Aufsatz 
Die Grabmonumente und Särge der in Hanau bestatteten Personen aus den Häusern Hanau und Hessen / Reinhard Suchier
Entstehung
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XIII. Charlotte Wilhelmine

Tochter v. Herzog Johann Ernst v. Sachsen-Saalfeld und Sophie Hedwig v. Sachsen-Merseburg, gb. 4. Juni 1685, zweite Gemahlin Philipp Reinhards v. Hanau am 26. Dec. 1705, Witwe 1712, st. 5. April 1767.

Nach dem Tode ihres Gemahls wohnte sie in Babenhausen; als dieses nach dem Aussterben des Grafenhauses 1736 an Hessen-Kassel fiel, wurde ihr ein herrschaftliches Haus in Hanau nah der lutherischen Kirche(früher Salzhaus genannt, jetzt für Schulzwecke verwendet) als Wohnsitz ange- wiesen, worin sie auch starb; s. Wilh. Zieglers Aufsatz im Beiblatt zur Hanauer Zeitung 1865 Nr. 15. Das Kirchenbuch erwähnt unter Häufung von Titeln nur, dass sie am 5. April starb und Samstag den 11. bestattet wurde. Mehr enthält eine damals gedruckte Beschreibung. Danach begann das Trauergeläute am 9. April uud dauerte 12 Wochen; am 11. April gegen 10 Uhr wurde der Leichnam auf eine dieser vortrefflichen Fürstin anständige und ihrem Willen gemässe Weise von jenem Hause nach seiner Ruhestätte begleitet und nach einer vorher aufgeführten Trauermusik in das Erbbegräbniss gebracht.

Der Sarg stand neben dem Gemahl in der nordöstlichen Ecke. Fiedler sagt, er sei 1847 ebenso wie Nr. XI ganz verweset vorgefunden und die Gebeine in den Sarg des Philipp Reinhard Nr. IX gethan. Unrichtig aber scheint seine Angabe, dass sie unter dem grossen Zinnsarg wären. Sie werden in den Holzsarg gelegt sein, der an der Stelle von Nr. II steht und nun auch unten zerfallen ist; dort sind mehrere ungleiche und unordentlich gestellte Sockelsteine; dazwischen und darauf liegt eine Menge Moder und morsches Holz, die verworrenen Reste von drei Holzsärgen (II. XIII und IX).

So ist es einem erloschenen Grafenhause ergangen, das so viele treffliche Mitglieder zählte. Den letzten Münzenbergern ist ihre Zinnhülle gestohlen; die Inschriften, mit liebevollem Fleiss und frommem Sinn gewählt und ausgeführt, sind vernichtet, die modernden Reste durcheinander geworfen. Die letzten Lichtenberger sind noch rascher vergangen, Philipp Reinhards Särge nicht einmal bei- sammen geblieben, das grossartige Werk von Zinn, wodurch ihn sein Bruder ehrte, verfallen und schonungslos hingeworfen; vom letzten Grafen wird auch bald alles unkenntlich am Boden liegen, und von den letzten Gräfinnen ist schon alles fort. Da zeigt sich recht die Hinfälligkeit des Irdischen; da sieht man, wie der Mensch zu Staub wird. Die Personen vergehen, aber noch früher vergeht leider die Erinnerung an sie. Es waren hohe geehrte Personen, die vormals jedes Kind in der Stadt kannte, deren Tod für das Land ein Hauptereigniss war, und jetzt wissen nur wenige die Namen. Ernst, ja wehmüthig muss es stimmen, wenn man am Sarge der Sibylle Christine liest:Der Nachruhm ihrer Tugenden bleibt so lang eine Zeit sein wird' oder an dem der Anna Magdalenaaeviternam memoriam reliquit und dazu bedenkt, wie lange der Nachruhm bestanden hat. Die Menge fährt rastlos hin auf dem Strom, sieht immer Anderes und hat bei dem vielen Neuen keine Zeit lange an das zu denken, was vorüber ist. Die Zeit zerstört, und der Mensch vergisst. So war es immer, nicht blos in unserem zu thätigen Jahrhundert, auch in der alten Zeit, wo noch viel Musse war und Anhänglichkeit. Denn bereits 1678 wird in einer Leichenrede auf den Rappolsteinischen Hofprediger Stoll das menschliche Loos treffend bezeichnet mit den Wortenwie die christliche Kirche singet:

Man trägt eins nach dem andern hin

Wohl auss den Augen, wohl auss dem Sinn: Die Welt vergisset unser bald

Sey Jung oder Alt

Auch unser Ehren manigfalt.