Aufsatz 
Übersicht der bisher erschienenen Programmabhandlungen [des Königlichen Gymnasiums zu Marburg/L.] 1834-1891 / von Philipp Schäfer
Entstehung
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denen, welche den neugewählten König nach Frankfurt einholten. ²²*) Der Lohn für diese Dienste blieb denn auch nicht aus. Am 25. Oktober 1273 erhob König Rudolf Reinhards Gemahlin Adelheid von Münzenberg zu Aachen in den Stand einer Freien, und die Kurfürsten stellten hierzu der Reihe nach ihre Willebriefe aus. ²³)

§ 2. Die Errichtung der Landvogtei in der Wetterau. Die Frage, wer der erste Landvogt in der Wetterau¹) gewesen sei, ist bisher verschieden beantwortet worden. Bernhard, der die ersten Untersuchungen über diesen Gegenstand angestellt hat, eröffnet die Reihe der wetterauischen Landvögte mit Philipp von Falkenstein, der von 1250 1269 in Urkunden vorkommt. Böhmer hat aber in seiner Abhandlung darauf hingewiesen, dass sich die ersten Spuren des Amtes schon früher finden. Im Jahre 1229 also zur Zeit Friedrichs II. erklärte nämlich Gerlach von Büdingen ausdrücklich, dass er vom Könige mit der Verwaltung(cura) der Wetterau betraut worden sei.²) Später erscheint dann zur Zeit König Richards Philipp von Falkenstein mit einer ähnlichen, freilich sehr all- gemein gehaltenen Mission: der König überlässt ihm um 1259 die Wetterau,³) was doch wohl auf eine ähnliche Aufgabe schliessen lässt.

Soweit reichen die frühesten Spuren von einer der Landvogtei verwandten amtlichen Thätigkeit wetterauischer Herren vor Rudolf von Habsburg. Mit dem Auftreten dieses Königs hören wir mehr davon. Es ist bekannt, dass Rudolfs Bestreben hauptsächlich darauf gerichtet war, das während des Interegnums verloren gegangene Reichsgut wiederzugewinnen und den Landfrieden überall aufrecht zu erhalten.) Auf dem grossen Reichstag, der im November 1274 in Nürnberg abgehalten wurde, sprach man dem König gegenüher den Wunsch aus, dass er von allen Gütern, welche Kaiser Friedrich vor seiner Absetzung besessen, oder von sonstigen heimgefallenen, aber gewaltsam okkupierten Lehen Besitz ergreifen und gegen Wider- spenstige mit königlicher Macht die Rechte des Reiches wahren möge.) Wie in anderen Teilen des Reiches so suchte der König auch in der Wetterau das Reichsgut wieder herbeizu- schaffen und beauftragte seine Anhänger, die Reichsbesitzungen allerorten aufzusuchen. In diesem Sinne war denn auch Reinhard I. von Hanau thätig; er kann deshalb als Vorläufer der späteren Landvögte gelten. Im Jahre 1275 also trug ihm der König auf, das

22) Böhmer-Redlich, Reg. Rud. 9. Kopp, Gesch. von der Wiederherstellung und dem Verfall des hlg. röm. Reichs I, 1 S. 22 Anm. 2. v. d. Ropp a. a. O. S. 89.

23) I, 471. 472 480.

§ 2. 1) Von der Landvogtei in der Wetterau handeln folgende Arbeiten: Bernhard, antiquitates

Wetteraviae, p. 221 f. Böhmer, Archiv f. hess. Gesch. u. Altertumskunde Bd. I S. 337 ff. u. Bd. IV Heft 2 n. 3, X. Moshack, Die Reichslandvogtei in der Wetterau. Jen. Diss. 1888.

2) Böhmer im Archiv I S. 341 nach Gud. cod. dipl. I, 503, wo es heisst: quod cum curam domini Regis et imperii circa purtes Wedereibie specialiter gereremus etc.

3) Bernhard I. c. p. 248 ff. Böhmer a. a. O. 341. committens Philippo de Falkenstein die Wittrau, etc. Die von Moshack a. a. O. S. 8 angeführte Aufschrift auf dem Siegel einer undatierten Urkunde bezieht sich wohl kaum auf Philipp I. von Falkenstein, sondern wahrscheinlich auf Philipp VII., der thatsächlich von 1376 bis 1377 Landvogt in der Wetterau war. IV, 43 Zusatz.

4) O0. Lorenz, Deutsche Gesch. im 13. u. 14. Jhrh. Bd. I S. 432 ff. u. Bd. II S. 324 ff.

5) Böhmer-Redlich, Reg. Rud. 258, vgl. W. Küster, Das Reichsgut in den Jahren 12731312. Leipz. Diss. S. 12 ff.