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gereichte Nahrung ſeiner Konſtitution nicht entſpricht. Ebenſowenig kann die Pflanze ohne genügende und richtige Zufuhr von Nahrungsſtoffen gedeihen. Sie ziekt dieſe durch die Blätter aus der atmoſphäriſchen Luft und durch ihre Wurzeln aus dem Boden. Ein Acker, der die chemiſchen Verbindungen, das heißt die Salze der Phosphorſäure und Schwefelſäure, des Kalis, Kalks und ſo fort, deren die Pflanzen zum Wachstum bedürfen, nicht oder nur in un⸗ genügender Menge enthält, kann nicht oder nur kümmerlich Früchte tragen. Die Pflanzen nehmen die genannten mineraliſchen Salze aus dem Boden in ſich auf, wir finden ſie in allen Teilen jener, in den Wurzeln, Stengeln, Blättern, Früchten verteilt. Jede Ernte macht deshalb den Acker an dieſen notwendigen Nahrungsmitteln der Pflanze ärmer, und wenn jene Salze dem Boden jahraus, jahrein mit dem Ertrage der Ernte immerfort entzogen, nicht aber oder doch nur unvollkommen erſetzt werden, ſo ſinkt die Ertragsfähigkeit immer tiefer herab, und zuletzt wird der Boden unfruchtbar. Mit dem gewöhnlichen Stalldünger, überhaupt mit dem Dünger in früherer Zeit gab man dem Boden allerdings jene Nahrungsſtoffe der Pflanze zurück, aber nie in der Menge, wie ſie ihm mit jeder Ernte entzogen werden. Der Landwirt, der nicht gewiſſenhaft ſeinem Acker regelmäßig die Salze wieder zuführt, die dieſer durch die Ernten verliert, bewirtſchaftet ſeinen Grund und Boden ſchlecht, irrationell, er betreibt, um mit Liebig zu reden, einen Raubbau. Infolge ſolchen Raubbaus, dadurch, daß man einige Jahrhunderte lang immer nur erntete, ohne dem von vornherein übermäßig fruchtbaren Boden etwas wiederzugeben, ſind die im Altertum fruchtbarſten Länder, ſind Griechenland, Italien und auch Sizilien, einſt die Kornkammer Rom’s, unfruchtbar geworden.
Aber, wird der Laie, dem dieſe Entwickelung der Agrikulturchemie weniger genau bekannt iſt, ſagen, das alles verſteht ſich ja von ſelbſt, das weiß jedes Kind! Und er hat Recht, aber zu Anfang des 19. Jahrhunderts verſtand ſich das nicht von ſelbſt. Damals, und noch ſpäter, war der Glaube verbreitet, die Pflanze erzeuge in ſich ſelbſt die mineraliſchen
Salze, die wir darin finden und die beim Verbrennen als Aſche zurückbleiben, durch die ihr innewohnende ſogenannte Lebenskraft. Daß eben dieſe Salze für das Gedeihen der Pflanze überhaupt notwendig ſind, daß ſie allein aus dem Boden ſtammen und in ihm enthalten ſein müſſen, davon hatte man keine Vorſtellung.*) Dieſe für die Land⸗ wirtſchaft ſo wichtige Tatſache, ihr eigentliches Fundament, zu Tage gefördert und davon für den rationellen Ackerbau die ſegensreichſte Nutzanwendung gemacht zu haben, iſt vielleicht Liebig's größte Leiſtung.
Er iſt als erſter wirklicher Agrikulturchemiker der Reformator des Feldbaus geworden. Hätte er gar kein weiteres Verdienſt ſich erworben, dieſe eine Tat reichte hin, lhm ewigen Ruhm zu ſichern, ſeinen Namen unſterblich zu machen. Liebig hat ſich den
Landwirr dadurch zum höchſten Danke verpflichtet, daß er ihn gelehrt und ihm praktiſche An⸗ weiſung dazu gegeben hat, wie er ſeinem fruchtbaren Acker die Fruchtbarkeit ſichern, wie er einen unfruchtbaren Boden in Früchte tragendes Land verwandeln, wie er die Ertragsfähigkeit ſeines Beſitztums verdoppeln, vervielfältigen kann, alles dadurch, daß er zur Düngung ſeines Ackers nicht nur, wie früher, Stallmiſt, ſondern daneben noch mineraliſchen, ſog. tünſt⸗ lichen Dünger(Superphosphat, Kaliſalze, Chiliſalpeter) verwendet.
Hand in Hand mit der Umwälzung, die auf dem Gebiete der Landwirtſchaft durch Liebig's Reformen ſtattfand, ging das Aufblühen einer neuen Induſtrie, der Mineral⸗
*) Man huldigte zu damaliger Zeit der beſonders von Thaer verfochtenen ſog. Humustheorie, d. h. man ſah als die wichtigſte Aufgabe zur Erzielung hoher Erträge die Erzeugung und Vermehrung des Humus(der halbverweſten Tier⸗ und Pflanzenſtoffe) an. Daß der Humus nicht ohne jede Bedeutung für den Boden iſt, hat der holländiſche Chemiker Mulder nachgewieſen.


