Aufsatz 
Abhandlung des Gymnasiallehrers Dr. Buchenau über Burcard Waldis
Entstehung
Einzelbild herunterladen

I.

Wandern wir von dem Hannoverſchen Münden dem Laufe der Werra entgegen, ſo ſehen wir ungefähr drei Stunden hinter dem rebenumkränzten Witzenhauſen die bisher von ſteilen Waldbergen eng eingefaßte Thalſohle zu einer freundlichen Fläche ſich erweitern, aus der uns gleich Ungethümen langgeſtreckte Gradirwerke entgegenſchauen, über welche Tag und Nacht aus hohen Eſſen dichter Rauch emporwirbelt. Da liegt am linken Ufer des Fluſſes un⸗ mittelbar am Fuße des ſog. Haines der uralte, ſchon unter den Ottonen erwähnte Flecken Soden mit einer ſeit unvordenklichen Zeiten betriebenen Saline. Gerade gegenüber aber am andern Ufer, zu welchem man über mehrere ſteinerne Brücken gelangt, breitet ſich freundlich das heſſiſche Landſtädtchen Allendorf aus, zum Unterſchied von vielen Namensverwandtenan der Werra genannt. Es nimmt ſich gar anmuthig aus mit ſeinen freundlichen Häuſern, welche, in einen wahren Wald von Gärten gehüllt, unmittelbar vom Ufer aus an einem Hügel emporſteigen. In dieſem Städtlein erblickte Burcard Waldis, der große deutſche Fabeldichter, das Licht der Welt. Leider läßt ſich gleich dieſe erſte Behauptung unſerer Lebensbeſchreibung nicht mehr mit Kirchenbuch und Taufſchein belegen. Denn den Zeiten des Waldis folgte der dreißigjährige Krieg, und mit ihm kamen ſchwere Schickſale über die Städte und Landſchaften an der Werra. Noch ehe nemlich am 21. April 1637 Kaiſer Ferdinand III. die von ſeinem Vater über den Landgrafen Wilhelm V. von Heſſen ausgeſprochene Acht erneuert hatte, ergoſſen ſich ſchon kaiſerliche Völker gleich einem wilden Strome über ſein unglückliches Land. 18 Städte, darunter drei an der Werra, Wanfried, Eſchwege und(am 2. April 1637) unſer Allendorf, gingen in Flammen auf.Für wenigen Tagen, berichtet der Superintendent M. Joſeph am 17. Juli 1637 an die fürſtl. Regierung zu Kaſſel ¹), bin Ich zu Allendorff geweſen, den großen Jammer daſelbſt beſehen, In dem die gantze wohlerbawete Stadt mitt allen Wohnungen, heuſern(drei kleine bey

1) Dieſer Bericht iſt abgedruckt in der Zeitſchrift des Vereins für heſſiſche Geſchichte und Landesk. Band VI, S. 170 ff. 4,