Aufsatz 
Abhandlung des Gymnasiallehrers Dr. Buchenau über Burcard Waldis
Entstehung
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Predigten von der geiſtlichen Freiheit, von der nothwendigen Zertrümmerung des päpſtlichen Joches, von dem Unſinn und der Schändlichkeit des Bilderdienſtes hielt, daß ſeine erhitzten Zuhörer ſich zu Gewaltthaten fortreißen ließen, indem ſie nicht nur die Bilder vernichteten, ſondern auch Leichenſteine zertrümmerten und ſogar ruſſiſche Kirchen zerſtörten. Der Magiſtrat, welcher ſolche Vorfälle nicht billigen konnte, und, da er der neuen Lehre ſelbſt geneigt war, doch auch nicht einſchreiten wollte, bat den Erzbiſchof, eine Reform der Klöſter und des Gottesdienſtes vorzunehmen. Hierauf erfolgte nicht nur eine abſchlägliche Antwort, ſondern Erzbiſchof und Kapitel, jetzt die Größe der Gefahr erkennend, ſchickten ſogar eiligſt eine Ge ſandtſchaft von drei Mönchen, darunter unſern B. Waldis, in das Reich an Kaiſer Carl V, um ſich über die erlittenen Kränkungen zu beſchweren. Dieſe 3 Abgeſandten müſſen, wenn ſie, wie wahrſcheinlich, etwa im Anfange 1523 Riga verließen, zu ihrer Reiſe und zur Ausrichtung ihrer Aufträge ſehr viel Zeit gebraucht haben, da B. Waldis nach ſeinem eigenen Zeugniß (ſ. unten) 1524 in Nürnberg war und zwar offenbar noch zur katholiſchen Parthei gehörig und als Mitglied dieſer Geſandtſchaft. Genug, die Mönche trafen Carl V, der gerade in Spanien war, in Deutſchland nicht an und wandten ſich daher mit ihren Aufträgen an ſeinen kaiſerlichen Statthalter, den Markgrafen Philipp von Baden, und erwirkten von dieſem einen dem Wormſer Edikt entſprechenden ſtrengen Befehl an die Stadt Riga, wonach daſelbſt Alles in den frühern Stand geſetzt werden und im Falle des Ungehorſams die Acht über die widerſetzliche Stadt ausgeſprochen ſein ſollte. Dieſen Erfolg ihrer Bemühungen meldeten die Abgeſandten ihren Rigaiſchen Freunden und begaben ſich ſodann, mit demſelben noch nicht zufrieden, nach Nürnberg, wo im Januar 1524 ein Reichstag eröffnet wurde, zu welchem der Papſt ſeinen Cardinallegaten Laurentius Campeggius abgeordnet hatte 1⁹). Die Anweſenheit des B. Waldis und natürlich auch ſeiner beiden Mitabgeſandten auf dieſem Reichstage iſt ſonderbarer Weiſe weder von den Liefländiſchen Geſchichtsbüchern noch von Chyträus oder Sleidanus überliefert worden; wir würden demnach nicht das Geringſte davon wiſſen, wenn uns nicht glücklicher Weiſe wieder der Dichter ſelbſt in zweien ſeiner Fabeln(IV, 17 u. 18.) auf höchſt ergötzliche Weiſe davon berichtet hätte. In der 17. Fabel des 4. Buches heißt es nemlich:Campegius der Cardinal Der bey uns Teutſchen vberall Zu dieſen zeiten iſt bekant Das macht/ das er ſo offt geſand Vom Bapſt/ in vieln Legation Die er an Keyſer vnd Fürſten than Zu Nürmberg ich einſt vor jm ſtundt Sampt andern/ da man handlen gund/ Von einer Reformation Der Kirchen vnd Religion. Einer hub an on als gefehr(ohne alle Gefährde) Vnd ſagt/ wie das viel beſſer wer/ Das die Pfaffen Ehefrawen hetten/ So würd viel ergernis vermitten. Zohe an viel vmbſtendt vnd vrſachen/ Davon der Cardinal ward lachen/. Hub zuerzelen an ein

10) Vergl. über dieſen Reichstag Sleidanus, de statu religionis et reipublicae Carolo V. Caesare commentarii, lib. IV. S. 221 ff. Strobel, Neue Beitr. z. Litt. IV, 2. S. 7.

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