— ℛ— ſtrafen— denn die göͤttliche Weisheit vereinigte hier zwei Abſichten in eine That, weil ſie viel⸗ leicht die Strafe die irrenden Menſchenſöhne nicht zu hart wollte fühlen laſſen— machte Gott die Sprache des Einen dem Andern unverſtändlich; und die Menſchen, eine ſolche Verſchiedenheit nicht kennend, vermochten die Ausdrücke der Andern, wenn ſie auch von den ihrigen nicht ſehr verſchieden waren, ſich nicht zu enträthſeln.“
Mitten in ſeiner Unterſuchung unterbricht ſich der Knabe, indem er ausruft:„Aber, mich dünkt ein Thurm von Beweiſen ſtellt ſich mir entgegen— ein Thurm in der engſten Bedeutung des Wortes, der von Babel!“ Der Erzählung von dem babyloniſchen Thurmbau widerſpricht näm⸗ lich ſeine Behauptung von der Sprachverſchiedenheit vor der Sprachverwirrung.— Zunächſt weiſt er nun darauf hin, daß auch Genesis, cap. X, vers 5, 20, 31 von einer Eintheilung nach Sprach⸗ verſchiedenheit ſchon vor der Sprachverwirrung die Rede ſei. Indem er nun aber ſeine ur⸗ ſprüngliche Anſicht, daß allerdings nur dialectiſche Verſchiedenheiten vorhanden waren, weit⸗ läufig begründet und aufrecht erhält, fürchtet er, man könnte glauben, er wolle dadurch Genesis XI, 1 „Und es war auf der ganzen Erde Eine Sprache und einerlei Worte“ widerle gen und ruft aus:„Be⸗ wahre! nur erklären wollte ich ihn. Stände es in der Macht eines Sterblichen jene göttliche Quelle aller Religion, jene reine, wahre Urkunde des Alterthums zu widerlegen? Höchſtens bezweifeln kann er ſie. Aber zur Aufgabe können, dürfen und ſollen wir es uns machen, ſie zu erklären, ſie uns verſtändlich zu machen und den wahren Sinn derſelben, der mit der Wahrheit immer übereinſtimmt, nur uns zuweilen anders ſcheint, einzuſehen uns zu beſtreben. Auch ich wollte das und nur das verſuchen. Ich habe die gewöhnliche Meinung zu widerlegen geſtrebt, aber dieſe iſt von dem Sinn der Bibel wohl zu trennen. Allerdings würde ich geradezu den Worten der Schrift wider⸗ ſprechen, wenn dieſe hier des gewöhnlichen Ausdruckes ſich bedient hätte. Aber ſie hat auch Worte den Begriff Sprache von Mundart zu unterſcheiden und nicht überflüſſig iſt hier die Ver⸗ doppelung(Pleonasmus)„Sprache und Redensarten“, nicht umſonſt ſteht hier ſtatt der gewöhn⸗ lichen laschon, Lippe ssapha gebraucht, um zu bezeichnen, daß nicht gerade die Ausſprache es war, worin man noch keinen Unterſchied kannte, ſondern, daß die ganzen Wörter, Redensarten (d'warim), früher allgemein, jetzt getrennt und die des Einen den Andern unverſtändlich wurde. „Ohne mich daher“, fährt er fort,„um die Erklärungen zu kümmern, durch die man dieſe Er⸗ zählung oft hat vereinfachen wollen, wie die, daß die ganze Begebenheit nur mythiſch ſei und nicht wirklich ſtattgefunden habe, ſondern bloß als Moral angeſehen werden dürfe, oder daß ihr Styl eigentlich ein morgenländiſch⸗verblümter ſei und man unter Lippe— Meinung, unter Ver⸗ wirrung— Streit verſtehen müſſe und dergl., begnüge ich mich mit der ganz einfachen Auslegung, daß bloß die Stammſprachen, deren es nur wenige giebt, verwirrt worden ſeien. Wie die Vorſehung in ihrer Allmacht nicht das Größere thut, wo Geringeres hinreichen würde, ſo hat ſie auch hier nur die Urſprachen, deren obgleich wenige, doch genug für die damalige Be⸗ völkerung der Erde waren, verwirrt. Unter Urſprachen aber verſtehe ich ſolche, die durchaus von keiner andern können abgeleitet worden ſein..
Dieſe meine Auslegung hat keineswegs die Wunderbarkeit der Vererung erkärt; das war auch gar nicht ihr Zweck. Ich wollte durch ſie meine Behauptungen von der Ableitung der ver⸗ wandten Sprachen aus dem Hebräiſchen rechtfertigen: wunderbar, unerklärlich iſt Alles, was um uns vorgeht, aber wir legen nur demjenigen dieſen Namen bei, was uns ungewohnt iſt— un⸗ möglich iſt daher das Wunderbarſte nicht.“ Ebenſo bemüht er ſich das Hinderniß weg⸗
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