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irgend einer Bibelſtelle zum Thema: ſelbſt noch der Belehrung zu ſehr benöthigt, dürfe er hier, ſo ſagte er, nicht als Lehrer auftreten, ihm zieme nur Dank und Gebet.
Inzwiſchen fuhr er fort in der Schule ſich hervorzuthun, er galt bald als der beſte Schüler und dieſes ſowie die Auszeichnung, die ihm bei einer öffentlichen Schulprüfung wiederfuhr, erweckten ſeinen Ehrgeiz. Gleichwohl glaubte ſein Vater ihn nicht für den Gelehrtenſtand beſtimmen zu dürfen. Confeſſionelle Beſchränkungen erſchwerten damals noch mehr als heute die Laufbahn eines jüdiſchen Philologen. Die Eltern glaubten ihren Sohn nicht dem Kampfe gegen beſtehende Ordnungen und eingewurzelte Vorurtheile ausſetzen zu dürfen; er ſollte alſo Kaufmann werden. Aber ihn ſo ganz außer Zuſammenhang mit der Gelehrtenwelt zu ſtellen erſchien auch ihnen unmöglich, ſie wählten alſo den nicht ungewöhnlichen Ausweg und beſtimmten den Knaben, der ſich am Liebſten mit Büchern beſchäftigte, zum Buchhändler. Da hier in Frankfurt ihn, aus Furcht in ihm einen Con⸗ currenten groß zu ziehen, Niemand in die Lehre nehmen wollte, ſo ſollte er in das Geſchäft des Herrn Victor von Zabern in Mainz eintreten. Der Knabe ſchien damit ſehr wohl zufrieden. Practiſche Erwägungen lagen ihm ſehr fern. Daß er mit dem Eintritt in das Geſchäft aufhören müſſe zu ſtudiren, daran dachte er mit Nichten. Er tröſtete ſich mit Spinoza und Moſes Mendelsſohn, die doch große Philoſophen und berühmte Männer geworden ſind, obgleich ſie neben ihren gelehrten Stu⸗ dien auch eine profane Beſchäftigung hatten. Er lebte übrigens durchaus ſorglos in einer Welt voller Ideale; die Sorge für das Practiſche überließ er ſeinen Eltern. Dieſe hatten beſchloſſen, er ſolle Kaufmann werden; es verſtand ſich ganz von ſelbſt, daß er handeln müſſe wie ein gehor⸗ ſamer Sohn. Eberz aber ſchüttelte den Kopf und ſagte, als ſich der geliebte Schüler, um nach Mainz zu gehen, im Juli 1843 von ihm verabſchiedete:„Du wirſt doch noch umſatteln!“
II.
Zum erſten Male in einer fremden Stadt und allein kam ſich der Knabe in Mainz Anfangs wie verloren vor; von Heimweh gequält, verging ihm der erſte Abend unter Thränen. Bald aber kehrte ihm der jugendliche Frohſinn wieder. War es doch ein ſchöner Beruf, für den er ſich hier vorbereiten ſollte! Ohne den Buchhandel, ſo dachte er, gäbe es keine Wiſſenſchaft. Mit erhabeneren Borſtellungen iſt wohl nie ein Buchhändlerlehrling in ein Geſchäft eingetreten.
Wie bald ihm dieſe Ideale zerrannen, wiſſen wir nicht, das aber ſteht feſt, daß in der Vor⸗ ſtellung von der Art, wie man ſich für dieſen hohen Beruf vorzubereiten habe, nur zu bald eine merkliche Meinungsverſchiedenheit zwiſchen ihm und ſeinem Lehrherrn hervortreten mußte. Jeder freie Augenblick während der Geſchäftszeit und außerhalb derſelben wurde von dem angehenden Buch⸗ händler auf das Eifrigſte zum Studium vorzugsweiſe der orientaliſchen und klaſſiſchen Sprachen verwendet. Denn nicht anders als wie mit einer Naturgewalt trieb es den Knaben zum Lernen und Forſchen und hielt es ihn feſt bei einer einmal begonnenen Arbeit. Die ſtrenge jüdiſche Ob⸗ ſervanz, in der er lebte, bot ihm den erheblichen Vortheil, außer dem Sonntag auch noch den Samſtag ganz auf das Studium verwenden zu können„Ganz beſonders“, berichtete er ſeinem Lehrer Eberz,„beſchäftige ich mich jetzt des Samſtags mit der orientaliſchen Literatur und ich treibe eifrig das Hebräiſche, Chaldäiſche, Syriſche und werde nächſtens das Arabiſche anfangen. Im He⸗ bräiſchen bin ich zuletzt in Verbindung mit einem jungen Freunde das Hohelied durchgegangen und
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