Aufsatz 
Übersicht der bisher erschienenen Programmabhandlungen [des Königlichen Gymnasiums zu Marburg/L.] 1834-1891 / von Philipp Schäfer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Gericht Motten und andere ihm bekannt gewordene Reichsgüter in Besit« zu nehmen,) und als Graf Ludwig von Ziegenhain 1277 das Gericht dem Reiche auslieferte,?) belehnte der König Reinhard und dessen Sohn Ulrich damit.)

Nicht minder ist Reinhard von Hanau für Aufrechterhaltung des Landfriedens nach dem Wunsche des Königs eingetreten. In unserem Gebiet handelte es sich um die Burg Steckelberg bei Schlüchtern. Die Burg war 1274 vom Bischof Berthold von Würzburg an Reinhard von Hanau verpfändet worden, ²) allein ihre Inhaber hatten sich verschiedentlich der Wegelagerei schuldig gemacht, und es liefen Klagen beim Könige ein, der die Zerstörung der Burg anordnete. ¹⁰e) Reinhard kam diesem Befehle nach.

Weiter finden wir unter König Rudolf Gerlach von Breuberg in zwei Urkunden des Jahres 1291 in einer ähnlichen Stellung wie die bisher genannten Herren. Als officiatus per Wedrebiam soll Gerlach den Dechanten und das Stiftskapitel zu Frankfurt in ihren Rechten schützen, ¹¹) und als iustitiarius des Königs gebietet er den Forstbeamten des Reichs- waldes Dreieich, dieses Stiftskapitel in der ihm vom Reiche verliehenen Holzberechtigung nicht zu stören.¹²) Weiter wissen wir über Gerlachs Thätigheit in dieser Hinsicht nichts, jedenfalls handelte er aber in öffentlich-amtlicher Stellung und kann daher ebenfalls zu den Vorgängern der späteren Landvögte gerechnet werden.

Ebenso wie sein Vater war König Albrecht I. auf Erhaltung des Landfriedens und Wahrung der Rechte des Königs bedacht. ¹³) Er ist es, der die Reichslandvogteien, die alsbald am Oberrhein, im Elsass, in Schwaben ¹⁴) und in der Wetterau kräftig ins Leben traten, geschaffen oder, wenn man will, neuorganisiert hat. Unter ihm finden wir als ersten Landvogt in der Wetterau Siegfried von Eppstein, der als iustitiarius provincialis im Jahre 1299 ein Schreiben an die Stadt Boppard ergehen liess, aber sein Amt nicht lange bekleidet hat. Denn als im Jahre 1300 der Krieg zwischen König Albrecht und den rheinischen Kurfürsten

6) I, 511. G. Wolff vermutet in den Han. Mitt. 5. S. 45 106, aber wohl mit Unrecht, dass dieses Motten nichts anderes sei als das Dorf Mottgers und dass es sich hier um das spätere Gericht Schwarzen- fels handle.

7) I, 539.

8) I, 542, vgl. schon I, 493.

9) I, 487. Steckelberg war Reichslehen. I, 502.

10) I, 534. Die Burg kam später in den Besitz der im oberen Kinzigthal stark begüterten Herren von Hutten und ist, wie aus IV, 456 ersichtlich, im Jahre 1388 wieder aufgebaut. Auf ihr wurde bekanntlich am 21. April 1488 Ulrich von Hutten, der beriihmte Humanist, geboren. Landau, Ritterburgen III S. 208. D. Strauss, Ulrich von Hutten, S. 8.

11) Böhmer-Lau, cod. dipl. Moenofr. I N. 596.

12) Das. N. 600. In hanauischen Urkunden kommt Gerlach von Breuberg fünfmal vor, doch jedesmal ohne Amtsbezeichnung. I, 609. 626. 662. 663. 725. Auf Leistungen für das Reich weist nur die Ur- kunde vom 2. Sept. 1282 hin, nach der der König einen Weinberg und die Münze bei Gelnhausen, sowie das Gericht bei Selbold(Gründau), an Gerlach verpfändet. I, 609.

13) Mücke, Albrecht I., S. 175 ff.

14) UÜber die Landvogteien in Schwaben und im Elsas vgl. J. Teusch, Die Reichslandvogteien in Schwaben und im Elsass zu Ausgang des 13. Jahrh. Bonn. Diss. 1880. Die beiden Programmabhandlungen desselben Verfassers:Zur Geschichte d. schwäb. u. elsäss. Reichslandvogteien Köln 1890 u. 1893 sind ein zumeist wörtlicher Wiederabdruck der Dissertation. J. Becker, Die Wirksamkeit und das Amt der Landvögte des Elsass im 14. Jahrh. Ztschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins, N. F. X S. 321 361.

15) Wenck, Diplom. Nachrichten von den ausgestorbenen Dynasten von Eppenstein S. 65 nach. Senckenberg, Meditat. II p. 355.

16) Mücke a. a. 0. S. 110 ff.