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In der 7. Haupteolumne habe ich einestheils bei denjenigen Schülern, welche im Jahre 1835 in das(neu geſchaffene) Gymnaſium übertraten, auf meine 1861 edierte Gymnaſial⸗Statiſtik durch den Buch⸗ ſtaben G mit Beifügung der dortigen Seitenzahl verwieſen, und anderntheils enthält dieſelbe Verweiſungen auf die unten(unter II.) folgende Ueberſicht über den Inhalt der Jahresprogramme, in denen vor allen Dingen die Namen der Valedicenten mit den Titeln ihrer Reden aufgezählt ſind. Dieſe Reden hat, faſt ohne Aus⸗ nahme in der eigenhändigen Handſchrift, der bereits genannte Herr Gymnaſialdirector Dr. Karl Friedrich Weber mit großem Fleiße geſammelt und geordnet und mit ſchätzenswerthen Perſonalangaben verſehen. Sie werden (in 4 ſtarken Quartbänden) in der Gymnaſialbibliothek aufbewahrt und umfaßen(freilich ſehr unvollſtändig) auch verſchiedene bei Herbſt⸗Prüfungen gehaltene Vorträge, welche am Schluß anhangsweiſe beigefügt worden ſind. Nur in wenigen Fällen iſt die Autorſchaft der Reden nicht zu ermitteln geweſen. Iſt nun die be⸗ treffende Rede in jener Sammlung vorhanden, ſo iſt dies durch einen der Jahreszahl beigefügten*bezeichnet worden, während das Unterſtreichen der Jahreszahl bedeutet, daß ſie von dem Verfaßer als Abiturienten gehalten worden iſt; fehlt der Strich, ſo rührt dieſelbe von einem nicht zugleich abgehenden Schüler her.
In hohem Grade intereſſant ſind vielfach die Bemerkungen, welche(vergl. Weber a. a. O., S. 319) „als Ergebnis einer desfalls mit den übrigen Lehrern der betreffenden Claſſe kurz vor der Prüfung vor⸗ genommenen Beſprechung die Claſſenlehrer in einer ihnen überlaßenen Abfaßung über Talente, Fleiß und Sitten“ halbjährlich in den Claſſenbüchern über jeden Schüler niederzulegen hatten. Daß dieſelben mit der nöthigen Freimüthigkeit abgefaßt wurden, beweiſt z. B. ein Eintrag vom Sommerſemeſter 1824 über einen Untertertianer, welcher folgendermaßen lautet:„Ein impertinenter Burſche, der die Beſcheidenheit bloß aus dem Wörterbuch kennt; dabei von entſchiedenem Talent, lernbegierig, in den einzelnen Fächern theils vorzüglich, theils gut, theils ſchlecht. Was könnte aus dem Kinde werden, wenn ſein Herz von Liebe erwärmt wäre.“ Und wahrhaft wohlthuend berührt es, wenn wir Männer, wie einen Jakob Grimm, bereits in ihren Knaben⸗ und erſten Jünglingsjahren ſo characteriſiert finden, wie es ihrer nachherigen ruhmvollen Entwickelung entſpricht. Nicht allein Nathanael Cäſar ſpricht ſich z. B. über den Genannten als Primus der Oberquartaner(Herbſt⸗ Examen 1799) höchſt anerkennend aus, indem er von ihm ſchreibt:„Mit Vergnügen können ihn die Lehrer als einen der fähigſten, fleißigſten und geſittetſten Schüler empfehlen“; auch der Rector Karl Ludwig Richter urtheilt beim Frühjahrs⸗Examen 1801 über den Primus der Unterſecunda:„Macht bei untadelhafter Aufführung mit gewohntem Fleiß rühmliche Fortſchritte“ und ſtellt ihm bei ſeinem Abgang aus der Anſtalt(aus Unter⸗ prima, zu Oſtern 1802) das ehrende Zeugnis aus, daß„er durch ſeinen ausnehmenden Fleiß völlig die Kürze der auf dem Lyceo zugebrachten Zeit erſetzte.“ Wenn daher in ſeiner Selbſtbiographie(Grundlage zu einer Heſſiſchen Gelehrten⸗, Schriftſteller⸗ und Künſtler⸗Geſchichte. Von Dr. C. W. Juſti. Marburg 1831. S. 150) ſeine Beurtheilung des Lyceums nicht entſprechend günſtig, wenigſtens in einzelnen Punkten, ausfällt, ſo läßt ſich aus dieſem Umſtande um ſo eher der Schluß ziehen, daß die dort ausgeſprochenen Ausſtellungen wohl begründet waren, zumal da die ſpäteren Schüler ähnliche Beobachtungen zu machen Gelegenheit fanden.— Eine allgemeine VerWöffentlichung verboten natürlicher Weiſe leicht begreifliche Gründe. Doch habe ich mir, wenigſtens für Secunda und Prima, alle vorgefundenen Urtheile notiert, ſo daß ich ohne Mühe im Stande bin, jedem Nachfragenden Auskunft zu geben.—
Für Abſchnitt III. iſt anzumerken, daß in allen Fällen, wo die Schulgeld⸗Erhebe⸗Liſten verſchiedene Claſſen combinieren, dies durch Klammern angedeutet iſt in der Weiſe, daß die folgende Ziffer die Geſammt⸗ Schülerzahl aus den zuſammengefaßten Claſſen angibt. Für die weſtphäliſche Zeit wird auch hier durch L. das Geſammt⸗Lyceum(1— III) bezeichnet, während B. die demſelben gegenüberſtehende, zur Vorbereitung für einen beſtimmten bürgerlichen Beruf eingerichtete Bürgerſchule, E. die Elementarclaſſen(für Lyceum und Bürger⸗ ſchule) bedeutet.


