Aufsatz 
Nachtrag zum Album des akademischen Pädagogiums (1654 - 1779) / Emil Becker
Entstehung
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dazu, einzelnen Schülern per instantiam parentum et aliorum preces(!) die Reife zusprechen zu lassen. Von 1693 1709 gebot Johann Lorenz Croll am Pädagogium, die Zahl der Abiturienten unter ihm schwankt meist zwischen 5 und 10. Von 17101745 führte Johann Caspar Santoroc aus Cassel das Regiment; er erkrankte 1745 schwer und musste sich daher von Professoren der Universität bei den Prüfungen des Jahres vertreten lassen. Unter ihm vollzog sich ein Wechsel in der Ansetzung der Examenstermine. Während bisher im Frühjahr und im Herbst die Reifeprüfungen abgehalten wurden, werden sie seit 1723wegen Veränderung der akademischen Ferien auf den Juli und den Dezember verlegt. Auffällig ist weiterhin, dass während Santorocs Amtsführung die Prüfungen so oft ein ganz negatives Ergebnis hatten. Solche Zwischenfälle, wo kein einziger Schüler für reif erklärt wird, werden aus den Jahren 1714 1741 elfmal berichtet. Ueberhaupt scheint das Pädagogium damals im Rückgang begriffen gewesen zu sein, sodass Santorocs Nachfolger, Johann Joachim Schröder, der von 1745 1756 die Anstalt leitete, einen schweren Stand hatte. Bei seinen Versuchen, Besserung zu schaffen, fand er zwar in Cassel Gehör, man versprach ihm, wie aus der abgedruckten ersten Verfügung zu ersehen ist, vier neue Auditorien, Vermehrung der Lehrpensen und der Stundenzahl, Beschränkung der Ferien, allein die Verordnungen wurden nur teilweise ausgeführt, denn in dem Reskript des akademischen Konsistoriums ist nur noch von den Ferien, der Stundenverteilung und den Präceptoren die Rede, nicht aber von den vier Auditorien. Oeber weitere Schritte Schröders schweigt das Album, sie sind also ohne Zweifel unterblieben, wenn nicht gar ohne Erfolg gewesen. So wurde 1759 Heinrich Otto Duysing, ein Enkel des oben genannten Heinrich Duysing, durch den Landgrafen Wilhelm VIII. zum Pädagogiarchen ernannt und hat dieses Amt bis 1779 weise geführt. Unter ihm wurde eine neue Rangordnung der Schüler sämmtlicher vier Klassen vorgenommen, der Pädagogiarch prüfte in allen Klassen selbst und setzte den Lehrplan neu fest, dessen Einzelheiten man aus dem genauen Abdruck an Ort und Stelle ersehen mag. Den Anschauungen der Zeit ent- sprechend überwiegt in ihm das Studium der alten Sprachen ganz bedeutend, auffällig ist aber doch, dass die Beschäftigung mit Mathematik oder mit den Naturwissenschaften ganz unterblieben ist. Viel hatte damals die Anstalt unter den Wirren des Siebenjährigen Kriegs zu leiden, und es ist zweifellos ein Verdienst Duysings, dass er mit kräftiger Hand das Schifflein durch alle Fährlichkeiten hindurchleitete, zumal sogar zwei Präceptoren, die Herren Appelius und Tassius, zeitweise unzuverlässig waren und die Landesregierung es an der richtigen Fürsorge für das Pädagogium fehlen liess. Das Album, das seit 1760 teilweise in deutscher Sprache geführt ist, weist von 1770 an eine Lücke auf und schliesst mit dem Jahre 1779, nachdem Duysing noch kurz in flüchtiger Schrift die 38 Schüler der Anstalt mit Namen aufgezählt hat. Duysing wurde Primarius in der theologischen Fakultät, zu seinem Nachfolger am Pädagogium wurde Johann Jacob Pfeiffer ernannt, doch fällt dessen Wirksamkeit nicht mehr in den Rahmen unserer Darstellung.

Soweit in kurzen Worten der Inhalt des Albums. Zum Schlusse sei noch ein Ver- sehen aus dem vorigen Jahresbericht richtiggestellt. Auf Seite 28 muss es unter Nr. 1737. C. Guil. Justi, Anm. 7 heissen:..... ordinis leonis aurei Hassiaci equitibus adscriptus. Der im Jahre 1771 gestiftete Orden vom goldenen Löwen war der höchste der drei hessischen Ritterorden und wurde nur an Souveräne und oberste Würdenträger verliehen.