Aufsatz 
Zur Erinnerung an Friedrich Ludwig Karl Weigand / von Otto Bindewald
Entstehung
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nehmendem Alter geiſtig friſch und ſchaffensluſtig. Einem befreundeten Geiſtlichen, der ihm zu ſeinem 70. Geburtstage gratulirt hatte, ſchrieb er: Ich bin jetzt auf eine hohe staffel des menschlichen alters gestiegen, wenn auch noch nicht auf die höchste, die der psal. mist nennt. Ob ich auch diese ersteige, steht in der hand dessen, dem ich immer vertraut habe. Dasz ich mich noch wie in jungen jahren fühle, ist seine gnade. Eins bedauerte er aber in dieſen Tagen ſeines Alters ſtets, nämlich daß er noch nicht Zeit gefunden hatte, das am früheſten geplante und begonnene Werk ſeiner Jugend, das Wetterauiſche Idioticon, für das er auch ſpäter immer noch mit Nachtragen von Wörtern und Wortformen thätig geweſen war und früh ſchon die lebhafte Erwartung der Fachgenoſſen erregt hatte(vgl. Allg. Schulztg. 1833, Nr. 50, am Ende), im Druck ausgehen zu laſſen. Und eben ſo leid war es ihm, daß erLamprechts Tochter von Syon, dieſes mhd. allegoriſche Gedicht von der Seele und ihrem himmliſchen Bräutigam, das ihn ebenfalls ſchon mannigfach in Anſpruch genommen, aus einer Gießener Handſchrift, kritiſch und exegetiſch be⸗ arbeitet, noch nicht hatte herausgeben können. Es wäre zu bedauern, wenn das erſtgenannte wetterauiſche Landſchaftswörterbuch, deſſen von Lorenz Diefenbach gelieferte Beiträge er dieſem auf ſeinen Wunſch ſchon 1872 wieder zurück ſandte, nicht wenigſtens der Hauptſache nach, aus Weigands Nachlaß der Oeffentlichkeit übergeben werden könnte. Hoffent⸗ lich gelingt es, entgegenſtehende Schwierigkeiten zu überwinden, damit es von der kundigen Hand des von dem Verf. hochgeſchätzten Prof. Crecelius bearbeitet den dafür empfänglichen Kreiſen zugänglich ge⸗ macht werden könne. Und ebenſo ſteht zu wünſchen, daß Prof. Wein⸗ hold, in deſſen Hände die Vorarbeiten zur Tochter von Syon, ſo viel wir wiſſen, übergegangen ſind, in der Lage ſei, die von Weigand beabſichtigte Ausgabe des Büchleins zu beſorgen.

Es bleibt uns nun noch übrig, von Weigands letzter Krankheit und ſeinem Lebensende zu erzählen. Obgleich derſelbe von Jugend auf keineswegs eine ſtarke, kräftige Conſtitution beſaß, ſo hatte er in den reiferen Jahren ſeines Lebens doch eine kräftige Geſtalt und er⸗ freute ſich auch einer feſten Geſundheit, die nur ſelten von unbedeuten⸗ deren Störungen, z. B. durch Geſichtsroſe, Katarrh u. ſ. w. unter⸗ brochen wurde. Die große Einfachheit und Regelmäßigkeit ſeiner Lebensweiſe und die notwendige Erholung, die er trotz ſeiner ange⸗ ſtrengten Arbeit, wenn auch in dem letzten Jahrzehnt freilich nicht in dem Maße wie früher, immer ſich gönnte, trugen zu dieſem phyſiſchen