Aufsatz 
Die Grabmonumente und Särge der in Hanau bestatteten Personen aus den Häusern Hanau und Hessen / Reinhard Suchier
Entstehung
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Glauben verdiente, wäre der neue Behälter 80 Jahre nachher auch wieder ganz vergangen; denn er sagt, 1847 bei Oeffnung der Gruft sei Nr. XI verweset und die Gebeine davon in Nr. XII gethan. Wahrscheinlicher ist aber, dass der viel ältere Sarg Nr. X ganz vermodert war, und dass an dem Platz Nr. XI noch die Reste von dem 1767 erneuerten Sarge stehen. Leider nahm sich im J. 1847 niemand der Sache an, und die Arbeiter blieben sich selbst überlassen.

XII. Johann Reinhard

Bruder und Nachfolger des Philipp Reinhard, gb. 1. Aug. 1665, verm. 30. Aug. 1699 mit Dorothea Friedrike v. Brandenburg-Ansbach, st. als der Letzte vom Mannsstamme des Grafenhauses am 28. März 1736.

Ueber den für Hanau so wichtigen Todesfall schweigt das Kirchenbuch. In W. Ziegler's Sammlungen zur älteren Geschichte findet sich folgendes:1736 Mittwoch den 28. März Abends zwischen 7 und 8 Uhr starb Johann Reinhard im Schloss zu Hanau. Sein Leichnam wurde am 1. April 1. Ostertag in die herrschaftliche Gruft in der luth. Kirche beigesetzt. Am 6. Juni wurde die Leichenpredigt gehalten I. Chron. 30 V. 15: Wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir, wie unsere Väter alle; unser Leben auf Erden ist wie ein Schatten, und ist kein Aufhalten.

Der ursprüngliche Sarg, über den sich weiter nichts sagen lässt, als dass er jedenfalls nur von Holz war und dass er an Länge dem des Philipp Reinhard fast gleichkam, war schon 1784, wo vom 17. Febr. bis 2. März eine besonders grosse Ueberschwemmung war, so zerstört, dass man ihn durch einen neuen ersetzte. Dieser steht, über drei Schritt lang, auf drei Sockelsteinen an der richtigen Stelle neben Nr. XI; eine Tafel von Eisenblech, die darauf liegt, enthält, schwarz auf weisser Oelfarbe, die wenigen Worte in lateinischer Cursivschrift:

Graf!] Johann Reinhard] geſtorben 1736 ꝑin dieſem neuen farge den 29. Jung 1784] beigeſetet.

Der neue Sarg ist einfach von Eichenholz, hat sechs ziemlich gleiche Seiten und als einziges Abzeichen das Monogramm JR unter Grafenkrone umgeben von zwei Griften, die sich von der Seite her bewegen lassen, alles dies von Eisen. Der Name ist in solcher Weise zwölfmal angebracht, nämlich zweimal an jeder Seitenfläche, zweimal am Kopfende, oben nnd unten, und ebenso zweimal am Fussende. Der Sarg, der innen schwarz ausgeschlagen war, ist sehr morsch und lückenhaft, der Deckel mehrfach zerbrochen und rechts hinabgeglitten auf den daneben stehenden Sarg. Ausser Resten von schwarzem Sammet ist noch ein seidenes Kissen, jetzt dunkelgelb von Farbe, und Hobel- späne darin zu sehen; darauf liegt der hintere Theil des Schädels. Dies und noch etwas Kalk von vergangenen Knochen ist alles, was sich von dem letzten Grafen von Hanau erhalten hat.

Eine Inschrift von ihm steht auf einer ovalen Tafel vor der Orgel:

HERR IOHANNREINHARD]GRAF=ZV-HANAV.]HAT=ZV GOTTES- HEILIGENEHREN]DIESE KIRCHVERGOESERTANBEY.NOCH EINE]ORGEI.CANTZELALTAR[G6ESCHENCKET] 1732

Um durch Chronogramm die Jahreszahl 1732 herzustellen, ist das Y als V benutzt. Dies Verfahren ist zu wunderlich und beruht vielleicht auf einem Versehen; denn ohne das kommt 1727 heraus, in welchem Jahre nach Calaminus P. 19 die Erweiterung begann.

Ueber dem damals angelegten herrschaftlichen Stuhl sind noch jetzt die farbigen Wappen des Johann Reinhard und seiner Gemahlin mit einem Löwen und einem Adler als Schildhaltern zu sehen. Vier Fensterscheiben oben an diesem Stuhl zeigen eingeschliffen in sehr schöner Arbeit ebenfalls die beiden Wappen und die Monogramme JRGzH und DFMB.