vortrug. Zum Thema hatte er ſich das Buch Hiob gewählt ¹).
War dieſe Wahl eine zufällige?— MEſar
Wenn man die Größe eines Volkes nach den ewigen Idealen reinſter, höchſter Sittlichkeit bemißt, welche es in ſeinen Dichtungen geſchaffen und verherrlicht hat, ſo überragt das jüdiſche Volk weitaus die Völker der Erde in demſelben Maaße, wie das helleniſche durch die unvergäng⸗ lichen Ideale vollendeter Schönheit in den Schöpfungen ſeiner Kunſt und Poeſie. e
Für die Erkenntniß des Guten, für das Erfaſſen des Schönen hatte Geiger ſeine Meiſter gefunden; nach Wahrheit forſchen wollte er im Geiſte des Sokrates und Plato.— Das waren, ſoweit ſich erkennen läßt, die Anſchauungen, die in Geiger ſich befeſtigt hatten, als er ſich anſchickte, die Univerſität zu beziehen. ane ae eue m
¹) Einige Bruchſtücke der Rede folgen in der Beilage. 2nn


