Aufsatz 
Abhandlung des Gymnasiallehrers Dr. Buchenau über Burcard Waldis
Entstehung
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der Bruder des Dichters: Bernhard Waldeßen heißt; in einer andern Urkunde ebendaſelbſt S. 133 aber findet ſichWalhauß, alſo geradezu die Form des heutigen Dorfnamens).

Die Familie Waldis gehörte, wie Mittler richtig bemerkt, zu den angeſehenen Bürger⸗ familien, die man in größern Städten Patrizier genannt hat. Dies Patriziat zu Allendorf war aber eigener Art; es gehörten dazu vornehmlich die Theilnehmer an der ſogen. Pfänner⸗ oder Geburſchaft; dies war eine Geſellſchaft, die ſich in uralter Zeit, als der immer kunſtmäßiger werdende Betrieb des Söder Salzwerkes die Kräfte eines Einzelnen überſtieg, gebildet hatte, um gemeinſam die Salzquelle auszubeuten und gemeinſam die Koſten der nöthigen Bauten(daher die Namen: Bauherrn, Buren, Geburen, Geburſchaft) zu übernehmen. Als Theilhaber an dieſer Genoſſenſchaft und als Mitglieder desverordtnet Ausſchoß der gemeinen Pfenner haben die zwei Brüder des Dichters, Hanns und Bernhard, mehrere Urkunden unterzeichnet, welche bei Kopp abgedruckt ſind.(Siehe daſelbſt S. 79 Bernhard Waldeßen; S. 109 am Schluß derſelben Urkunde: bernhartt waldis; S. 133 Bernnt vnnd Hans Walhauß, Burgermeiſter Zu Aldendorff an der WehrraVo) und in der Unterſchrift S. 136: Bernt Waldis.) Neben dieſen beiden Brüdern unſeres Dichters, denen er 1552 aus beſonderer Dankbarkeit ſeinen Pſalter zueignet, erwähnt er in der Widmung zu dieſem Buche noch ſelbſt zwei andere Brüder Urban und Chriſtian.

5) Um über dieſes Dorf und ſeinen frühern Namen, vielleicht auch über ſeine frühere Geſchichte einigen Aufſchluß zu erhalten, ſah ich, nachdem Obiges ſchon niedergeſchrieben war, die Urkundliche Geſchichte des Geſchlechts der von Hanſtein. Kaſſel 1856. 2. Bde. näher ein und fand beſonders im erſten Theile dieſer Schrift mehreres für mich Intereſſante und meine obigen Vermuthungen Beſtätigende. Thl. I. S. 161 heißt es nemlich:Das Dorf Waldeſe, jetzt Walhauſen, hat ſeinen Namen von einem Waldbache, der durch das Dorf fließt und ſich in die Werra ergießt. Dieſer Bach Waldeſaha, d. h. Waldwaſſer hat ſeinen alten Namen noch be⸗ hauptet, denn er heißt jetzt die Walze, d. i. Waldesa, Waldwaſſer. Mit demſelbeu Namen wird das Dorf im Mittelalter conſtant bezeichnet;[In den v. Hanſtein'ſchen Urkunden heißt es 1291 Woldesha; 1353 u. ö. Waldeſa; 1361 und 1366 Waldeza; 1372 zuerſt Wahlhauſen; 1377 Waleza(Vergl. Urkundl. Geſch. u. ſ. w. Thl. I. das Urk. Verzeichniß)] und erſt im 16. Jahrbundert als die von Hanſtein hier ein Haus, d. h. einen adligen Wohnſitz gegrüͤndet hatten, vor welchem das Dorf gleichſam verſchwand, nannte man es mit Rückſicht auf den Ritterſitz Waldeſahaus, woraus ſich Wal- oder Wahlhauſen abſchließt. Ein Hanſteinſches Gerichts⸗Protokoll von 1673 nennt es noch Waldessen. Als das Wichtigſte aber ergibt ſich aus der Urkundl. Geſch. derer von Hanſtein, I. S. 153 ff. daß im 13. Jahrhundert das Dorf Waldeſa im Beſitz einer Familie erſcheint, welche ſich nach dieſem Dorfe nannte und dasſelbe nebſt andern Gütern von den mächtigen ſächſiſchen Grafen v. Everſtein zu Lehen trug: Theodorich v. Waldeſa gibt 1291 dieſe Güter an letztere, ſeine Lehnsherrn, zurück. Es ſoll an dieſe Thatſache nicht etwa die kühne Vermuthung geknüpft werden, daß die Familie des Dichters Burcard Waldis von dieſem adligen Geſchlechte v. Waldeſa herſtamme, aber es verdient conſtatirt zu werden, daß ſchon im 13. Jahrhundert ſich eine angeſehene Familie nach dem Dorfe nennt, und daß ſomit die jüngere Waldis'ſche Familie wenigſtens als die Erbin eines ſehr alten Namens betrachtet werden kann.

6) Nach dieſer Stelle iſt wohl die Angabe bei Mittler S. 14, daß Bernhard Bürgermeiſter geweſen ſei, zu berichtigen.