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düngerfabrikation, die ſich ſchnell über die ganze Erde verbreitete und beſonders in unſerem deutſchen Vaterlande einen bewundernswerten Aufſchwung genommen hat. Die Staßfurter Abraumſalze— der Kainit, der Karnallit, der Kieſerit, und wie ſie alle heißen, Kali⸗ und Magneſia⸗, Chlor⸗ und Schwefelſäurehaltige Mineralien, die ſich zur Zechſteinzeit als letzte Ausſcheidungen eines vertrocknenden Meeres über dem Steinſalz abgelagert haben— früher faſt wertlos, ſie ſtellen heute eine Goldquelle für unſer Vaterland dar. Sogar die Stahl⸗ und Eiſeninduſtrie ppofitierte von dieſer Neugeſtaltung der Dinge. Das Thomasphosphatmehl, an und für ſich ein wertloſes Nebenprodukt beim Beſſemerſtahlprozeſſe, es iſt neuerdings ein begehrter Handelsartikel geworden, der, auf den Acker gebracht, dieſem die für die Bildung des Samenkorns ſo notwendige Phosphor⸗ ſäure wieder zuführt.
Man muß aber nicht etwa glauben, daß Liebig dieſen Sieg auf agrikulturchemiſchem Gebiete mühelos und ohne Kämpfe errungen habe. Im Gegenteil, ſeine neue Theorie hat ihm viel bittere Stunden bereitet, und ſein großer Genius ſollte ſchwer geprüft werden. Auf einem unfruchtbaren, ſandigen Gelände am Saume des Philoſophenwaldes bei Gießen, das ihm der Magiſtrat der Stadt überlaſſen, auf der ſpäter ſogenannten Liebigshöhe, begann der Reformator ſeine ewig denkwürdigen Verſuche. Aber die Sache wollte anfangs abſolut nicht ſtimmen. Der Mineraldünger, den er von ſeinem Schüler, dem Sodafabrikanten Muspratt in Liverpool, nach einer von ihm ſelbſt erfundenen Methode herſtellen ließ— die in Waſſer für ſich leicht löslichen Nährſalze wurden durch Zuſammenſchmelzen mit kohlen⸗ ſaurem Kalke in eine ſchwer lösliche Form gebracht, damit nicht der Regen ſie auf dem Felde ſofort entführe und außerhalb des Bereichs der keimenden Samen und ibrer Wurzeln bringe— wollte durchaus nicht die erhoffte Wirkung ausüben, ja blieb ſcheinbar ganz wirkungslos. Die Ungewißheit, die Unmöglichkeit, dieſen Widerſpruch der praktiſchen Ergebniſſe mit der Theorie zu löſen, haben damals ſchwer auf Liebig gelaſtet, ihm viel ſchlafloſe Nächte, viele kummervollen Stunden bereitet. Aus dieſer Stimmung heraus ſchreibt er einmal(im Jahre 1857, von München aus, wohin er 1852 übergeſiedelt war) an ſeinen alten Herzens⸗ freund Wöhler in Göttingen, der, während Liebig ſich fruchtlos abmüht, eine glänzende Entdeckung nach der andern macht:„Deine Briefe heimeln mich an, wie ein Märchen aus alten Zeiten; das iſt das alte Feuer und die Jugend, und Jahre, die vergangen, und Töne, die perklungen ſind, ſteigen vor mir auf und verſetzen mich in die blühenden Tage unſres freud⸗ vollen und neidloſen Zuſammenwirkens. Du haſt Dir den reinen Sinn bewahrt und ſchaffſt Dir immer ſich erneuernde Genüſſe; ich aber komme mir vor wie ein Abtrünniger, wie ein Renegat, der ſeine Religion aufgegeben und keine mehr hat. Ich habe die Bahn der Wiſſenſchaft aufgegeben, und in meinem Bemühen, in der Landwirtſchaft und der Phyſiologie etwas zu nützen, wälze ich den Stein des Siſyphus; er fällt mir immer auf den Kopf zurück, und ich verzweifle manchmal an der Möglichkeit, ihm einen feſten Boden zu ſchaffen“, und im November des gleichen Jahres(1857) wieder an Wöhler:„Ich bewundere Dich und Deine ſchönen Arbeiten, wie glücklich biſt du in Deinem Gebiete! Du biſt älter als ich, und ich bin weit ſtumpfer wie Du; Du kommſt mir in Deinen Arbeiten vor wie der Mann in dem indiſchen Märchen, aus deſſen Munde, wenn er lachte, Roſenſträuße fielen; ich bin mit den Landwirten von dem Schickſale verdammt, Waſſer in das Faß der Danaiden zu tragen: alles, was ich tun mag, iſt vergeblich, ich mühe mich ab und zehre meine beſten Kräfte auf, ohne einen Erfolg zu haben.“
Aber mit ſtaunenswerter Energie hielt Liebig an dem Gegenſtande ſeiner Forſchung feſt, und endlich, im Jahre 1859, glückte es ihm, den Grund ſeiner Mißerfolge zu


