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ſchon zu Dünamünde, wo das Schiff zuerſt landete, aus und entging ſo dem ihm zugedachten Schickſale. Die beiden andern aber, darunter Burcard Waldis,(merkwürdiger Weiſe der einzige unter den drei Mönchen, welcher uns mit Namen genannt wird), wurden ins Gefängniß geworfen, in welchem Waldis' Gefährte über ein Jahr feſtgehalten wurde, während Waldis ſelbſt nach wenigen Wochen die Freiheit wieder erlangte, indem er, ſeine Haft als eine göttliche Mahnung anſehend, zu der neuen Lehre übertrat. Daß er dies aus inniger Herzensüberzeugung, nicht aber um äußerer Vortheile willen that, dafür ſpricht eine jede Zeile ſeiner Werke, dafür vor Allem des Mannes treu ehrliche Geſinnung, dafür ſprechen endlich, wenn es noch eines äußern Beweiſes bedürfen ſollte, ſeine jeder Zeit ärmlichen Glücksumſtände. Früher ein aufrichtiger und eifriger Kämpfer für das Papſtthum ¹²) hatte er, gleich wie Luther ¹³), eine römiſche Reiſe gemacht und auf dieſer das„Papſtthum mit ſeinen Geliedern“ aus eigener Anſchauung kennen gelernt: es bedurfte daher zuletzt gewiß nur eines Anſtoßes, etwa des Nürnberger Zuſammen⸗ ſeins mit Campeggio, dem ſittenloſen Vertreter des Papſtthums, um den treuen, frommen, echt deutſchen Mann von der bisherigen geiſtigen Knechtſchaft zu erlöſen. Mit dieſer ſeiner Be— kehrung, welche alſo in die erſte Hälfte des Jahres 1524 fällt, ſchließt der erſte Lebensabſchnitt des Dichters, und wir gehen nunmehr zu dem zweiten über, welcher ſeinen Aufenthalt zu Riga von 1524 bis ungefähr 1540 begreift.
Waldis blieb nach ſeinem Uebertritt zur evangeliſchen Lehre in Riga, und der bisherige Mönch erſcheint dort auf einmal umgewandelt in einen—„kangeter“ d. h. Zinngießer. Denn die Vorrede zu ſeinem Faſtnachtsſpiele vom verlornen Sohn beginnt:„Borchardt waldis kangeter tho Ryga ynn Lyfflandt wunſchet hel allen unde idern u. ſ. w.“ Der Abſtand zwiſchen einem Mönch und einem Kanngießer iſt Vielen ſo groß und unausfüllbar vorgekommen 14), daß an der Identität beider Waldis allen Ernſtes gezweifelt worden iſt, und daß man ſich entweder zu helfen ſuchte durch die Annahme, das Wort„kangeter“ ſei hier gar nicht als Be⸗ zeichnung des Gewerbes, ſondern als eigentlicher Name zu faſſen(S. Scheller, ſaſſ. Bücherkunde S. 182), oder gar, wie noch neuerdings Berckholz(S. 23 u. 24 ſeiner Abhandlung) gethan hat, durch die Vermuthung, Waldis habe ſich nur in figürlichem Sinne Kanngießer genannt, wie er auch ſpäter in ſeiner Ausgabe des Theuerdank ſelbſt ſage, er habe„etliche Verſe umb⸗ geſchmiedet“. Beide Vermuthungen hier angeführt zu haben, möge genügen. Andere
12) Vergl unten die Vorr. zu ſeiner Ueberſ. des„Päpſtiſch Reich“.
13) Auf die große Aehnlichkeit der römiſchen Reiſen v. Luther und Waldis machen zuerſt Höfer und Mittler aufmerkſam.
14) Dieſe Verwunderung über Waldis' Zinngießergeſchäft beginnt ſchon bei dem, welcher der Parabel vom verlornen Sohn meines Wiſſens zuerſt gedenkt, bei Prof. Veeſenmeyer im Neuen litterar. Anzeiger 1807. S. 135 und findet ſich noch bei Berekholz am a. O. 1855. Gödeke hat wohl von Veſenmeyers Erwähnung der Waldis'ſchen Parabel Nichts gewußt, vergl. Gödeke S. 21 unten.


