Jachtrag zum Album des akademischen Pädagogiums (1654— 1779).
Von Oberlehrer Emil Becker. Einleitung.
In den folgenden Blättern wird der im vorigen Jahresbericht begonnene Abdruck des Albums des akademischen Pädagogiums zu Marburg fortgesetzt und zu Ende geführt. Sein Inhalt zerfällt in drei Teile.
An erster Stelle stehen zwei Abschriften von Verfügungen der vorgesetzten Behörden. Ein Schreiben vom, 25. Nowember 1746, das im Konzept unter den Akten des Geheimen Rats erhalten ist, genehmigt die Schaffung von vier neuen Auditorien, die Vermehrung der Lektionen und Schulstunden und die Beschränkung der allzulangen Ferien. Das Heskript des Prorektors iber die Linrichtung des Pädagogiums(7. Dezember 1746), das sich in Ausfertigung im hiesigen Universitätsarchiv befindet, enthält die näheren Anweisungen des Prorektors an den Päda- gogiarchen über die Ausführung der oben angeordneten Bestimmungen. Beide Schreiben dürfen als Beiträge zur Geschichte unseres Gymnasiums allgemeines Interesse beanspruchen.
Es folgt an zweiter Stelle der catalogus exemforum d. h. das F'erseichnis der Abiturienten aus den Jahren 1654— 1779, die, soweit sie später die Universität Marburg bezogen, von Theodor Birt in seinen Catalogus studiosorum Marpurgensium zur Aufnahme gelangen. Wir tinden hier im Album die glanzvollsten und bekanntesten Namen aus hessischen Gelehrten- kreisen wie auch aus den Reihen der Beamtenschaft. Erwähnt seien aus der grossen Zahl nur Namen wie Estor, Führer, von Gehren, Gleim, Hartwig, Hüpeden, Justi, Kleinschmidt, Klingelhöfer, Schantz, Scheffer, Schimmelpfeng. Spangenberg, Vilmar u. a. m. In unserem Texte sind nun aus Gründen der Raumersparnis an Stelle der Namen der einzelnen Abiturienten nur die betreffenden Nummern des im Jahresbericht von 1905 abgedruckten Verzeichnisses gegeben, soweit sie sich darin finden; die bei den Nummern nicht vorkommenden Ergänzungen sind aufgenommen und alle irgendwie erheblichen Abweichungen von der ersten Namensform, die nicht auf offenkundigen Schreibfehlern beruhen, in Klammern beigefügt
Doch damit ist der Inhalt des Albums noch nicht erschöpft. Es enthält drittens noch wichtige Beiträge zur sonstigen Schulgeschichte, insbesondere zur Geschichte des Lehrplans. In annalistischer Form sind die hierhergehörigen Aufzeichnungen zwischen die Abiturienten- verzeichnisse eingefügt. Es empfiehlt sich, gerade mit Rücksicht auf diesen Teil etwas auf den Inhalt des Albums überhaupt einzugehen, der um so wertvoller ist, als die Eintragungen stets vom jedesmaligen Pädagogiarchen eigenhändig gemacht worden sind.
In den Jahren 1653— 1658 stand das Pädagogium, nachdem es die Stürme des Dreissig- jährigen Kriegs glücklich überdauert hatte, unter der Leitung von Johann Werner Geise, von 1658— 1686 unter Heinrich Duysing. Aus der Zeit ihrer Amtsführung ist wenig zu melden, das Album zählt meist trocken die Namen der Abiturienten auf, sonst erfahren wir ſiber die Anstalt fast nichts. Samuel Andreä, ein geborener Pfälzer, der von 1687— 1693 Pädagogiarch war, muss sehr weichherzig und gutmütig gewesen sein, denn er versteht sich


