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können. Zur ferneren Verſehung der Stunden, welche bis gegen Schluß d. J. 1855 hauptſächlich vom Vor⸗ ſtande, ſoweit thunlich, gegeben worden waren, wurde am 11. Januar 1856 der Kandidat der Philologie Fenner von Fenneberg dahier für die weitere Dauer der Krankheit des zweiten Hauptlehrers Breunung mit dem franzöſiſchen und engliſchen Unterricht in 14 Std. wöchentlich beauftragt. Seine Qualifikation hatte Fenner durch eine Probelektion dargethan. Die Be⸗ auftragung dauerte jedoch nur 3 Monate, während bei⸗ nahe ¾ Jahr verfloſſen, bevor Pf. Breunung ſeine Unterrichtsſtunden wieder vollſtändig übernahm. Auch der Elementarlehrer Bücking war 6 Wochen hindurch wegen typhöſen Fiebers an der Erteilung ſeines Unter⸗ richts gehindert. Es war daher nicht zu vermeiden geweſen, daß dieſe zum Teil ſehr langen Unterbrechungen an der Erreichung der Klaſſenziele ſehr gehindert hatten.
Durch eine Aufbeſſerung, welche dem Pfr. Breunung und dem Berichterſtatter vom April 1856 an zu teil geworden, ſowie durch die Koſten der Vertretung des erſteren, waren die Grenzen des Etats der Real⸗ ſchule überſchritten worden. Auf eine Bitte der Regie⸗ rung vom 22. April um Deckung des entſtehenden Defizits und Vermeidung von Verlegenheiten reſkribierte der Miniſter des Innern unter dem 6. Juni 1856, daß die Regierung den Ortsvorſtand zu Marburg auf⸗ zufordern habe, die ſtädtiſchen Behörden zu veranlaſſen, weitere 100 Thaler zum Etat der Realſchule zu zahlen, indem auch die Staatskaſſe ihren jährlichen Beitrag um eine gleiche Summe erhöhen werde. Bei erfolgter Ab⸗ lehnung wurde der Mehrbedarf huldreichſt auf die Staatskaſſe übernommen.
Der Stundenplan für das Schuljahr Michaelis 1856—57 zeigte eine bedenkliche Kombination von zwei Klaſſen; ſo ſollte derſelbe Lehrer Rechnen in der II. Klaſſe und Maſchinenzeichnen in der techniſchen Ab⸗ teilung der I. Klaſſe, welche allerdings nur wenige und ältere Schüler zählte, auch vorher ſchon eine Zeichenſtunde gehabt hatte, gleichzeitig unterrichten.
Die Vereinigung war in der Vorausſetzung geſchehen, daß der betreffende Lehrer in dieſer Klaſſe nur dann und wann nachzuſehen und einige Winke zu erteilen habe. Der qu. Übelſtand oder vielmehr Notſtand hatte wohl darin ſeinen Grund, daß die Stundenzahl für die I. Klaſſe eine zu große(34—35) war und der Vorſtand nur 9—10 Stunden wöchentlich erteilte. Zu bemerken iſt ferner, daß der Vorſtand Pfarrer Grau im Jahre 1856 nach dem Tode des Pfarrer Rauch Schulreferent bei der hieſigen Regierung geworden war, und er ſich an den Sitzungstagen frei vom Unterricht machte. Die nicht zu leugnende Unzweckmäßigkeit der erwähnten Kombination, welche wohl wie manche andere Übelſtände nicht vorgekommen ſein würden, wenn Pfarrer Grau früherhin Lehrer an einer höheren Lehranſtalt geweſen wäre, gaben dem 2. Lehrer Veranlaſſung, am 15. Februar 1857 an die Regierung dahier Anzeige von den nicht zu billigenden Einrichtungen zu machen, nachdem ſein Geſuch um Abſtellung beim Vor⸗ ſtand unberückſichtigt gebleeben war. Die hierdurch ſich ſteigernde Disharmonie zwiſchen den beiden erſten Lehrern
machte ſich ſtörend in dem bis dahin verhältnismäßig ruhigen Unterrichtsgang bemerklich und zeigte ſich nicht ohne Wirkung nach außen; denn die Freqüenztabelle weiſt ſeit dieſer Zeit eine merkliche Abnahme der Schüler auf. Letztere gab vielleicht dem Vorſtand Veranlaſſung zu einer ausnahmsweiſen Aufnahme von Schülern zu Oſtern, unter denen ſich wohl auch ſolche befunden haben werden, welche nicht ganz auf dem Standpunkte der reſp. Schulkurſe waren, wodurch wiederum eine weitere Beſchwerde des 2. Lehrers entſtand. Da der Vorſtand der Realſchule A. Grau, wie erwähnt, ſeit 1856 Referent für Volksſchulen bei der hieſigen Regierung war, ſo wurden die Beſchwerden und Repliken dem Miniſterium zur Entſcheidung vorgelegt; doch liegt eine weitere Verfolgung dieſer verdrießlichen Angelegenheit uns zu fern.
Zu Oſtern 1857 wurde eine Störung im Unter⸗ richtsgang dadurch bewirkt, daß der 1. Hilfslehrer Scheele zur Ableiſtung ſeines Militärdienſtes einberufen wurde. Mit Verſehung ſeiner Stunden wurden Bau⸗ aſſiſtent Schuchhardt und Lehrer Leimbach an der Knabenbürgerſchule beauftragt. Nur kurze Zeit wirkte erſterer mit gleichem Geſchick und Erfolg wie Lehrer Scheele, denn ſchon Ende Juli 1857 legte er ſeinen Auftrag nieder und zwar in die Hände des Letzteren, welcher ſeiner militäriſchen Pflicht hierorts ge⸗ nügte und die fünf Stunden techniſchen Zeichnens da⸗ neben erteilen konnte. Nach Ableiſtung ſeines Militär⸗ jahres übernahm Lehrer Scheele am 1. April 1858 wieder ſeinen geſamten Unterricht.
Der Verſuch des Vorſtandes, Oberſchulinſpektors Grau, in den Lektionsplan für Michaelis 1857—58 in der Weiſe eine Anderung eintreten zu laſſen, daß der Zeichen⸗ unterricht in der baugewerklichen Abteilung gekürzt und dafür Unterricht im Franzöſiſchen eintrete, um den Schülern dieſer Abteilung eine mehr allgemeine als eine Fachbildung zu ermitteln, mußte auf eine Be⸗ ſchwerde des Pfarrers Breunung, als der Genehmigung der vorgeſetzten Behörden entbehrend, wieder aufgegeben werden. Zugleich wurde die in beiden Stundenplänen angeſetzte Stundenzahl von 34 Stunden— Turnen gab es damals noch nicht— auf 32 Stunden herabgeſetzt.
Zur Prüfung der innern und äußern Verhältniſſe der Realſchule, insbeſondere der ſtreitig gewordenen Punkte, wurde auf Antrag der Regierung vom Kurfürſtl. Miniſterium der Oberſchulinſpektor Profeſſor Dr. Bezzen⸗ berger zu Caſſel mit einer eingehenden Viſitation der Anſtalt beauftragt, welche er vom 11.—14. Januar 1857 ausführte. In dem mit vieler Sachkenntnis und großer Gründlichkeit abgefaßten ausführlichen Bericht ſpricht ſich derſelbe über den Standpunkt der Schüler im Wiſſen und Können und über die Wirkſamkeit und Befähigung der Lehrer gegen die Erwartung mancher Beteiligten günſtig aus, und wenn manches in den gewöhnlichen Unterrichtsgegenſtänden wie Leſen und Schreiben nicht genügt habe, ſo ſei es wohl an der mangelhaften Vorbereitung der Schüler gelegen. Als umſichtiger Pädagog und praktiſcher Schulmann— Bezzenberger wurde ſpäter Regierungs⸗ und Schulrat in Magdeburg— hatte er auch eine ganz andere An⸗


