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zu besprechende Anlehnungen abgerechnet, ganz und gar und von Grund aus ab, so dass nicht einmal der Gedanke an eine Ueberarbeitung auf- kommen kann. Auch ihre Quelle ist die Historia scholastica, doch in ganz anderer Weise, als bei Rudolf; ihre Darstellung schreitet nicht mit offenem Blicke und freiem sicherem Gange über ihr Original hinweg, son- dern bindet sich überall ängstlich, oft sclavisch an dasselbe, so dass sie für nichts, als eine der historia scholastica Schritt für Schritt fol- gende Uebersetzung gelten kann, wobei die Bibel selbst niemals in Be— Dies geht so weit, dass bei der Aufführung der
trachtung kommt. Genealogie Nahors(Genes. 22, 20— 24) es von den Söhnen seines Kebs-
weibes heisst: Nachore ein ander wip gebar vier fün, din was roam genant,
der namen ich nicht geschriben vant, lediglich weil Hist. schol. Gen. c. 58 am Schlusse mit Weglassung der Namen bloss gesagt wird: De concubina vero roma alias rema susceperat nachor filios quattuor;— wogegen die Rudolfische Recension diese vier Söhne nach Gen. 22, 24 nennt. Weit entfernt demnach, des Stoffes mäch- nig zu sein, strebt sie angestrengt nach äusserlicher Vollständigkeit und Ausführlichkeit, die sich an den meisten Stellen in eine unbeholſene lästige Breite und in eine ungeschickte oft plumpe Detailmalerei verliert. So erzählt der Verlasser dieses Werkes die Fürbitte Abrahams für Sodom der gan- zen Länge nach, ohne von den Stufen(50— 10 Gerechte) eine auszulassen, in einer langen Reihe von Reimen, während Rudolf sofort von 50 auf 10 übergehet; mühet sich in 30 Zeilen ab, uns die zufällige Entstehung der Metallgiesserei begreiflich zu machen, und so fast überall. Allerdings finden sich deshalb in dieser Recension die von Rudolf allzu schmächtig gehaltenen und dürftig ausgestatteten Abschnitte(z. B. Eliesers Werbung um Rebecka, Jacobs Segen) in ihrem vollen Umfange dargestellt, doch ist es eben sclavische Nachahmung des Originals, nicht innerer dichterischer Trieb, nicht Bewusstsein von dem poetischen Werthe dieser Erzahlungen, welche den Verfasser zu seinen breiten Ausführungen derselben bewegt. Ebenso wird die Einleitung und die Schöpfungsgeschichte sclavisch treu aus Gotfrid von Viterbo übertragen, mit all den wunderlichen theosophisch- scholastischen Träumereien und Bilderspielen, an denen der Presbyter von


