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Neuere, wie Gervinus und Gödeke, laſſen zwar die Thatſache, daß Waldis, der frühere Mönch, Zinngießer geworden ſei, gelten, wiſſen ſich aber doch nicht recht hineinzufinden.
Allein ganz vor kurzem iſt ein ſo klares und unverwerfliches Zeugniß für den Handwerks⸗ ſtand des Waldis aufgefunden worden, daß auch dem Ungläubigſten kein Zweifel mehr bleiben wird, Burcard Waldis ſei wirklich und wahrhaftig ſeines Zeichens ein Zinngießer geweſen. In den Mittheilungen aus der livländ. Geſch. Riga 1857. Bd. VIII. Heft 3. S. 509. hat nemlich Dr. Napiersky eine Urkunde 1⁶) abdrucken laſſen, aus welcher erhellt, daß B. Waldis im J. 1533 als Zinngießer in dem Eckhauſe einer näher bezeichneten Straße zu Riga wohnte. Da in Deutſchland jene„Mittheilungen“ wohl nicht ſehr verbreitet ſein werden, ſo mögen die wenigen Zeilen des für Waldis' Lebensgeſchichte ſo höchſt intereſſanten Dokumentes, ſoweit ſie ihn betreffen, hier einen Platz finden:„Her Peter Bonnynghuſen „vor dem Erſſamen Rade heft thogeſtan“(zugeſtanden)„vnnd bekant, dat he recht vnnd vprichtiges „Kopes vorkoft heft ſeligen Johan Depenbeken nachgelathen Kynderen acht vnnd vertich „marg jarlicker renthen vor achte hundert marg houetſumme, in vnnd vpſyn huſſ in der „Schaleſtrathen, jegen hern Jotke Durkope vnnd den weggeſchrangen“(Weck⸗ ſchranne, Bäckerladen)„„uer vp dem orde(Ecke) gelegen, dar Borchard Waldis de gkannengeter inne wanet, de renthe alle jare vp Michaelis u. ſ. w. Geſchen vrigedages „nach Letare, anno etc. xxxiijo.“
Sonach wird dieſe Standesänderung, wenn auch immer noch merkwürdig, doch nicht mehr unglaublich erſcheinen; ja vielleicht wird man ſie ſogar ganz natürlich finden, wenn man ſich nur einmal lebhaft in die Lage unſeres Dichters im J. 1524 hineindenken will. Mittler (S. 28) hat meines Erachtens hier den richtigen Weg vorgezeichnet. Unſer Dichter hatte, wie wir geſehen, die Mönchskutte abgeworfen und damit den bisher genoſſenen klöſterlichen Lebensunterhalt verloren; eignes Vermögen beſaß er nicht mehr(S. oben S. 9): was ſollte er alſo anfangen, wenn er in dem ihm lieb gewordenen Riga auf ehrliche Weiſe ſich forthelfen wollte? Ich glaube, meine Leſer werden ſelbſt finden, daß Nichts einfacher und natürlicher war, als daß er ein bürgerliches Gewerbe ergriff. Daß und warum er gerade auf die Zinngießerei verfiel, das zu erklären, maße ich mir freilich nicht an, will aber einem etwa noch nicht ganz befriedigten Zweifler doch die beruhigende Verſicherung geben, daß Waldis, wie ſeine großartigen Reiſen zu den berühmteſten Handelsplätzen Deutſchlands beweiſen, auch dies Geſchäft, wie Alles, was er anfing, ordentlich d. h. im Großen betrieb.
Als Kanngießer zu Riga erſcheint Waldis zuerſt mit Sicherheit, als er daſelbſt am 17. Februar
16) Napiersky fand dieſelbe(ſie enthält einen Rentenverkauf) in dem Rentenbuche des Rigiſchen Rathes von den JJ. 1514— 1549 fol. XLIIIIb.


