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deutsche Laienwelt eingefüährt, und dieser anschaulich und lebendig ge- macht worden ist. Lugleich ist sein Werk das erste und weit binaus das einzige, welches dem Stande der Ungelehrten die Geschichte des alten Testamentes im vollständigen Zusammenhange mittheilte, und es muss be-— haupiet werden, dass die gesamte Kunde des allen Testamentes, welche während des vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderis im Besitze der weltlichen Stände war, einzig und allein aus Rudolfs Buche geflossen ist, wie denn die zahlreichen noch vorhandenen prosaischen Bibelbearbeitungen aus dem aogegebenen Zeitraume fast sämtlich nichts anderes sind, als Um— arbeitungen des Gedichtes. Vgl. Massmann in den Heidelberger Jahrbü- chern 1825 S. 201 Anm 39. Wollen wir also, mit Unrecht, dem echten Ru- dolfischen Reimwerke auch allen und jeden poetischen Werth absprechen, es wird immer eine achtungswerthe Stelle in der Geschichte der Historiographie, cine sehr bedeutende in der Geschichte der deutschen Theologie einnehmen.
Ein eigenthümliches Interesse aber gewährt dieses Werk von der literarischen Seite dadurch, dass dasselbe einen räthselhaften Doppelgän-— ger hat, mit dem es fast durchgängig verwechiselt worden ist; wenigstens sind bisher nur unzulängliche Versuche gemacht worden, die beiden Re- censionen, wie man sich gewöhnlich ausdrückt, von einander zu scheiden. Auch der vorliegende gibt sich nicht für zulänglich aus, wenn er sich gleich bestrebt, eine etwas schärfere Sonderung der verschiedenen Texte als bisher gelungen, vorzunehmen. Eine die Acten abschliessende Arbeit liegt weit jenseits meines Zieles, schon darum, weil ich mich auf die Analyse der überarbeiteten Pseudorudolfischen Chronik jetzt nicht einlas- sen konnte; noch weniger lag die Kritik des Stoffes, die Eröcterung der Bezichungen der Rudolfischen Chronik und deren Umarbeitungen zu der Kaiserchronik, zu Enikel, oder zu den späteren halbgereimten Bibeln innerhalb der Grenzen meines diesmaligen Gesichtskreisses. Die dreizehn Jahre lang erwartete Kaiserchronik wird uns ja im vierzehnten zu Theil werden, und durch die ihr beizugebenden umfassenden Untersuchungen auch diese Blätter überflüssig machen. Einstweilen nur mögen sie eine wenn schon weniger bemerkte Lücke ausfüllen. Auf die Beurtheilung des Werthes der Rudolfischen Chronik hat das strenge Auseinanderhalten der beiden Bearbeitungen, als die erste an jeden künſtigen Literarhistoriker


