Aufsatz 
Die zwei Recensionen und die Handschriftenfamilien der Weltchronik Rudolfs von Ems : mit Auszügen aus den noch ungedruckten Theilen beider Bearbeitungen / von A. F. C. Vilmar
Entstehung
Einzelbild herunterladen

verftet er der rede niht; diu unvernünftic waeren,

wil er ez danne suochen, wolt er mit den maeren

er vindet an den buochen die glofe danne tihten,

die glofe, din im ſchiere feit da mit diu maere verrihten,

die vernunft der warheit. ſo würden glofe und maere

daz inac in tiutsche niht alfo wefen; ze lanc und al ze fwacre.

wan war din maere welle lesen

Ein solches unverständiges Sich-breit-machen mit lateinischer Weisheit ist nirgends in der echten Chronik, überhaupt wohl nicht bei Rudolf zu finden. Wie ganz anders und unvergleichbar feiner wendet dieser eine ungefähr ähnliche Materie am Schlusse des Barlaam!

Wenn auch der Verfasser dieses Werkes öfter, wie eben in der zuletzt ausgehobenen Stelle, sich zur Abkürzung seiner Rede ermahnt, so will es ihm doch nie damit recht gelingen; in dem Augenblicke seiner Selbstermah- nung spinnt er schon wieder den noch längeren Faden für die scheinbar abgebrochene Erzahlung an. Auch sind die Formeln deren er sich für die Abkürzung seiner Rede oder für die Rückkehr von einer Abschweifung bedient, gröstentheils ungeschickt und durchaus unrudolfisch:

C. p. 321 f. 119 b doch wil ich niht miden,

ich welle eine uz fniden diu maere mit getihte hie, wie man do die e begie; des laz ich hie vil under wegen wie man des opphers folde phlegen;

oder c. pal. 321 f. 47 a: Nun komen an die materie wider da wir fie haben abgenomen; ich was an andriu maere komen, daz ich geredete von der diet

des uns got von in beſchiet.

Das entgegengesetzte Extrem kommt jedoch auch einmal vor: C. pal. 321 f. 98a wird das Ende eines Hauptabschnittes mit dem Anfange des folgenden durch den Reim gebunden; eine Ungeschicktheit, von der wohl nicht leicht ein zweites Beispiel gefunden wird.

Die ganze breite Gelehrsamkeit des Verfassers aber ist, ganz ver schieden von Rudolf, eine geistliche. Was dieser scheinbar Gelehrtes ein- führt, ist der grosse geographische Abschnitt nach der Erzählung vom Thurmbau, von dem ein ansehnliches Stück Graff in der Diutiska J,

S. 48 67 aus der Strassburger Handschrift abgedruckt hat. Diese durch- 3