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Erklärung für dietieriſche Wärme gegeben und ausgeſprochen, daß ſie von Oxydationsprozeſſen, von einer Art Verbrennung der kohlenſtoff⸗ und waſſerſtoffhaltigen Subſtanzen im Körper durch den eingeatmeten Sauerſtoff des Blutes herrühre, und Ingenhouß, Alexander v. Humboldt, Sauſſure, Sprengel und andere hatten ſich mit den Wechſelbeziehungen zwiſchen Pflanzen und Tieren beſchäftigt. Aber erſt Liebig ſprach es klar aus, daß Pflanze und Tier aufein⸗ ander angewieſen ſeien, daß keins ohne das andre exiſtieren könne. Die chloropholllblatt⸗ grün)haltigen Pflanzen zerlegen unter dem Einfluſſe des Sonnenlichts die Kohlenſäure der Atmoſphäre in Sauerſtoff, der ausgehaucht wird, und in Kohlenſtoff, der ſich mit den Elementen des Waſſers zu Stärke verbindet. Die Stärke aber kann ſich umwandeln in Celluloſe, Gummi, Zucker und Fett(fettes Oel), und indem ſie mit den durch die Wurzel aus dem Boden auf⸗ genommenen ſalpeterſauren und ſchwefelſauren Salzen in chemiſche Wechſelwirkung tritt, hilft ſie die Eiweißſtoffe bilden. Die chlorophyllhaltige Pflanze kann alſo Stärke und Zucker(Kohlenhydrate), Fett und Eiweiß erzeugen“), der Tierkörper beſitzt nur die Fähigkeit, Fett aus Eiweiß abzuſpalten und Stärke in Zucker oder Fett zu verwandeln, im übrigen iſt er auf die von der Pflanze ſchon fertiggebildete Nahrung angewieſen; die Exiſtenz des Tieres ſetzt alſo die der Pflanze voraus, denn auch das fleiſchfreſſende Raubtier zehrt nur von Stoffen, die ſein Beutetier, der Pflanzenfreſſer, der Pflanzenwelt entnommen hat. Die aufgenommenen Nährſtoffe werden im Tierkörper teils zur Bildung des Blutes und damit zugleich der übrigen Gewebe(der Muskeln, Nerven u. ſ. w.) verbraucht, teils im Blutſtrom durch den eingeatmeten Sauerſtoff verbrannt, um Wärme und Muskelkraft zu erzeugen. Die verbrannten Fette und Kohlenhydrate werden als Waſſerdampf und Kohlenſäure, das verbrannte Eiweiß als Harnſtoff und Harnſäure wieder ausgeſchieden; da die beiden letztgenannten Stoffe bei der Fäulnis wieder in Ammoniak und weiterhin in Salpeterſäure übergehen, ſo kann der Kreislauf von neuem beginnen. Dieſer von Liebig zum erſtenmale klar erkannte und geſchilderte Kreis⸗ lauf des Stoffes in der belebten Natur erregte das Intereſſe der weiteſten Volksſchichten und fand in den kleinen Aquarien, Liebig's Welt im Glaſe genannt, bald einen populären Ausdruck.
Hat Liebig auch bei ſeinen tierphyſiologiſchen Forſchungen nicht in allen Einzelheiten Recht behalten— er erblickte beiſpielsweiſe die Quelle der Muskelkraft nur in der Ver⸗ brennung der ſtickſtoffhaltigen ſogenannten plaſtiſchen Nahrungsmittel, d. h. der Eiweiß⸗ ſtoffe, während die ſtickſtofffreien ſogenannten reſpiratoriſchen Nahrungsmittel, d. h. die Fette und Kohlenhydrate, nur Wärme liefern ſollten, eine Meinung, die durch ſpätere Verſuche anderer Forſcher dahin richtig geſtellt wurde, daß man die reſpiratoriſchen Nahrungs⸗ mittel faſt als alleinige Quelle von Wärme und Muskelkraft anſehen darf, während die plaſtiſchen Nahrungsmittel zum Aufbau des Körpers und zum Erſatz der beim Arbeiten ſich abnutzenden Gewebe dienen—, ſo hat er doch auch auf dieſem Gebiete bahnbrechend gewirkt, und die ganze moderne Tierphyſiologie ſteht auf ſeinen Schultern. Indem Liebig bewies, daß das Eiweiß des tieriſchen Körpers allein von dem verzehrten(pflanzlichen oder tieriſchen) Eiweiß ſtammt, zur Fettbildung und Fettablagerung im Körper aber andere Stoffe, die nicht Fett ſind, in erſter Linie Kohlenhydrate(ſtärkehaltige Nahrungsmittel), mitwirken müſſen, hat er es der Landwirt⸗ ſchaft ermöglicht, mit zielbewußter Hand Fleiſch, Fett, Milch und Muskelkraft nach Belieben in den Tieren zu erzeugen und die Nahrungsmittel in der rentabelſten Weiſe in die gewünſchten Produkte umzuſetzen. In ſeiner Agrikulturchemie hat er die Verſorgung der Menſchen und
*) Die ſog. Stickſtoffſammler(z. B. die Lupine) können ſogar aus dem freien Stickſtoff der Bodenluft Eiweiß bilden, dagegen ſind die chlorophyllfreien, alſo bleichen Pflanzen(z. B. die Pilze)
entweder als Paraſiten(Schmarotzer) auf lebende Pflanzen und Tiere oder als Saprophyten(Fäulnis⸗ bewohner) auf verweſende Tier⸗ und Pflanzenleiber(Humus) angewieſen, aus denen ſie ihre Nahrung ziehen.


