Aufsatz 
Festschrift zur Begrüssung der ... Versammlung Deutscher Philologen und Schulmänner
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Gehört die ſüße Harmonie, die in

Dem Saitenſpiele ſchlummert, ſeinem Käufer, Der es mit taubem Ohr bewacht? Er hat Das Recht erkauft in Trümmer es zu ſchlagen, Doch nicht die Kunſt, dem Silberton zu rufen Und in des Liedes Wonne zu zerſchmelzen.

Die Wahrheit iſt vorhanden für den Weiſen, Die Schönheit für ein fühlend Herz. Sie beide Gehören für einander. Dieſen Glauben

Soll mir kein feiges Vorurteil zerſtören“.

Des Dichters philoſophiſches Glaubensbekenntnis: durch Schön⸗ heit zur Wahrheit und Freiheit, kommt voll und ganz zur künſtleriſchen Erſcheinung in dem Gedicht„Die Künſtler“, welches mit den andern lyriſch-didaktiſchen Gedichten ähnlicher Art zu den edelſten Blüten des germaniſchen Geiſtes gehören.

Mit der kühnen und frohen Botſchaft eines großen Völker⸗ frühlings, wie ſie Poſa verkündigt, iſt Schiller ſeiner Zeit weit voraus⸗ geeilt, ſomit ſeine eigenen Worte bewahrheitend:*)„Sowie die edle Kunſt die Natur überlebt, ſchreitet ſie derſelben auch in der Be⸗ geiſterung voran, bildend und erweckend. Ehe noch die Wahrheit ihr ſiegendes Licht in die Tiefen der Herzen ſendet, fängt die Dichtung ihre Strahlen auf, und die Gipfel der Menſchheit werden glänzen, wenn noch feuchte Nacht in den Thälern liegt“.——

Das achtzehnte Jahrhundert arbeitete ſich ab an der Aufſtellung von Reformideeen. Auf dem Gebiete der Religion ſuchte der Toleranz⸗ gedanke, dem durch das Augsburgſche Bekenntnis eine zu enge und frühzeitige Grenze geſetzt worden, ſich Raum und Geltung zu ver⸗ ſchaffen. In der Politik bildete ſich allmählich ein neues Staatsideal heraus, und in der Wiſſenſchaft ſuchte man nach neuen Wegen für die Erkenntnis der Natur und ihrer innerſten Geſetze. Dieſen Geiſtes⸗ ſtrömungen ſind unſere Dichter bald gefolgt, bald um ein gut Stück vorangeeilt, immer aber haben ſie dies nach den drei genannten Rich⸗ tungen ausgreifende Streben ihrer Zeit in entſprechenden, lebensvollen Geſtalten zu verkörpern gewußt. Vertritt Nathan das Ideal religiöſer Duldung, Poſa die Forderung einer Monarchie mit garantierten

*) Briefe über die äſthetiſche Erziehung des Menſchen.

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