Aufsatz 
Dr. Conrad Mel : weiland geistlicher Inspector und Rector des Gymnasiums zu Hersfeld ; ein Lebensbild aus dem Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts / von Alexander Vial
Entstehung
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Neben der Abfassung dieser Schriften beschäftigte ihn auch noch eine häufige Cor- respondenz mit seinen Diöcesanen und seinen in Amt und Würden gekommenen Schü- lern, welchen an seinem Urteil und Gutachten etwas gelegen war. Die Casseler Biblio- thek besitzt auch noch unter den Nachrichten Joh. Christoph Kalckhoffs 4) ein Gutachten, welches Mel diesem Gelehrten mitgetheilt hatte in Betreff der Gründung einer Gelehrten- zeitung. Es umfasst mehrere Bogen und ist lateinisch geschrieben. Und wer weiss, ob nicht auch Mel zuerst in diesem Gelehrten den nachher von Strieder ausgeführten Ge- danken einer Hessischen Gelehrtengeschichte angeregt hat, da aus der Vorrede zum Antiquarius sacer Mels hervorgeht, dass er bereits eine Hassia litterata abgefasst hatte ohne sie jedoch jemals durch den Druck veröffentlicht zu haben.

Dies Schicksal niemals in den Druck gelangt zu sein haben noch andere Werke des Mannes gehabt. So: das Leben Mosis oder Predigten über den Lebenslauf Mosis; das Leben Josua oder Predigten über das Buch Josua; das Sterbebette eines Christen ²); Teutonica s. opus jam diu a maltis desideratum, cujus pars I continet clavem origenum ad reserandas deriuationes nominum cum propriorum tum appellativorum methodo ma- thematica propositam; pars II lexicon germanicum, in quo vocum radicalium teutonica- rum origines ex monumentis antiquis eruuntur ³); und endlich Urnae Mattiacae*). Aber von allen seinen Schriften waren die verbreitetsten und die dauernd wirksamsten die Erbauungsbücher, welche man in der Bibliothek der Fürsten wie auf dem Bücher- bret des Landmanns antraf und die unzähligemal neu aufgelegt noch bis auf den heuti- gen Tag wenigstens in den Erbauung suchenden Kreisen Hessens eine unversiegliche Quelle des Trostes und der Erhebung geblieben sind. Mehrere derselben wurden sogar ins Holländische übersetzt. Das verbreitetste Erbauungsbuch jedoch war und ist noch das vom Volke so genannte Melbuch, nemlich das von Mel 1715 herausgegebene Gebet- buch: Die Lust der Heiligen an Jehova. Dieses erlebte bis zum Jahr 1783 sechzehn Auflagen, bis es in neuster Zeit in der Officin des Rengshäuser Rettungshauses zum siebenzehntenmal aufgelegt worden ist.

So ging von diesem Mann in alle Lebenskreise, mit denen er in Berührung trat, eine unverkennbare Kraft aus. Dass dieselbe aber nicht immer mächtig genug war die Ver-

1) S. über diesen Gelehrten Strieder, Hess. Gel. Gesch. ²) S. Ledderhoses Ehrengedächtniss.

*) Bibliotheque germanique 1723. T. v. p. 216.

4) S. Beschreibung von Cassel. S. 161.