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Intereſſe der Gegenwart die Gemüter einengt und unterjocht, deſto dringender wird das Bedürfnis, durch ein allgemeineres und höheres Intereſſe an dem, was rein menſchlich und über allen Einfluß der Zeiten erhaben iſt, ſie wieder in Freiheit zu ſetzen und die politiſch geteilte Welt unter der Fahne der Wahrheit und Schönheit wieder zu vereinigen“. All dieſe Gedanken treten uns bereits— wenn auch nur leiſe angedeutet— in„Don Carlos“ entgegen. Auch Poſa iſt feſt von der Idee durchdrungen, daß die Schönheit ein Erziehungs⸗ mittel zur Freiheit werden könne, und ſo benutzt er die Leidenſchaft ſeines Freundes für die Königin, um ihn durch dieſe hindurch zur ſittlichen Freiheit und höchſten Schönheit hinanzuführen. Die Liebe ſoll für Carlos ein Bad der Wiedergeburt werden. Seine Abſichten in dieſem Punkt legt Poſa der Königin vor ſeinem Ende mit edlem Freimut dar: „Ich ſah ſie keimen, dieſe Liebe, ſah
Der Leidenſchaften unglückſeligſte
In ſeinem Herzen Wurzel faſſen.— Damals
Stand es in meiner Macht, ſie zu bekämpfen.
Ich that es nicht. Ich nährte dieſe Liebe,
Die mir nicht unglückſelig war. Die Welt
Kann anders richten. Ich bereue nicht.
Mein Herz klagt mich nicht an. Ich ſahe Leben,
Wo ſie nur Tod— in dieſer hoffnungsloſen Flamme
Erkannt' ich früh der Hoffnung goldnen Strahl.
Ich wollt' ihn führen zum Vortrefflichen,
Zur höchſten Schönheit wollt' ich ihn erheben;
Die Sterblichkeit verſagte mir ein Bild,
Die Sprache Worte.— Da verwies ich ihn
Auf dieſes— meine ganze Leitung war,
Ihm ſeine Liebe zu erklären“.
Auf das ernſte Bedenken der Königin lautet ſeine Erwiderung: „—— ſollten Sie, Sie der Begierden edelſter ſich ſchämen, Der Heldentugend Schöpferin zu ſein? Was geht es König Philipp an, wenn ſeine Verklärung im Escurial den Maler, Der vor ihr ſteht, mit Ewigkeit entzündet?


