Aufsatz 
Übersicht der bisher erschienenen Programmabhandlungen [des Königlichen Gymnasiums zu Marburg/L.] 1834-1891 / von Philipp Schäfer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

die Freiheiten Wimpfens.) Auch einige Aufträge des Kaisers an den Landvogt stammen aus diesem Jahre. So soll er die im Gericht Altenhasslau ausgebrochenen Streitigkeiten unter- suchen?⁰⁶) und den Abt Heinrich VII. von Fulda, in dessen Gebiet Uuruhen entstanden waren, unterstützen.) Was Ulrich hier erreicht hat, wissen wir nicht, jedenfalls aber hat er sich die Zufriedenheit des Kaisers erworben, wie aus verschiedenen ihm erteilten Vergünstigungen hervorgeht. 5)

Vor allem aber war Ulrich III. vielfach in Anspruch genommen qurch die Verhältnisse in der Stadt Frankfurt.?*) Als Landvogt war er Vertreter des Kaisers in der Reichsstadt, dazu war er als Pfandinhaber des Schultheissenamtes, welches er 1349 eingelöst hatte, 6⁰) zur Ernennung des Stadtschultheissen berechtigt. Sodann war ihm das Gericht Bornheimerberg verpfändet, dessen Ortschaften in unmittelbarer Nähe Frankfurts lagen, und als Mitinhaber des Reichswaldes hatte er bei der Regelung des Holzbedarfes der Stadt Frankfurt ein Wort mitzureden. ⁰¹)

In Frankfurt waren schon vor der Mitte des 14. Jahrhunderts Vertreter der Zünfte in den Rat aufgenommen worden.¹²) Doch hatten sich im Gerichtswesen und in der Ver- waltung der Stadt allmählich Missstände und Ungerechtigkeiten herausgebildet, die schliesslich zu Unruhen innerhalb der Bürgerschaft führten. Das Schöffengericht war lange Zeit nicht vollständig besetzt, und die Schöffenstellen waren in einzelnen Familien fast erblich geworden. Der Finanzverwaltung der Stadt warf man vor, dass sie ohne Kontrolle und zu verschwenderisch wirtschafte, sodann dass sie ohne Voranschläge und stets mit Anleihen arbeite. ⁰³) Alles dies bot Grund genug zur Unzufriedenheit. Eine zweite Ursache des Aufstandes lag in dem Ver- halten des Rates gegenüber den Zünften. Diese verlangten vom Rat Anerkennung und Be- stätigung ihrer Zunftordnungen. Der Rat weigerte sich anfangs, sie zu gewähren, und wollte die Sache vor den König bringen, da dieser aber gerade in Italien weilte, musste der Rat vorläufig nachgeben.4) Da traten nun auch die Gewandschneider, die damals keine Zunft bildeten, mit ihren Forderungen hervor, auch sie wollten Anerkennung ihrer Gewohnheiten und Rechte. Als der Rath ihnen diese abschlug, wandten sie sich an den Kaiser, und Karl IV. befahl am 29. März 1357 dem Landvogt Ulrich, dass er dem Rat gebiete, die Gewandschneider

55) III, 157.

56) III, 158, vgl. schon III, 113. 132 m. Z. 142 m. Z. 155. 182. Die Insassen des Gerichts behaupteten, es gehöre dem Reich. 1362 wurde das Gericht von den Trimbergern an Ulrich III. von Hanau verkauft. III, 398, vgl. III, 425 m. Z.

57) III, 168. Schannat, hist. Fuld. cod. prob. p. 268, vgl. III, 169. 177 179.

58) Ulrich erhielt einen Turnos auf dem Zoll zu Rheinfels. III, 187. 188, eine Judenhofstatt zu Frankfurt, III, 186, zu der Karl auf dem Reichstag zu Metz noch eine zweite hinzufügte. III, 200.

59) Über die damaligen Verhältnisse in Frankfurt, die inneren Unruhen und Wirren vgl. Kirchner, Gesch. d. Stadt Frankfurt, Bd. I S. 397 ff., Fichard, Entstehung der Reichsstadt Frankfurt a. M., S. 204 fl. Römer-Büchner, Die Entwicklung d. Stadtverfassung u. die Bürgervereine d. Stadt Frankfurt, S. 56 ff., und hauptsächlich Kriegk, Frankfurter Bürgerzwiste und Zustände im Mittelalter, S. 22 ffl. Dazu Rehm a. a. 0. S. 200 ff.

60) II, 798.

61) Kriegk a. a. O. S. 24. vgl. die Charakteristik Ulrichs bei Fichard a. a. O. S. 221 ff.

62) Vgl. Böhmer, cod. dipl. Moenofr. I p. 635 650.

63) Kriegk a. a. O. S. 25 29. Uber die Steuern, die damals in Frankfurt erhoben wurden, vgl. Römer-Büchmer a. a. O. S. 59 62.

64) Kriegk a. a. O. S. 29 32. Damals schon waren von den 52 Vertretern der Zünfte 10 Mitglieder des Rates, vgl. III, 190 m. Zusatz.