Aufsatz 
Abhandlung des Gymnasiallehrers Dr. Buchenau über Burcard Waldis
Entstehung
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Dorf Wahlhauſen. Geht man von Allendorf nach demſelben, ſo hat man dicht vor dem Dorfe zur Rechten einen theilweiſe bewaldeten Hügel, der nach Ausweis der großen Generalſtabskarte des Kurfürſtenthums Heſſen(Nro. 7. Section: Witzenhauſen) den NamenDie Waldiß führt, im Munde des Volkes aber gewöhnlichde Wahles), auchdas Wahlesfeld heißt. Jenſeits dieſes Bergrückens kommt von dem Dorfe Vatterode herab ein Bach, deſſen Namen nach der Generalſtabskarte,die Walſe, bei den Leuten dagegen mehrdie Wahlſe lautet; dieſer Bach fließt mitten durch das Dorf Wahlhauſen und ergießt ſich bei demſelben in die Werra. In jener Waldiß nun war die Familie des Dichters begütert und hatte einige dort liegende Grund⸗ ſtücke, die den NamenSpendeäcker führten, zu milden Zwecken beſtimmt. Die erſte Mittheilung über dieſe Stiftung erhielt ich 1853, als ich für B. Waldis' Lebensgeſchichte zu ſammeln begann, mit dem Bemerken, es ſei eineBurcard Waldis'ſche Stiftung. Deshalb bemühte ich mich, die Stiftungsurkunde zu erhalten, war aber erſt im Herbſt 1857 ſo glücklich, durch die eifrige Thätigkeit eines Verwandten in den Beſitz einer beglaubigten Abſchrift derſelben zu gelangen. Da zeigte ſich nun freilich, daß nicht der Dichter, ſondern ſein oben erwähnter Bruder Bernhard der wohlthätige Spender ſei. Da jedoch die fragliche Urkunde über die ehrenwerthe Stellung der Familie ein beſonderes Licht verbreitet, ſomit auch unſern Dichter nahe berührt, außerdem aber noch nicht abgedruckt worden iſt, ſo wird es meinen Leſern nicht unlieb ſein, wenn ich dieſelbe wortgetreu hier folgen laſſe. Sie lautet alſo: Testamentum Bernd Waldis. 1564. Im nahmen der heiligen Dreyfaltigkeit. Amen.

Nachdem Gott der ewiege Vatter in ſeiner allmächtigen ſchöpfung die Erde erfüllet hat mit allerley Zeitlicher güther und alſo den Menſchen zu einem herrn darüber geſetzt, dieſelbe zu ſeinem göttlichen Lob zugebrauchen und auch ein jeder frommer Chriſtgläubiger Menſch ſchuldieg aus ſeiner eigenen wohlgewonnenen nahrung und ſonderlich Von dem übrigen die Werke der Liebe gegen ſeinen nächſten Beſonders dem nothdürftiegen armen zu beweiſen, welche werke die alleredelſte und Beſte ſeyn, damit ein jeder ſeinen reinen wahren glauben bezeigt und beweiſet, dadurch abermahlen Gott der ewiege Vatter durch ſeinen lieben Sohn unſern Seeligmacher Jeſum Chriſtum gelobet und gepreiſet wird, wie Unß ſolches die heilige Schrift alten und neuen Testaments thut lehren.

In ſolcher contenplation und andacht habe Ich Bernd Waldis Bürger zu Allendorff ſonderlich Vorgenommen, um der ſonderlichen Zuneigung Willen ſo Ich gehabt zu den Armen nothdürftiegen daſelbſt zu Allendorf und denen Sooden in Heſſen Land, eine ewiege donation und Allmoſen mit einer Gabe zu Verordnen, inmaſen wie Ich ſolches mit einem Ehrbahren

4)Wahles iſt in dem Allendörfer Idiom dem hochdeutſchenWaldis vollſtändig entſprechend.