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lichen eingehalten; nur inſofern war eine Verbeſſerung eingetreten, als die früherhin in einigen Unterrichtsgegen⸗ ſtänden noch vereinigten beiden Tertien nach und nach wegen Überfüllung getrennt werden mußten. Während des Jahres 1884 vollzog ſich jedoch eine für unſere Stadt und Anſtalt wichtiges Ereignis, indem mit dem 1. Auguſt dieſes Jahres Herr Oberbürgermeiſter Rudolph von der Spitze der Stadtverwaltung Mar⸗ burgs, nachdem er dieſer ſeit dem Jahre 1861 zum Wohl und Aufblühen unſerer Stadt vorgeſtanden hatte, zurücktrat. Die kurze Schilderung der Geſchichte unſerer Anſtalt auf den vorausgehenden Blättern zeigt, wie er ins⸗ beſondere vermöge ſeines Amtes als Mitglied des Schul⸗ vorſtandes und ſpäter als Vorſitzender des Kuratoriums ſowohl die Wiederherſtellung einer ſelbſtändigen Real⸗ ſchule, als auch die Gründung einer höheren Bürger⸗ ſchule bezw. eines Realprogymnaſiums in ſachgemäßer Weiſe einzuleiten und zum Ziele zu führen vermochte, wobei er neben großem Intereſſe an der Anſealt ſeine genaue Kenntnis der inneren und änßeren, ſowie auch der rechtlichen Verhältniſſe der Schule zum Vorteile dieſer verwandte. An ſeine Stelle trat als Vorſitzender des Kuratoriums Herr Oberbürgermeiſter Schüler. Infolge der Neuwahl der ſtädtiſchen Behörden trat mit dem 1. April 1889 als Vertreter des Stadtrats Herr Profeſſor Dr. v. Heuſinger und als Vertreter des Gemeinde⸗Ausſchuſſes Herr Landgerichtsrat Gleim ins Kuratorium.
Wenn auch, wie erwähnt, ſeit 1884 ein Wechſel in den definitiv beſtellten Lehrern nicht eingetreten iſi, ſo war doch eine deſto lebhaftere Abwechſelung unter jüngeren Lehrern— Hilfslehrern und Probenden — wahrzunehmen, in deren Zuweiſung bezw. Zulaſſung ſich auch eine Anerkennung hoher vorgeſetzter Behörde ausſpricht. Es ſei dem Berichterſtatter erlaubt, auf das Verzeichnis der an der Anſtalt wirkenden Lehrer zu verweiſen Doch erfüllt er hier gern die angenehme Pflicht den Kollegen den ſchuldigen Dank für die große Bereitwilligkeit auszuſprechen, mit der ſie neben ihrer mit Ernſt betriebenen praktiſchen Ausbildungen in Verhinde⸗ rungsfällen von Lehrern dieſe vertraten.
Herr Provinzial⸗Schulrat Kannegieſſer beehrte die Anſtalt mit ſeinem Beſuche am 20. November 1885 und am 29. und 30. November 1889. Am Schluſſe der letzteren, ſehr eingehenden Viſitation ſprach er ſich in der gemeinſamen Konferenz mit allen Lehrern ſehr günſtig über die gemachten Wahrnehmungen aus, indem er ein treues, fleißiges und ſorgfältiges Arbeiten der Lehrer anerkannte. Hierauf erteilte er noch einige Winke aus ſeinem reichen Schatze eigener Erfahrungen über Er⸗ ziehung und Unterricht.
Wie ſich in den letzten Decennien auf allen Ge⸗ bieten des geiſtigen, induſtriellen und ſozialen Lebens ein unermüdliches Streben, ein raſtloſes Vorandrängen gezeigt und nicht geahnte Erfolge, wenn auch nicht immer poſitiver Natur, gezeitigt haben, ſo iſt auch ſchon ſeit längerer Zeit die Schulreformfrage nicht nur in Fachſchriften, ſondern auch in politiſchen und ſogen. Familienblättern vielſeitig beſprochen und eine Anderung
der ſeitherigen Verfaſſung der höheren Lehranſtalten als notwendig bezeichnet worden. Auch der Bericht⸗ erſtatter ſah ſich veranlaßt in der dem Programm Oſtern 1886 beigegebenen Abhandlung ſeine Anſicht, daß in den höheren Schulen nicht mit dem Lateiniſchen, ſondern mit einer lebenden Sprache, dem Franzöſiſchen, zu beginnen ſei, ausführlich zu begründea. Es würde durch eine ſolche Anordnung außer manchen pädagogi⸗ ſchen und wirtſchaftlichen Vorteilen auch ein gemeinſamer Unterbau für alle höheren Lehranſtalten gewonnen. Um nun insbeſondere den verſchiedenen in Marburg hervor⸗ getretenen Wünſchen gerecht zu werden, ſchien es damals angezeigt, eine ſolche Einrichtung dem hieſigen Real⸗ progymnaſium zu geben, wie ſie ſchon ſeit längeren Jahren in Altona in der vom Herrn Dir. Dr. Schlee geleiteten Reallehranſtalt beſtand. Nach dem Lehrplane dieſer Schule wird in VI mit dem Franzöſiſchen begonnen, in IV kommt Engliſch hinzu. In U. III tritt die Gabelung(Bifurkation) ein, indem ein Teil der Schüler in das Realgymnaſium eintritt und am lateiniſchen Unterrichte teilnimmt, während der andere Teil der Schüler in der Realſchule bleibt und einen verſtärkten Unterricht im Franzöſiſchen, Engliſchen und den Natur⸗ wiſſenſchaften erhält. Dieſer von dem Berichterſtatter empfohlene Lehrplan, nach welchem Marburg die drei Formen der höheren Lehranſtalten ſeinen Bewohnern ge⸗ boten hätte, fand jedoch nicht die Zuſtimmung der reſp. Behörden. Bekanntlich bekommen ſämtliche ſtädt. höheren Schulen in Frankfurt von Oſtern d. J. an einen ſolchen gemeinſamen Unterbau.
Etwa zwei Jahre ſpäter wurde von einer Anzahl hieſiger Bürger der Wunſch ausgeſprochen, das hieſige Realprogymnaſium in eine lateinloſe Real⸗ ſchule zu verwandeln. Bei dem damaligen Stande des Berechtigungsweſens hielt der Berichterſtatter eine ſolche Umwandlung nicht für zweckmäßig, da die lateinloſe Realſchule die beiden bei der Reorgani⸗ ſation 1866 dem Realprogymnaſium geſtellten Auf⸗ gaben— ſowohl dem künftigen Handels⸗ und Gewerbs⸗ mann, als auch den ſich gewiſſen Zweigen des Staats⸗ dienſtes widmenden Schülern die erforderliche allgemeine Bildung zu gewähren— nicht erfüllen könne. Zu einer Wahl, ob man in Zukunft dieſe beiden Aufgaben für die hieſige Reallehranſtalt beibehalten oder ſich nur mit der erſten begnügen wollte, kam es jedoch für die betr. Behörden nicht, weil das Miniſterium auf eine an das⸗ ſelbe gerichtete Anfrage reſcribierte, den bis dahin nach rechtlicher Verpflichtung alljährlich gezahlten Zuſchuß (ſ. S. 20) bei dem Wegfall des Lateiniſchen nicht fort⸗ zuzahlen. Bei den in der Unterrichts⸗Kommiſſion in⸗ folge einer Eingabe Marburger Bürger ſtattgefundenen ausführlichen Verhandlungen fand Herr Geheimerat Dr. Höpfner, Decernent im Unterrichts⸗Miniſterium für die höheren Lehranſtalten der weſtlichen Provinzen, Gelegenheit zu folgender höchſt anerkennenden AÄußerung: „Sowohl die Geſamtfrequenz als auch die Anzahl der Abiturienten und derjenigen Schüler, die aus der Klaſſe Sekunda des Realprogymnaſiums ab⸗ gegangen, ſprechen dafür, daß die Anſtalt gedeiht und ihre Beſtimmnng erfüllt!“


