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noch hinzugefügt,„daß dieſer Beſchluß auf die ſeitens der Regierung geſtellten Anträge, namentlich wegen des zu leiſtenden Zuſchuſſes aus der Staatskaſſe zur Be⸗ ſchaffung der erforderlichen Mittel erfolgt iſt.“ In dem am 14. Auguſt 1848 von der Regierung erſtatteten aus⸗ führlichen Bericht nebſt Lehrplau und Etat war nämlich ein Staatszuſchuß von über 1400 Thlr. als notwendig erachtet worden. Die Reorganiſation des kurheſſ. Real⸗ ſchulweſens war allerdings von dem Miniſter Eberhard in Angriff genommen und dem als praktiſchen Schul⸗ mann und pädagogiſchen Schriftſteller rühmlichſt bekannten Direktor der Realſchule zu Caſſel, Dr. Gräfe übertragen worden. In dieſem Auftrage machte letzterer im Sommer 1848 eine Inſpektionsreiſe, auf welcher er auch die hieſige Realſchule beſuchte. Er eröffnete hierbei dem Berichterſtatter, daß er unter den gegebenen Ver⸗ hältniſſen nicht nur mit den erzielten Leiſtungen zufrieden ſei, ſondern daß er bei eintretender Reorganiſation den Berichterſtatter dem Herrn Miniſter empfehlen werde. Nach jenen Beſchlüſſen vom 11. November 1848 iſt nun lange Zeit nicht mehr von der Reorganiſation der hieſigen Realſchule die Rede; auch die ganz unzulänglichen Beſoldungsverhältniſſe der Lehrer wurden nicht verbeſſert. Bezeichnend für die Lage der vielbehandelten Reorgani⸗ ſation iſt, daß in der Verfügung des Miniſteriums vom 11. Februar 1850 nur noch von der Wiederbeſetzung der erſten Lehrerſtelle die Rede iſt.
Am 1. März 1850 war der Miniſter Eberhard ab⸗ getreten und durch Haſſenpflug erſetzt worden, welcher den Gymnaſialdirektor Dr. Vilmar von hier als Referenten in Kirchen⸗ und Schulangelegenheiten berief. Auch der Direktor der hieſigen Bezirksdirektion wechſelte.
Zu nicht geringer Überraſchung der Bewohner Mar⸗ burgs wurde am 1. Juli 1850 der 2. Pfarrer an der Univerſitätskirche und der reformierten Gemeinde, Lic. theol. K. Schmitt, welcher bei Aufſtellung der Lehr⸗ pläne für die Realſchule als Mitglied und Referent des Schulvorſtandes thätig geweſen war, auch langjähriger Leiter einer höheren Mädchenſchule dahier, ſowie Mit⸗ glied des Vorſtandes der Handwerkſchule geweſen war, zum Inſpektor und erſten Lehrer an der Realſchule durch allerhöchſtes Reſkript ernannt. Zugleich war ihm auch die Stelle eines Schulreferenten für die evangeliſchen Volksſchulen des Verwaltungsbezirks Marburg übertragen worden. Man wird nicht irren, wenn man annimmt, daß bei der Beſtellung des Pfarrers Schmitt zum In⸗ ſpektor und erſten Lehrer noch andere Motive als Rück⸗ ſicht auf die Schule mitwirkend geweſen ſind. Die in jeder Beziehung unter dem Proviſorium leidenden Lehrer der Realſchule begrüßten immerhin, wenn ſie auch wohl mit Grund hätten erwarten dürfen, daß auch ihrer end⸗ lich gedacht worden wäre, die Ernennung dieſes wohl⸗ wollenden Mannes mit Freuden. Leider lehnte Pfarrer Lic. theol. K. Schmitt aus Gründen, welche vielleicht bei vielen anderen Herren nicht entſcheidend geweſen wären, die anfangs gewünſchte Stellung ab. Er blieb auch bei ſeiner Ablehnung, als das äußere Hindernis, ſeinem Wunſche entſprechend, entfernt worden war. Durch eine Miniſterial⸗Verfügung vom 29. Auguſt 1850 wurde Pfarrer Schmitt von den beiden Stellen wieder ent⸗
bunden und zugleich der hieſigen Regierung die Auflage gemacht, anderweite Vorſchläge einzuſenden.
Am 29. Auguſt 1850 erließ nun wieder Kurfürſtl. Miniſterium des Innern eine Verfügung, nach welcher „der Herr Bezirksvorſtand über die anderweite Einrich⸗ tung und Verbeſſerung der Realſchule zu Marburg, ſo⸗ wohl hinſichtlich des Schul⸗Organismus als des Lehrer⸗ perſonals, nach Anhörung des ſtädtiſchen Schulvorſtandes einen umfaſſenden Entwurf unter Mitwirkung des Gym⸗ naſiallehrers Dr. Hehl(Mathematiker und Phyſiker) und gleichzeitig die etwaigen Vorſchläge zur Beſetzung der betreffenden Lehrerſtellen vorzulegen habe.“
Dr. Hehl, zugleich Schulreferent für die katholiſchen Volksſchulen bei der hieſigen Bezirksdirektion, entledigte ſich des ihm gewordenen Auftrags in einem 34 eng⸗ geſchriebene Folioſeiten umfaſſenden Entwurf.
Es dürfte von mehrſeitigem Intereſſe ſein, einige in mancher Beziehung originelle Ideen aus dieſem mitzuteilen.
„Der nächſte Zweck einer Realſchule iſt die Groß⸗ erziehung eines höheren Bürgerſtandes einzuleiten und zu vermitteln; ſie ſoll ihren Schülern unverrückbare Eck⸗ ſteine für das Leben ſetzen, von denen ſie nachher im reiferen Alter, wo ſie mehr äußere und innere Erfah⸗ rungen gemacht, den weiteren Ausbau fortführen können. Nur ſolche Hauptmomente ſind zu entwickeln, die dann als Hochlichtpunkte in den ſpäteren Schickſalen und Wirren des Lebens, wo jeder innere Ausbau verwiſcht wird, immer wieder aus der Erinnerung auftauchen und den einzigen Rahmen der Urteile bilden.“
Der Lehrplan war für drei Klaſſen, deren obere einen zweijährigen Kurſus hatte, berechnet; mit der letzteren Klaſſe ſucht Dr. Hehl eine Baugewerkſchule zu verbinden, er verkennt jedoch nicht die Schwierigkeit dieſer Einrichtung.
Da in dem entworfenen Lehrplan der Zeichenunter⸗ richt mit 10, 8 und 8 Stunden wöchentlich für die 3. reſp. 2. und 1. Klaſſe bedacht iſt, ſo bleiben zu wenig Stunden, insbeſondere für die Sprachen, übrig, ſo z. B. für Engliſch nur je 2 Stunden in den beiden oberen Klaſſen.
Dem Verfaſſer dieſes Organiſationsplanes hat nicht eine Realſchule, ſondern eine Fach⸗ oder Handwerlſchule vorgeſchwebt. Er hat wahrſcheinlich nicht berückſichtigt, daß bei einem Knaben von 11 Jahren der Vater noch nicht mit einiger Sicherheit beſtimmen kann, welche Ab⸗ teilung— od die kaufmänniſche oder bautechniſche— ſein Sohn beſuchen ſoll. Vielleicht würde der Plan dieſe Grundlage nicht erhalten haben, wenn die Unterrichts⸗ und Prüfungs⸗Ordnung für die preußiſche Real⸗ und und höheren Bürgerſchulen von Geheimrat Wieſe einige Jahre früher erſchienen und nach ihr dem Verfaſſer bekannt geworden wäre, daß dieſe Schulen, wie die Gymnaſien, ihren Schülern allgemeine und keine Fach⸗ bildung mitzuteilen haben. Sehr treffend und beſtimmend für die Zukunft der Reallehranſtalten ſagt Wieſe:„Die Realſchule iſt keine Fachſchule, ſondern ſie hat es— wie das Gymnaſium— mil allgemeinen Bildungsmitteln und grundlegenden Kenntniſſen zu thun. Zwiſchen Gym⸗


