Aufsatz 
Festschrift zur Begrüssung der ... Versammlung Deutscher Philologen und Schulmänner
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da die Hand: Volkspoeſie und Kunſtpoeſie, letztere ſich wieder in antiken und romaniſchen Stil zerlegend. Ferner begegnen wir der Dreiheit der Sphären: Wiſſenſchaft, Kunſt und Staat, und das Moment des Staates hängt mit dem letzten Gegenſatze, dem von Theorie und Praxis zuſammen. Vom erſteren geht Fauſt aus und ſchließt mit dem letzteren.

„Die Fauſtſage hat die Beſtandteile anderer älterer Sagen in ſich aufgenommen und das in ſich konzentriert, was bereits frühere Jahrhunderte beſchäftigte. Daher der Reichtum an Motiven und Kern⸗ gedanken, die ſich im Fauſt abgeſetzt haben. Im griechiſchen Pro⸗ metheus finden wir Anklänge an den in der Fauſtgeſtalt ſich ver⸗ körpernden Titanismus. Ferner iſt der Grundgedanke des Buches Hiob benutzt, was vornehmlich im Vorſpiel des Goetheſchen„Fauſt“ zutage tritt. In der Sage vom ewigen Juden, ſofern ſie das Ruheloſe und Friedloſe des von ſchwerer Schuld gepeinigten Menſchengeiſtes verſinnbildlicht, laſſen ſich gleichfalls Bezüge zur Fauſtſage entdecken. Die mittelhochdeutſche Erzählung vom heiligen Theophilus, der einen Pakt mit dem Böſen ſchließt und nur durch Fürſprache der gnaden⸗ reichen Jungfrau Maria ſein verſcherztes Seelenheil wiedergewinnt, enthält auch verſchiedene Berührungspunkte mit der Fauſtgeſchichte. Vor allem aber ſind es in der mittelalterlichen Poeſie zwei Geſtalten, die in inniger Verwandtſchaft zur Fauſtidee ſtehen: Parzival und Tannhäuſer. Die düſtere Figur des Dänen Hamlet, der in ſeinem Streben nach Vertiefung zu einem Grübeln über die Daſeins⸗ rätſel verfällt, hat man nicht ohne Grund den Shakeſpeareſchen Fauſt genannt. Im romaniſchen„Don Juan“ haben wir das Fauſt⸗ princip nach ſeiner erotiſchen Seite hin vertreten.“*)

Formelle und materielle Verſchiedenheiten unterſcheiden die beiden Teile der Dichtung von einander: der erſte enthält dem Plane nach die wachſende Schuld Fauſts, der zweite muß die ſtufenweiſe Klärung ſeines Geiſtes aufzeigen. Der erſte Teil ſpielt in der ſogenannten kleinen Welt, der zweite in der großen Welt. Aus der Maßloſigkeit ſeines Strebens gelangt Fauſt zur Selbſtbeſchränkung. Aus dem ſelbſtſüchtigen Streben geht er zum Gemeinnützigen über. Der Kultus der Sinnlichkeit wird zum Kultus der Schönheit, die peſſimiſtiſche Auffaſſung wird zur optimiſtiſchen. Gemeinſam iſt beiden Teilen die , S. Norman n, Perlen der Weltlitteratur. Bd. IX.