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nicht die geringſte Andeutung— beſuchte der Dichter, in's Apenninengebirge wandernd, auch das berühmte Stammkloſter der Franziskaner zu Aſſiſi und beſchreibt(Eſopus, III, 100) ſehr naiv die übermäßige Pracht dieſes Palaſtes, bei dem„man ſichs wol verwundern möcht Wies als durch betlen zſamen gſucht“, und einige Zeilen weiter:„Das ich von andern all laß ab Der ich viel da geſehen hab⸗/ So iſt das Kloſter zu Aſſeis Vber alle maß/ vnd auß der weiß So köſtlich an ein Berg gebawt Das/ wenn mans auch von fern anſchawt/ So wers eim Türckiſchen Keiſer genug Drinn zu wonen nach allem fug.“ Von Unteritalien mag Waldis dann hinüber nach der pyrenäiſchen Halbinſel gezogen ſein; wenigſtens ſcheint eine ſo weite Reiſe im Süden ſich in keine ſpätere Periode ſeines Lebens paſſend einzufügen, wo wir den Dichter in den Oſtſeeprovinzen, in Holland und im eigentlichen Deutſchland, alſo ſtets im Nord en, auf vielfältigen Wanderungen treffen. Das einzige Zeugniß für jene weitere Ausdehnnng ſeiner italieniſchen Reiſe verdanken wir wieder dem Dichter ſelbſt, welcher in der 18. Fabel kdes 2. Buchs von ſeiner Anweſenheit zu Liſſabon ſpricht:„Man lißt/ das in den alten Jaren Auch eigen Leut auff Erden waren/ Die man verkaufft vmb Gelt vnd gut Wie man noch in viel Landen thut/ Man bringt Moren auß Affrica/ Verkaufft ſie in Hiſpania⸗/ In Italien vberall/ Zu Liſſibon in Portugall/ Da bringt man nacket Fraw vnd Man Wie ichs daſelbſt geſehen han Auß Samigeten/ Littawen/ Reuſſen/ Fuͤhrt man die Leut in Poln vnd Preuſſen/ u. ſ. w.“
Von dieſen dürftigen Nachrichten aus des Dichters Jugendzeit wenden wir uns nun zu⸗ dem erſten mehrfach beglaubigten Ereigniſſe aus ſeinem Leben, zu ſeinem Antheil an der Reformation zu Riga und zu ſeinem Uebertritt zur evangeliſchen Lehre).
Im Jahre 1522 nemlich, während Caspar(niederdeutſch Jasper) von Linden, ein geborner Weſtfale, den erzbiſchöflichen Stuhl zu Riga inne hatte, kam Andreas Knöpken, bisher unter Joh. Bugenhagen Lehrer an der berühmten Schule zu Treptow in Pommern und vom dort durch den Biſchof von Kamin ſeines evangeliſchen Glaubens wegen vertrieben, zum Beſuche eines Bruders nach Riga und erhielt daſelbſt am 23. Oktober das Archidiakonat an der Peterskirche. In dieſem Amte erwarb er ſich durch ſeine Beſcheidenheit und Gelehrſamkeit großes Anſehen und gewann der evangeliſchen Lehre viele Anhänger unter der Bürgerſchaft. Nach kurzer Zeit aber erhielt er einen Genoſſen an Silveſter Tegelmeier oder Tegetmeier, welcher, zunächſt auch in Privatangelegenheiten, von Roſtocknach Riga gekommen war und nun in der Jakobikirche daſelbſt ſo ſtürmiſche und aufregende
9) Unſere Quellen hierfür ſind hauptſächlich: Hiärns und Grefenthals liefländiſche Chroniken und Napierskys Kurze Ueberſicht der ältern Geſch. der Stadt Riga, im 1. 5. u. 4. Bd. der Monumenta Livoniae- antiquae. Riga 1835 ff. Dav. Chytraeus Saxonia. Lips. 1611. S. 256 ff. Balthaſar Ruſſow, Chronica. Bart 1584. Chr. Kelch, Liefländ. Historia. Reval 1695. Gadebuſch, Livländ. Jahrbb. Riga 1780. Thl. I. S. 297. Merkel, die Vorzeit Lieflands. Berlin 1807. 2. Thl. S. 359. Vergl. aber beſonders: Gödeke, Mittler, Berckholz und Höfer. Was die Liefländiſchen Chroniken betrifft, ſo muß bemerkt werden, daß ſie offenbar alle aus einer urſprünglichen Quelle geſchöpft haben; daher die auffallende, oft faſt wörtliche Uebereinſtimmung in ihren Nachrichten.


