Aufsatz 
Dr. Conrad Mel : weiland geistlicher Inspector und Rector des Gymnasiums zu Hersfeld ; ein Lebensbild aus dem Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts / von Alexander Vial
Entstehung
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mit Ahab dich kläglich stelltest oder mit Esau deine Busse mit Thränen suchtest; denn Busse und beharrliche Lust zu sündigen bestehen sowenig zusammen wie Licht und Finsternis und wie Christus und Belial 4). Also um Befreiung und Erlösung von der Sünde selbst war es ihm mehr zu thun als um Befreiung und Erlösung von deren Strafe.

Soweit ging freilich der Subjectivismus der Innerlichkeit Mels nicht, dass er den Enthusiasten oder Geisttreibern ähnlich den historischen Glauben oder das Dogma und den äusseren Gottesdienst für gleichgültig und überflüssig erachtet hätte, weil er gefun- den, dass das Mittel nicht Zweck ist. Beide gehörten ihm zu den gegebenen Beding- ungen desgeistlichen Lebens ²), in welchem sich die Wiedergeburt so notwendig erweisen müsse, alsdas Leben der Wiedergeburt der Tod der Sünde sei und als das Licht zur Sonne gehöre und die Wärme zum Feuer ³).

Mit welchem eifrigen, ja weltscheuen Ernst und mit welcher überzeugenden Gewalt er aber auch daher eine heilige Gesinnung und einen stillen, frommen,gottgelassenen Wandel empfehlen und fordern mochte, er stellte doch diese Forderung desBruches mit der Welt nicht so, dass er demSonderling Labadie und seinem Anhang ähnlich nur in einerganz reinen Kirche die Bedingung der Gemeinschaft gesucht hätte und Sectirer geworden wäre. Davor bewahrte ihn ausser der Annahme einerstaffelweisen Bekehrung und dem Vorbilde Christi, der mit Zöllnern und Sündern verkehrt und mit Judas sogar Gemeinschaft gehabt habe, auch noch sein Glaube an die Gnade Gottes, zu welcher doch alle Menschen berufen und welche er nicht so klein fand, dass sie nicht auch ausserhalb der einzelnen Zeichen, an denen er die eingetretene Wiedergeburt zu erkennen glaubte, noch walten und Leben wirken könnte, da er selbst erfahren, dass die Gnade mächtiger sei als die Sünde ³). Er hielt darumauch noch nicht für Gottlose diejenigen, welche das lieblose Urteil derer, die es aufs Feinste wollen machen, dafür hält, weil sie ihre gekünstelte Ordensregel verwerfen und in mittelmässigen Dim- gen eine erlaubte Freiheit sich vorbehalten und darum Splitterrichtern ins Urteil fallene- Denn manchmal, meinte er, ist ein Mensch, der eines fröhlichen Temperaments, auch wohl zuweilen etwas frei redet, der einen honetten Umgang mit Leuten nicht verachtet,

¹) Der eröffnete Gnadenthron oder Communionpredigten. Berlin 1743. Seite 160.

²) Teutsche Ethik. 1744. Seite 160.

¹) Posaunen der Ewigkeit. 1754. Seite 603. Der eroffnete Gnadenthron. Seite 812.

*) Der Prediger Salomo oder die eitle Welt. Frankfurt 1711, Seite 708. Vgl. Zions Lehre und Wander. Cassel 1746. Seite 575. 576.