Aufsatz 
Abhandlung des Gymnasiallehrers Dr. Buchenau über Burcard Waldis
Entstehung
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boſſen Den ich vnangezeigt nicht kan laſſen/ u. ſ. w. Zum Verſtändniß diene Folgendes. Der Reichstag zu Nürnberg vom J. 1524 war, wie ja auch Waldis bemerkt, wegen der Reformation berufen, und nicht nur der Pabſt, ſondern auch der noch abweſende Kaiſer hatte einen Abge⸗ ſandten geſchickt in der Perſon des Joh. Haunartus, und letzterer verlangte ſogleich die ſtrenge Ausführung des Wormſer Ediktes. Sonach wehte hier ein den Rigaiſchen Abgeſandten günſtiger Wind. Der Hauptgegenſtand aber, der auf dem Reichstage wirklich weitläufig verhandelt wurde, war der berühmte Streit des Straßburger Biſchofs mit ſeiner Bürgerſchaft über die Eheloſigkeit der Geiſtlichen. In dieſem Streite gegen die von dem Magiſtrat beſchützten ver⸗ heiratheten Prieſter erſchien zu Nürnberg für den Biſchof der ebenſo durch ſein unſittliches Leben, als durch ſeine ſatiriſchen Schriften bekannte Franziskaner Thomas Murner. Campeggio aber benahm ſich bei dieſen Verhandlungen über die Ehe auffallend zurückhaltend, gewiß nicht nur aus Scheu, durch ſeinen Ausſpruch offen auf die Seite der dem Volke in Straßburg wegen ihrer ſchändlichen Unzucht verhaßten unverheiratheten Prieſter(unter Andern auch Murners) zu treten, ſondern wohl aus gerechter Beſorgniß, daß hierbei ſein eigenes nicht ſehr ehrbares und ſogar während der Reichstage ſelbſt fortgeſetztes ſittenloſes Leben*¹) mehr, als ihm lieb ſein konnte, zur Sprache kommen möchte. Im engern Kreiſe ſeiner Vertrauten und Geſinnungs⸗ genoſſen, zu denen er(höchſt wahrſcheinlich ſchon damals mit Unrecht!) unſern Burcard Waldis als den Abgeſandten eines in gleicher Bedrängniß wie der Straßburger Biſchof ſchwebenden geiſtlichen Würdenträgers zählen mußte, mag er ſich dann wohl rückhaltsloſer über die heiligſten Dinge ausgelaſſen haben, wie denn die zwei Schwänke, die er in den beiden Fabeln des Waldis zum Beſten giebt, bei einem Cardinallegaten als Erzähler wirklich ein gut Theil Schamloſigkeit voraus⸗ ſetzen laſſen, ſo daß auch der ehrliche Dichter noch lange nachher beim Niederſchreiben jener Fabeln mit gerechter Entrüſtung des hochmüthigen und ſittenloſen Italieners, aber mit ſtolzer Freude des neu aufgegangenen Lichtes des Evangeliums gedenken mag.(Vergl. Eſopus IV, 17)

Nachdem die drei Rigaiſchen Mönche in Nürnberg ſicher auch von Campeggio einen günſtigen Beſcheid erhalten hatten, begaben ſie ſich auf die Rückreiſe nach Riga. Hier aber hatte die Geiſtlichkeit, von den Erfolgen ihrer Geſandten, wie oben erzählt, brieflich in Kenntniß geſetzt, unterdeſſen begonnen, ſich ihres vermeintlichen Sieges nicht nur insgeheim, ſondern auch öffentlich zu rühmen, und ſo erfuhr denn auch die Bürgerſchaft, weſſen ſie ſich aus dem Reiche zu verſehen habe. Allein der Magiſtrat, welcher offenbar an dem damaligen Heermeiſter Walter o. Plettenberg und ſeinem Rigaiſchen Hauskomthur Hermann Hoyte einen Rückhalt hatte, ließ dem Schiffe, auf welchem die drei Mönche, wahrſcheinlich von Lübeck aus,(vergl. Eſopus IV, 13) heranfuhren, auflauern, ohne daß der alte und ſchwache Erzbiſchof im Stande geweſen wäre, etwas zum Schutze ſeiner Geſandten zu thun. Allein einer der drei Mönche ſtieg

11) Vergl. hierüber Strobel, Neue Beitr. z. Litt. V, S. 384.