Aufsatz 
Die zwei Recensionen und die Handschriftenfamilien der Weltchronik Rudolfs von Ems : mit Auszügen aus den noch ungedruckten Theilen beider Bearbeitungen / von A. F. C. Vilmar
Entstehung
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ser Stelle befindlichen Bedenken erregenden Reimes für keinen späteren Zusatz halten. Aehnliche ungeschickte, sogar widrige Ausführungen fin- den sich f. 41d(Beschreibung des Alters der Sara), f. 23 a(Beschreibung des trüben Gesichtes Lamechs), f. 105 c u. an a. O.

Der das Werk Rudolfs belebende Gedanke(der sechs Weltalter und des durch dieselben bedingten Verhältnisses zwischen der heiligen und heidnischen Geschichte) ist hier nur verkümmert wieder zu finden. Die Weltalter werden zwar auch erwähnt, die heidnische Geschichte auch ein- geschaltet, aber ohne dass die Idee der Aufstellung der ersteren und die Unterordnung der andern irgend einmal ausgesprochen würde oder auch nur durchblickte. Dem gemäss sind denn auch die Akrosticha Rudolfs

zerstört, wie schon gleich der Anfang dieser zweiten Arbeit: Crist herre keifer über alle kraft Voget himelifcher herſchaft

das Akrostichon Rado!f eingebüsst hat. Unrichtig führt Massmann Hei- delb. Jahrb. 1828 S. 203 not. 46 den Anfang des zweiten Buches Mosis aus dieser Recension als ein Beispiel für Rudolfs Akrosticha an; dieses zweite Werk hat gar keine Akrosticha, und ich kann das M womit das zweite Buch Mosis anfängt kaum für etwas mehr als Zufall halten(wahr- scheinlich jedoch Nachahmung oder Ueberbleibsel des ursprünglichen Akrostichs, wie auch das voget in dem Eingange dieser Recension, wel- ches sichtlich dem RV zu Gefallen gesetzt war, und hier nur weil kein anderes Wort gleich zu Gebote stand, stehen blieb); das Noachische Welt- alter hat zwar in dieser Recension auch ein N, das Abrahamische aber kein A, vielweniger ein eigentliches Akrostichon.

Die Geschichte der Heiden wird keinesweges im Zusammenhange, sondern eben so zerstückelt wie in der historia scholastica an der selben Stelle wo diese ihr incidens primum, secundum u. s. w. hat, weniger eingefügt als eingestreuet.

Neben dieser durchaus unter dem Stoffe stehenden und denselben mit kurzsichtigem aber desto kleinlicherem Blicke auseinander kramenden Ge- lehrsamkeit findet sich nun aber nicht allein, wie zu erwarten war und durch die oben gegebenen Beispiele bewiesen worden, Geschmacklosig- keit und Ungeschick, welches mitunter zur Plumpheit wird, sondern auch