Aufsatz 
Dr. Conrad Mel : weiland geistlicher Inspector und Rector des Gymnasiums zu Hersfeld ; ein Lebensbild aus dem Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts / von Alexander Vial
Entstehung
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Unionsgesprächs zu Cassel 1661 eine geistige Regneration seines Volkes aus der Ver- kommenheit mit dem sicheren Bewusstsein, dass, wenn dieselbe erreicht sei, die Hebung der im Lande kerrschenden materiellen Notvon selbst zufallen werde. Und das ver- dient vollkommen die frohe Anerkennung, welche Professor Henke in seinen geistvol- len Vorträgen über die Restauration der Universität Marburg und über das Casseler Unionsgespräch diesem in der Geschichte auch der Gerechte genannten Fürsten ge- zollt hat.

Aber was kann der Buchstabe äusserer Gesetze und Verordnungen wirken, wenn es an dem rechten sie erfüllenden Geiste und dem fehlt, was ihn beleben und anregen muss? Erfüllt wurden erst die jenen Verordnungen und Einrichtungen zu Grunde lie- genden Absichten in reicherem Maass unter der Regierung von Wilhelms VI., wenn auch nun mehr die materiellen Interessen des Landes befördernden Sohne, dem Land- grafen Carl, als von Ph. J. Spener angeregt ein neubelebender, hauptsäch- lich die unteren Schichten des Volks durchdringender Geist durch die evangelischen Lande zu wehen anfing. Zuerst freilich bekam Hessen davon nur schwärmerisch-sepa- ratistische Ausläufer zu sehen, gegen deren Unwesen Landgraf Carl 1702 eine Verord- nung erlassen musste. Allein bald traten auch würdigere Vertreter desselben auf. Zu diesen gehörte neben dem Züricher J. II. Hottinger, welcher von 1705 bis 1717 Pro- fessor der Theologie in Marburg war, ganz besonders der Mann, von welchem die fol-

genden Blätter ein Lebensbild geben wollen, und welcher der Spener Hessens genannt zu werden wohl verdiente.