Aufsatz 
Festschrift des Realprogymnasiums (Realgymnasium ohne Prima) zu Marburg : mit welcher zur Teilnahme an der den 8. April morgens 10 Uhr in der Aula der städtischen Schulen stattfindenden Feier des 25jährigen Bestehens dieser Anstalt Namens des Lehrerkollegiums ergebenst einladet
Entstehung
Marburg 1891/92(1892), 1892-1892
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Auch ein Etat wird für die neue zweiklaſſige Real⸗ ſchule aufgeſtellt, in welchem ein Staatszuſchuß von 700 Thlr. und ein Stadtzuſchuß von 300 Thlr., neben Stellung des Schullokals, ſowie ein Schulgeld von 270 Thlr., 8 Thlr. für die 2. und 12 Thlr. für die 1. Klaſſe, angenommen iſt. Die weitläufigen Verhandlungen wegen des Schullokals, zu dem anfangs das dritte Stock der vereinigten Knabenſchule am lutheriſchen Kirchhofe in Ausſicht genommen war, während die Anſtalt ſpäter in das ſtädtiſche Lazarethhaus am Grün gegenwärtig Lokal des Fortbildungsvereins kam; ferner wegen der Feſtſetzung der Lehrergehalte, ſowie auch die Wahl der Lehrer verzögerten die Einrichtung der allſeitig ge⸗ wünſchten Schule, ſo daß die zuerſt für den Herbſt 1837, dann für Oſtern 1838 in Ausſicht genommene Eröff⸗ nung der Realſchule erſt am 8. Oktbr. d. J. wirklich eintrat.

Im Aug. 1838 erſchien im hieſ. amtlichen Wochenblatt folgende Bekanntmachung.

Nachdem die erforderlichen Einrichtungen der durch Beſchluß kurfürſtl. Miniſteriums d. J. vom 7. Novbr. 1836 für die hieſige Stadt genehmigten Realſchule ſo weit gediehen ſind, daß der Unterricht mit dem Monat Oktober d. J. beginnen kann, hiernach die Eröffnung dieſer Schule auf den 8. Oktbr. d. J. feſtgeſetzt worden iſt, ſo werden diejenigen Jünglinge, welche den gewöhn⸗ lichen Schulunterricht bereits vollendet haben und eine dem Stand der fortgeſchrittenen gewerblichen Verhält⸗ niſſe entſprechende weitere Ausbildung ſich erwerben, oder ſich zum künftigen Beſuch der höheren Gewerbe⸗ ſchule in Caſſel vorbereiten wollen, hierdurch aufgefordert, ſich vor dem 8. Oktober zeitig in dem Lokal der Real⸗ ſchule bei dem Inſpektor Nöding zu melden.

Marburg, den 29. Auguſt 1838.

Kurfürſtl. Regierung der Provinz Oberheſſen.

Der Kehrplan der zueiklaſſigen Rralſchulr,

der wohl von dem erſten Inſpektoraufgeſtelltworden war, war nach Unterrichtsgegenſtänden und Stundenzahl folgender:

Anterrichtsgegenſtände: 5 Klaſſe. I. Klaſſe.

Religionslehre St. 2 St. Geſchichte 2 2» .. Geographie 3 3 Deutſch 3 2 Franzöſiſch 1 6 4 Rechnen(Arithmetih) 2 3 Planiemetrie 2 2. Trigonometrie, Stereometrie 2 Deſcripterie Geometrie 2 Phyſik und Chemie 2. 2 Zeichnen 4 4 . Architektoniſches Zeichnen 4 4

Schönſchreiben 2

Wöchentl. 32

Man darf wohl annehmen, daß man ſchon während der Verhandlungen der Errichtung der Realſchule den bisherigen Inſpektor des hieſigen Schullehrer⸗Seminars, welcher bei Überſiedelung dieſer Anſtalt nach Schlüchtern nicht mit verſetzt worden war, zum Inſpektor und erſten Lehrer der neuen Realſchule in Ausſicht genommen hatte, wodurch eine Penſionierung dieſes Herrn ver⸗ mieden wurde.

Lehrerperſonal:

1) Inſpektor und 1. Lehrer für Religion, Deutſch, Geſchichte, Geographie,

2) ein Lehrer für Mathematik und Rechnen, Phyſik und Chemie,

3) ein Lehrer als Sprachlehrer,

4) ein Lehrer für freies Handzeichnen,

5) ein Lehrer für architektoniſches Zeichnen.

(S. Verzeichnis der Lehrer.)

Am 8. Oktober 1838 wurde die Realſchule in dem ſtädtiſchen Haus am Grün mit der 2. Klaſſe, der 9 Schüler angehörten, welche die vorausgegangene Auf⸗ nahme⸗Prüfung beſtanden hatten, von dem Inſpektor Nöding in Gegenwart des 2. Lehrers Fliedner, des 3. Lehrers Dr. Hoffa, des 4. Lehrers Dr. Hach, Zeichnen⸗ lehrers an der Univerſität, und des 5. Lehrers Eckhard, Baupraktikanten dahier, eröffnet.

Zu Oſtern trat 1 Schüler aus und 6 Schüler traten dn. ſo daß die Schülerzahl im Sommerſemeſter 14 etrug.

Schon nach kurzer Zeit zeigte ſich, daß die Aufnahme⸗ Bedingung bezüglich des Alters das zurückgelegte 14. Lebensjahr nicht zweckmäßig war. Auf einge⸗ gebene Geſuche wurde dann auch ſchon im Laufe des 1. Schuljahres Dispenſation erteilt, wenn der angemeldete Schüler die Kenntniſſe zur Aufnahme beſaß.

Am Schluſſe des erſten Schuljahres war Inſpektor Nöding in der angenehmen Lage einen günſtigen Bericht über dasſelbe erſtatten zu können, welchen die Herren Vorgeſetzten mit dem am 24. September 1839 abgehal⸗ tenen Examen, dem ſie anwohnten, in Übereinſtimmung anden.

Aus der Frequenz der Realſchule(ſ. Frequenztabelle) bei dem auch für jene Zeit geringen Schulgeld von 4 Thlrn. und 6 Thlrn. für die 2. bezw. 1. Klaſſe er⸗ giebt ſich, daß die Erwartungen, welche die reſp. Be⸗ hörden bei der Gründung der zweiklaſſigen Realſchule gehegt hatten, ſich in den darauf folgenden Jahren nicht erfüllen wollten. In einem am Schluſſe des Winter⸗ ſemeſters 1842/43 vom Realſchul⸗Inſpektor Nöding an die hieſige Regierung erſtatteten Bericht klagt er über die weitere Verminderung der Schülerzahl und kann den Grund hiervon nicht in den Lehrern fanden,welche bisher Alles gethan hätten, was das Gedeihen dieſer Schule nur fördern könnte. Ein ungünſtiger Umſtand für das Gedeihen der Realſchule lag insbeſondere darin, daß vom Beſoldungsetat mehr als die Hälfte von dem Vorſtand, welcher mit Beibehaltung ſeines früheren Gehaltes als Seminar⸗Inſpektor übernommen worden war, beanſprucht wurde. Hierdurch wurde entweder ein ſteter Wechſel der Lehrer bewirkt oder die Anſtellung an der Realſchule