Aufsatz 
Festschrift des Realprogymnasiums (Realgymnasium ohne Prima) zu Marburg : mit welcher zur Teilnahme an der den 8. April morgens 10 Uhr in der Aula der städtischen Schulen stattfindenden Feier des 25jährigen Bestehens dieser Anstalt Namens des Lehrerkollegiums ergebenst einladet
Entstehung
Marburg 1891/92(1892), 1892-1892
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I. Klaſſe. 1) Religion 5) Phyſik

gemeinſchaftlich mit der II. Klaſſe. 6) Chemie

2) Deutſch: Die Lehre vom deutſchen Styl; Geſchäfts⸗ und andere Aufſätze. 2 Stunden wöchentlich.

3) Franzöſiſch: Von den Fürdwörtern bis zu den unregel⸗ mäßigen Zeitwörtern incl. mit Exercitien. Lehrbuch: Sanguins Grammatik. Florians Fabeln, Paul et Virginie. Memo⸗ rier⸗ und Sprachübungen. 3 Stunden wöchentlich.

4) Geographie: Völker⸗ und Staatenkunde. 2 Stunden wöchentlich Lehrbuch: Geographie von v. Roon. 3. Kurſus.

7) Geometrie: a) Planimetrie und Trigonometrie: Die Lehre vom Kreiſe und die dahingehörenden Aufgaben. Hier⸗ auf Entwickelung der trigometriſchen Funktionen und Formeln, Erklärung der logarithmiſch⸗trigonometriſchen Tafeln und Be⸗ rechnung der Dreiecke 2 Stunden wöchentlich. Lehrbücher: Sadebecks Planimetrie und Stegemanns Trigonometrie.

b) Stereometrie: Von der Lage der geraden Linie und Ebene im Raume; Betrachtung und Berechnung der eben⸗ flächigen Körper, des Cylinders, Kegels und der Kugel. 1 Stunde wöchentlich. Lehrbuch: Stereometrie von Stegemann.

8) Arithmetik: a) Rechnung mit entgegengeſetzten Größen, Potenzierung, Radizierung und Logarithmierung; Gleichungen 1. und 2. Grades. 3 Stunden wöchentlich. Übungsbuch: Algebra von M. Hirſch.

2) Praktiſches Rechnen: Zuſammengeſetzte Regel⸗ detri, die kaufmänniſchen Rechnungen. 2 Stunden wöchent⸗ lich. Übungsbuch: 2. Übungsbuch von Dieſterweg und Heuſer.

9) Zeichnen: a) Freies Handzeichnen: Arabesken, Schattie⸗ rungen nach Vorlegeblättern; Naturzeichnen. 4 Stunden wöchentlich.

b) Architektoniſches, Maſchinen und Planzeichnen.

c) Maſchinenkunde und descriptive Geometrie. 6 Stunden wöchentlich.

Zuſammenſtellung der Unterrichtsgegenſtände nebſt Stundenzahl, welche von den Lehrern erteilt wurden.

Unterrichts⸗ 3 Wöchentl. Lehrer. r II. Klaſſe. I. Klaſſe. Stunden⸗ gegenſtände. ſſ n Inſpektor (vakat.) , Religion 1 Stunde . 2. Lehrer Phyſik 2 Stunden 1. Hempſing. Chemie 1 Stunde Geometrie 2 Stund. 3 Stund Arithmetik 2 Stund. 5 Stund. Geographie 2 Stund. Deutſch 2 Stund. 2 Stund. 8 Lehrer. Franzöſiſch 4 Stund. 3 Stund. 13 r. Hoffa. Gcographie 2 Stund. . Techniſches Z eich enlehrer Zeichnen und 4 Stund. 7 Stund. 11 Heinemann. Perſpektive Zeichenlehrer Freies Maler Creuzer. Handzeichnen 5 Stund. 4 Stund. 9

Am 11. Oktober 1847 wurde der neue Jahreskurſus mit 30 Schülern(16+ 14) vom Berichterſtatter mit einer längeren Anſprache an die Schüler, in welcher zunächſt der neunjährigen, aufopfernden und geſegneten Wirkſamkeit des verſtorbenen Inſpektors Nöding ge⸗ bührend und in Liebe gedacht war, eröffnet. Zugleich

nahm er Gelegenheit von den Aufgaben der Realſchulen zu ſprechen und von den Mitteln, dieſe zu erreichen. Der Tod des Schulinſpektors Nöding gab dem Miniſterium des Innern Veranlaſſung in einer Ver⸗ fügung vom 24. September 1847 der Regierung zu Marburg aufzugeben, Vorſchläge zur definitiven Regu⸗ lierung der für die Realſchule erforderlichen Lehrſtellen zu machen, vor der Beſtimmung bleibender Gehalte der⸗ ſelben jedoch vorgängig zu prüfen und zu berichten, ob der Lehrplan der Realſchule nicht mit Berückſich⸗ tigung der ſeit dem Miniſterialbeſchluſſe vom 14. Dezbr. 1837 gemachten Erfahrungen Abänderungen zu unter⸗ werfen ſei. Bei den Vorſchlägen zu den Gehältern der Lehrerſtellen habe eine Verminderung für die erſte und eine Erhöhung der anderen Stellen einzutreten.(Wurde jedoch ſpäter nicht eingehalten.) Zur ſachgemäßen In⸗ ſtruktion wurden die Lehrpläne der Realſchulen zu Caſſel, Hanau, Hersfeld und Schmalkalden eingezogen und geprüft. Es würde gewiß die Grenzen dieſes Rückblicks über⸗ ſchreiten, wenn wir den verſchiedenen von der Regierung und dem Schulvorſtand entworfenen Plänen unter denen ſich auch ein dreiklaſſiger vom Berichterſtatter befand und den darüber gepflogenen Verhandlungen, welche durch zeitweiſe Erinnerung des Miniſteriums in ein raſcheres Tempo verſetzt wurden, näher treten wollten. Hemmend wirkte auch der Wechſel der Miniſter in den Jahren von 1848 1850. Wir können uns umſo mehr dieſe Kürzung geſtatten, als die Lehrpläne ſich nicht ver⸗ wirklichen ließen. Aus den umfangreichen Verhandlungen zwiſchen Regierung und Stadtſchulvorſtand ſei hier ſo viel erwähnt, daß erſtere einen vollſtändig ausgearbeiteten Plan mit Schulgeld, Staats⸗ und Stadtzuſchüſſen ver⸗ langte und dann erſt Perſonalvorſchläge folgen laſſen wollte, während der letztere glaubte, die Reorganiſation zu fördern, wenn zuvor für die ſelbſtändige und drei⸗ klaſſige Realſchule beide Bedingungen waren als un⸗ zweifelhaft notwendig angenommen der Vorſtand beſtellt und mit dieſem der Lehrplan beraten würde. In dieſem Sinne hatte denn auch der Stadtſchulvor⸗ ſtand, unter den Bewerbern um die Inſpektorſtelle ſich für den Gymnaſiallehrer Gies zu Fulda entſchieden, der als Mathematiker wie auch als praktiſcher Schulmann rühmlichſt bekannt und bezeugt war. Während nun das Miniſterium(Eberhard) noch am 17. Juli 1848 weiteren Bericht über die Reorganiſation erwartet; und über mehrere ſtatiſtiſche Fragen bezüglich der Schüler Aufſchluß ver⸗ langt, ferner am 24. Auguſt 1848 von der Regierung eine nähere Begründung darüber gefordert wird, daß die Stadt Marburg außer Stande ſei, mehr als 300 Thlr. jährlich als Zuſchuß außer dem Lokal zu geben und dieſes Unvermögen unter den damaligen Verhältniſſen (jeder Haushaltungsvorſtand zahlte einerlei ob Fabrikant oder Handwerker oder Beamte jährlich 1,50 Mk zur Stadtkaſſe) als erwieſen von der Regie⸗ rung am 18. September 1848 angenommen wurde, re⸗ ſkripierte das Miniſterium unter dem 11. November 1848daß die Reorganiſation der Marburger Real⸗ ſchule bis zur bevorſtehenden Reorganiſation des Real⸗ ſchulweſens überhaupt beruhen müſſe. In der Ver⸗ fügung der Regierung an den Stadtſchulvorſtand wird