Aufsatz 
Die Grabmonumente und Särge der in Hanau bestatteten Personen aus den Häusern Hanau und Hessen / Reinhard Suchier
Entstehung
Einzelbild herunterladen

IX. Philipp Reinhard

Sohn von Friedrich Casimirs Bruder Johann Reinhard und Anna Magdalena von Pfalz-Birkenfeld(Nr. V), gb. 2. Aug. 1664, Nachfolger Friedrich Casimirs 1685, st. in dem von ihm gebauten Schloss Philipps- ruh am 4. Oct. 1712.

Eine gedruckte Beschreibung der Leichenfeier erschien 1712; sie ist der Chronik von Wilhelm Ziegler eingefügt und im Beiblatt zur Hanauer Zeitung 1873 Nr. 176 wieder abgedruckt. Danach starb Philipp Reinhard Dienstag den 4. Oct. 1712 Morgens zwischen 3 und 4 Uhr; denselben Tag wurde von 11 bis 12 mit allen Glocken in Hanau geläutet, und das Trauergeläute fand dann im ganzen Lande täglich von 11 bis 12 Uhr statt bis zur feierlichen Beistellung am 20. December. Der Leichnam wurde am 5. Oct. um Mitternacht in der Stille auf einem Trauerwagen, den sechs Pferde zogen, von Philippsruh in das Altstädter Schloss gebracht und in die nicht mehr vorhandene Schloss- kapelle gestellt. Samstag den 8. Oct. wurde er Nachts um 12 Uhr auf demselben Trauerwagen in Begleitung einiger Cavaliere, Räthe und Oberbedienten zur Kirche übergeführt und in das Leichen- gewölbegantz in der Stille allein in einem gedoppeltem höltzernen Sarg, biss der Zinnerne, dessen Model in beyliegendem Kupffer zu sehen(das aber fehlt), verfertigt, und alsdann der Höltzerne in denselben gehoben werden könte, nieder gesencket. Ein sogenannter Spriegel aber blieb in der Schlosskapelle, als ob die Leiche noch darunter stände, bis zum 20. Dec., wo Abends um 6 Uhr ein grosser Conduct diesen Scheinsarg mit allen Ehren aus dem Schloss in die Kirche geleitete. Dieselbe war mit schwarzen Wachslichtern beleuchtet, Altar, Kanzel, Orgel und mehrere Stühle mit schwarzem Tuch behängt; der Hofprediger Johann Jacob Breithaupt hielt am Altar eine kurze Trauerrede, und Trauermusik machte den Beschluss. Am folgenden Tage, Mittwoch den 21. Dec., wurden im ganzen Lande Leichenpredigten gehalten über 2. Chronik 35 V. 24 und 25; in der lutherischen Kirche, worin der Spriegel mit sammtner Decke und daran gehefteten 16 Ahnenschilden von Silber noch vor dem Altar stand, predigte der Superintendent und Oberhofprediger Johann Lorenz Langermann.

Der im grossartigsten Stil ausgeführte Zinnsarg, dem eben seine Grossartigkeit argen Schaden zuzog, stand bis 1847 neben dem der Magdalena Claudina mit dem Kopfende nach Norden. Um für den Kurfürsten Platz zu schaffen, musste man den fast 3 Meter langen Sarg des Philipp Rein- hard von der Stelle rücken; man hob das Zinn ab und legte es auf drei niedrige Sockelsteine in die nordöstliche Ecke mit dem Kopfende im Osten. Dort liegt nun die schwere Masse zusammen- gedrückt, zerbrochen und zerrüttet, fast an der Erde und der Nord- und Ostwand so nah, dass man nicht daneben stehen kann. Nachdem das Zinn, gewiss mit grosser Mühe, abgehoben und niederge- legt war, scheute man die nochmalige Arbeit den beinah ebenso langen Holzsarg darunter zu bringen; man versetzte ihn dahin, wohin man am ersten gelangen konnte, an die Ostwand nördlich von Nr. III, mit dem Kopfende nach Norden.

Wie der Zinnsarg, der sich von allen anderen wesentlich unterscheidet, ursprünglich beschaffen war, lässt sich nur ungefähr noch erkennen; deutlicher wird es durch einen Kupferstich von J. A. Seupel im Besitz des Herrn Dr. Rauh; höchst wahrscheinlich ist es der in der gedruckten Be- schreibung erwähnte. Er zeigt den Sarkophag von der rechten Seite. Am Kopfende hält ein Engel das ovale Portrait(einem Oelgemälde im Rathhaus ganz ähnlich) dem Fussende zugewendet; dasselbe steht auf einem kleinen Postament oben auf dem Sarge; der Graf ist geharnischt und trägt an grosser Kette den schwarzen Adler-Orden. Am Fussende hält ein sitzender Engel das gekrönte ovale Wappen

von Hanau nach aussen hin. Mitten halten zwei Engel ein grosses Crucifix, dessen unteres Ende 7*