Aufsatz 
Die zwei Recensionen und die Handschriftenfamilien der Weltchronik Rudolfs von Ems : mit Auszügen aus den noch ungedruckten Theilen beider Bearbeitungen / von A. F. C. Vilmar
Entstehung
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ein gewisser Anklang an den Volkston, welcher dem aus einem Gusse kommenden Werke Rudolſs gänzlich fremd ist. Als regelmässig wieder- kehrende Pormel zur Bezeichnung Gottes bedient sich der Verfasser die- ser Recension des Ausdruckes: Gol unfer herre oder unfer herre got, welcher zwar auch in Rudolfs Werke aber doch nur einmal in der ersten Fassung vorkommt, während er hier stehende Formel ist; augen- scheinlich gehört diese dem populären(geistlichen) Tone an, wie sie denn auch nebst ihren Verwandten in dem geistlichen Volksliede sich bis auf unsere Tage erhalten hat. Ebenso findet sich hier die Anrede: Lieber got(c. pal. 321 f. 39*). Auf ähnliche Weise berührt das Gebiet der geist- lichen Volksdichtung die Form in welcher Henochs Geschichte hier vor-

kommt C. pal. 321 den felben man

f. 25 a nam got in fine tougen von menſchlichen ougen, der hete in lebenden iemer fit, und lebete biz an die leften zit, und wirdet danne in den jungsten tagen in dem gotes kamphe erflagen, und Elias der bi im ift behalten. daz tuot der endekrift.

Durch ihren Ton erinnert diese Darstellung auffallend an eine volks- mässige Dichtung, während Rudolf denselben Stoff folgendermassen be-

handelt:

C. pal. 327 der gewan einn fun hiez Enoch; f. 4 den edelen heiligen alten hat lebenden noch behalten in finer heinliche got, daz er sol durch fin gebot beftan den valſchen antichrift in der leften jare vrift.

Der Stoff ist zwar in beiden Recensionen volksmässig, und weicht eben so von Peter von Troyes(der von dem Kampfe mit dem Antichrist gar nichts weiss, und Henoch nebst Elias bloss wieder kommen lässt, um nach Mal. 3, 6 die Herzen der Väter zu den Kindern zu bekehren) wie von Goifrid von Viterbo(welcher nach Offenbarung c. 11 Henoch und

Elias im Kampfe mit dem Antichrist fallen lässt) ab.