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entdecken: er hatte den Pflanzen die Dünger in einer unlöslichen Form geboten, weil er befürchtet hatte, daß das Regenwaſſer die in löslicher Form auf den Acker gebrachten wegſchwemmte, er wußte damals noch nichts von der abſorbierenden Kraft der Ackerkrume, die die Nährſalze an der Oberfläche der Erde feſthält, ſodaß ſie der Regen nicht entführen kann. Doch hören wir darüber den Meiſter ſelbſt.„Was mir einen wahren, dauernden und nie ſich mildernden Kummer machte“, ſo erzählt Liebig in der Einleitung zu ſeinem 1862 erſchienenen großen Werke: Der chemiſche Prozeß der Ernährung der Vegetabilien und die Naturgeſetze des Feldbaues,„dies war der Umſtand, daß ich nicht einzuſehen vermochte, woran es lag, daß meine Dünger ſo langſam wirkten; überall in tauſenden von Fällen ſah ich, daß jeder ihrer Beſtandteile wirkte, jeder allein, und wenn ſie beiſammen waren, wie in meinem Dünger, ſo wirkten ſie nicht. Endlich, vor drei Jahren, nachdem ich alle Tatſachen einer neuen und aufmerkſamen Prüfung Schritt vor Schritt unterworfen hatte, entdeckte ich den Grund! Ich hatte mich an der Weisheit des Schöpfers verſündigt und dafür meine gerechte Strafe empfangen; ich wollte ſein Werk verbeſſern, und in meiner Blindheit glaubte ich, daß in der wundervollen Kette von Geſetzen, welche das Leben an der Oberfläche der Erde feſſeln und immer friſch erhalten, ein Glied vergeſſen ſei, was ich, der ſchwache ohnmächtige Wurm, erſetzen müſſe.
Es war aber dafür geſorgt! Freilich in ſo wunderbarer Weiſe, daß der Ge⸗ danke an die Möglichkeit des Beſtehens eines ſolchen Geſetzes der menſchlichen Intelligenz bis damals nicht zugängig war, ſoviele Tatſachen auch dafür ſprachen; allein die Tatſachen, welche die Wahrheit reden, werden ſtumm, oder man hört nicht, was ſie ſagen, wenn ſie der Irrtum überſchreit. So war es denn bei mir. Die Alkalien, bildete ich mir ein, müßte man unlös⸗ lich machen, weil ſie der Regen ſonſt entführe. Ich wußte damals noch nicht, daß ſie die Erde feſthalte, ſowie ihre Löſung damit in Berührung komme; denn das Geſetz, zu welchem mich meine Unterſuchungen über die Ackerkrume führten, heißt: an der ä ußerſten Kruſte der Erde ſoll ſich unter dem Einfluſſe der Sonne das organiſche Leben entwickeln — und ſo verlieh denn der große Baumeiſter den Trümmern dieſer Kruſte das Vermögen, alle diejenigen Elemente, welche zur Ernährung der Pflanzen und damit auch der Tiere dienen, anzuziehen und feſtzuhalten, wie der Magnet Eiſenfeile anzieht und feſthält, ſodaß kein Teilchen davon verloren geht. In dieſes Geſetz ſchloß der Schöpfer ein zweites ein, wodurch die pflanzentragende Erde ein ungeheuerer Reinigungsapparat für das Waſſer wird, aus dem ſie durch das nämliche Vermögen alle der Geſundheit der Menſchen und Tiere ſchädlichen Stoffe, alle Produkte der Fäulnis und Verweſung untergegangener Pflanzen⸗ und Tiergenerationen entfernt.“
Dieſer glänzende Erfolg, womit Liebig's Lehren von den Naturgeſetzen des Feld⸗ baues einen ſein Werk krönenden Abſchluß erhielten, war, wie wir geſehen haben, nicht nach wochen⸗, auch nicht nach monatelangem Forſchen gewonnen. Zwanzig lange Jahre unausge⸗ ſetzter raſtloſer Tätigkeit waren dahingegangen, wie endlich Liebig(in München) den Schlüſſel zu jenem Rätſel fand. Die deutſchen Landwirte aber haben ſeine Verdienſte durch Gründung der Liebig⸗Stiftung dankbar anerkannt, deren Zweck ſein ſollte, für hervor⸗ ragende wiſſenſchaftliche Leiſtungen und ſonſtige erfolgreiche Beſtrebungen auf dem Gebiete der Landwirtſchaft durch beſtimmte Auszeichnungen(goldene„Liebig“⸗Medaillen oder Geldehren⸗ geſchenke) eine öffentliche Anerkennung zu gewähren.
Mit den neuen Vorſtellungen über die Ernährung der Pflanze gingen bei Liebig verwandte Anſchauungen über die Ernährung des Tierkörpers Hand in Hand. Auch auf dieſem Felde hat er Großes geleiſtet. Zwar hatte ſchon der unſterbliche Lavoiſier die richtige


