Aufsatz 
Festschrift zur Begrüssung der ... Versammlung Deutscher Philologen und Schulmänner
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Miſchung des Geiſterhaften mit dem Menſchlichen, ferner die möglichſt treue Anſchließung an die Volksſage. Man hat beſonders eingehend die Frage erörtert, ob Goethe nicht beſſer daran gethan, ſeinen Fauſt in die Bewegungen der damaligen Welt, in das Reformationszeitalter, hätte einführen ſollen, anſtatt ihn in eine reine phantaſtiſche Welt zu verſetzen. Andere meinten: Goethe hätte ja den Fauſt auch nach Amerika ſchicken können, überhaupt in ein konkreteres Leben. Die dergleichen Meinungen aufwerfen, laſſen ganz außer Acht, daß dann das ganze Fauſtproblem ſeinem eigentümlichen Elemente entrückt und auf einen Boden verpflanzt worden wäre, auf dem es nicht hätte ge⸗ deihen können. Dann erſt wäre ein unerträglicher Dualismus ent⸗ ſtanden. Fauſt iſt ja eben kein Wilhelm Meiſter, und ihn mit den Reformatoren zuſammenzubringen, wäre ebenfalls kein glücklicher Griff geweſen. Wenngleich ſein Name in der Reformationszeit in Witten⸗ berg auftaucht, ſo ſteht er doch in gar keiner innern Beziehung zu der reformatoriſchen Bewegung, ſein Leben gehört der Sage, nicht der Geſchichte an.

Der ſchon oben erwähnte Äſthetiker Joſef Bayer ſagt:„Fauſt iſt im erſten Teil noch ein Individuum mit voller poetiſcher Wärme erfaßt und geſtaltet, im zweiten Teil iſt er nur mehr eine Perſonifikation, ein Gedankenweſen, an welches ſich Gedankendinge aller Art ſchatten⸗ haft herandrängen, faſt nur noch der bloße Vereinigungspunkt für Apergus und Anſchauungen, die ſich ſpäter in Goethes Geiſt an⸗ ſammelten“.

Unverkennbar wird das Individuelle völlig ins Typiſche erhoben, und den Geſtalten haftet daher eine gewiſſe Vieldeutigkeit an. Schon aus dieſem Grunde ſollte man von dem Verſuche abſtehen, den zweiten Teil auch für die Bühne einzurichten.*)

*) Was die Frage der Aufführbarkeit des Fauſt auf der Bühne anbetrifft, ſo verhielt ſich anfangs der Dichter ſelbſt ihr gegenüber außerordentlich reſerviert, wie ſeine AÄußerungen in Briefen und überlieferten Geſprächen be⸗ weiſen. Während er jedoch gegen eine Aufführung des erſten Teiles ziem⸗ lich eingenommen war, zeigte er ſich einer Bearbeitung des zweiten Teiles als Oper durchaus nicht abhold. In den„Geſprächen mit Eckermann“ ſagt Goethe:„Mozart hätte Fauſt komponieren müſſen. Meyerbeer wäre vielleicht dazu fähig, allein der wird ſich auf ſo etwas nicht einlaſſen, er iſt zu ſehr mit italieniſchen Theatern verflochten“.