Aufsatz 
Zur Erinnerung an Lazarus Geiger / von Hermann Baerwald
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zuräumen, welches die Stellen der Genesis II, 23, IV, 1 und II, 20, wo von den Namen die Rede iſt, die Adam ſeinem Weibe(Ischah) ſeinem Erſtgeborenen(Kajin)!) und allem Vieh und allen Vögeln des Himmels und dem Gethier des Feldes gab, ſeiner Behauptung, die hebräiſche Sprache ſei nicht die Sprache Adams geweſen,Um endlich, fährt er fort,von Geſprächen zu reden, deren oft in der Bibel zwiſchen den Menſchen untereinander und zwiſchen dieſen und ihrem Schöpfer ſchon frühzeitig erwähnt wird, ſo konnten ſie ebenſo gut in der Zeichen⸗ und Lautſprache als in der hebräiſchen geführt werden, um ſo eher, da Gott, meiner Meinung nach, ebenſo gut oder noch beſſer eine Gemüths⸗ oder Herzensſprache verſtand, als das ſchönſt geſprochene, richtigſte He⸗ bräiſch. Doch wir brechen endlich ab und fügen nur noch das Schlußwort hinzu, mit welchem der Knabe ſich an ſeine Leſer wendet:Lange genug, ruft er aus,habe ich Euch liebe Leſer mit meinem Geplauder beläſtigt. Jetzt habe ich nur noch Euch um Verzeihung zu bitten für die Ver⸗ wegenheit, daß ich, noch ſelbſt ein Schüler, es gewagt habe dieſes unbedeutende Sandkörnchen im Meere der Wiſſenſchaft auch in die Leſewelt zu ſchicken. Hat dieſes kleine Schriftchen wirklich das Wohlwollen, oder doch nicht den Tadel nur eines unter Euch mir zugezogen, ſo hat es mehr er⸗ reicht, als ich hoffte, da ich mit zittern den Händen es zu ſchreiben mich niederſetzte. Verdient es im Gegentheil Euer Mißfallen, ſo erinnert Euch meines noch zarten Alters und rechnet mix meine Fehler nicht zu hoch an. Iſt das, was ich behaupte, unrichtig gern nehme ich Be⸗ lehrung an. Iſt jenes aber nicht neu und haben ſchon Viele über dieſen Gegenſtand und von dem⸗ ſelben Geſichtspunkte aus geſchrieben, ſo haltet es dann nicht für jene eitle Ruhmſucht, ſich mit frem⸗ den Federn zu ſchmücken, daß auch ich ebenſo geſprochen habe, ſondern höchſtens für Unbeleſenheit von meiner Seite. Doch, wozu die vielen Bitten? Ihr ſeid es ja, meine werthen Freunde und Gönner, in deren Hände ich dies Büchlein empfehle und Ihr werdet ja ohnedies von einem Kna⸗ ben meines Alters nicht zu viel fordern. So lebe denn wohl, erſte Tuuch meiner Ucberlagung und reiſe mit Gott! 2)-

Der Knabe, der mit zitternder Hand dieſes niederſchrieb, verband mit einem tindlich⸗einfälte gen, frommen Sinn einen unwiderſtehlichen Drang nach Erkenntniß und mit der tiefſten Ehrfurcht vor der Hoheit und Würde der Wiſſenſchaft die ſeltenſte geiſtige Begabung. Es fehlte ihm nicht jenes Selbſtbewußtſein, welches begabten Menſchen aus dem ſichern Gefühl ihrer Kraft erwächſt, aber damit verband er eine tiefe Beſcheidenheit. Niemand, weder ſein Vater, noch irgend einer ſeiner Freunde, auch nicht ſein Lehrer Eberz, zu dem er die vertrauensvollſten Beziehungen gewonnen hatte, erfuhr etwas von ſeinem erſten Verſuche, der ſich in ſeinem Nachlaſſe gefunden hat. Dieſelbe Be⸗ ſcheidenheit erkennen wir bei einer andern Gelegenheit. Als er an dem Sabbath nach ſeinem vierzehnten Geburtstage, nachdem er bei dem Gottesdienſte in der Synagoge in hergebrachter Weiſe den Wochen⸗ abſchnitt aus der Thorah ſelbſt vorgetragen, im elterlichen Hauſe vor dem verſammelten Kreiſe der Verwandten und Freunde eine Rede*) hielt, wählte er nicht, wie zu geſchehen pflegte, die Slruat

¹) Vergl. übrigens Geiger Urſpr. und Entw. der menſchlichen Spr. u. Vernunft I, 118 u. 397.

²) Die Rede, die von der Hand des Knaben ſorgfältig geſchrieben mir zorleegt. hat zur Ueberſchrift: Dank an meine Eltern, vorgetragen bei Gelegenheit meiner Confirmation, den 30. April 1842, den 20. Jjar 5602 Lazarus Geiger. Als Einleitungsworte wählte er Spr. Sal. XXX., 2, 3. Characteriſtiſch in der Rede, die entſchieden von dem Knaben ſelbſt verfaßt iſt, iſt folgende Stelle:Welche menſchliche Sprache hätte Ausdrücke, um das vollſtändig zu bezeichnen, was Kinder den Eltern ſchulden? Dem Vater dankt er beſonders für die vielen beſchwerlichen Unterricht ſtunden die er verwandte, ihn zu u belegrer, ihm Bachucheſen von dem Geiſte ſeiner Weisheit.