Aufsatz 
Die Grabmonumente und Särge der in Hanau bestatteten Personen aus den Häusern Hanau und Hessen / Reinhard Suchier
Entstehung
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richtig mitgetheilt. Die Buchstaben haben mit der deutschen Druckschrift merkwürdige Aehnlichkeit. Die Worte sind folgende:

Als man zalte von der geport onnſers hern iheſv chriſti meccc vnd darnach lrriv iare vuff den vierden tage des monats avgvſti das war der dienſtage nechſt nach sant peters tag ad vincvla iſt dorch den wolgebornnen graffe philipſen graven vnd hern zu hanawe der erſte grvndſteinn dis chors gelegt worden

Petri Kettenfest ist der 1. August. Das Jahr 1474 steht auch an einer vermauerten Thür am Schiff der Kirche nach Norden.

Die Kirche enthält auch ein Bild des Grafen selbst, in Holz geschnitzt an der Seitenwand eines alten Chorstuhls, die unten neben der auf die Orgel führenden Treppe steht. Oben ist ein Greif, der den Schild mit drei Sparren vor sich hält. Darunter ist der Graf von vorn dargestellt, knieend mit gefalteten Händen in Rittertracht; er hat an jeder Schulter eine grosse Rose und auf dem Kopfe eine turbanähnliche gefiochtene Mütze, an der vorn ebenfalls eine Rose. Ueber ihm in zwei Zeilen und zu seiner Linken hinab geht die gothische Inschrift

philips graffe vund her=u havnawe hait diefe geſtole machen loſſen ano mocccooler rwvi

Die eifrige Frömmigkeit des Grafen, der auch 1484 eine Reise nach Palästina machte, fand dadurch Anerkennung, dass er im Beisein von 214 Geistlichen im Chor begraben wurde. Wegener gibt die Zahl an, die wohl einiges Befremden erregen und auf Zweifel stossen dürfte.

Adriana

Gemahlin Philipps des Jüngern, Tochter v Johann IV. Grafen zu Nassau-Dillenburg und Maria von Loon und Heinsberg, gb. nach v. Behr 7. Febr. 1449, verm. nach demselben 12. Sept. 1468, st. 15. Januar 1477.

Der Grabstein, an der Nordwand des Chors, zeigt in der Mitte, von Bronze gegossen, unter dem Nassauer Helm, dessen Zierde ein halber Flug, das quadrirte Wappen, Vorin der Nassauer Löwe, der Querbalken für Vianden und im Mittelschild die zwei Löwen von Dietz. Die als Einfassung am Rande herumgehende gothische Umschrift, ebenfalls von Bronze, konnte Mer⸗z 1765 nicht vollständig sehen, weil der Rathsstuhl den Stein zum Thell bedeckte. Jetzt ist er frei, und die Schrift lässt sich leicht lesen; sie hat nach jedem Wort einen rautenförmigen Punkt und heisst:

anno · doi mm · ccce · ſeptvageſimo ſeptimo vff mitwochen vor · ſant antonivs dag: iſt geſtorben die · wol geboren· adriana geborn. von. naſſavie. graffime 2u havnaviwe. der got genedig ſy amen.

Der Tag des Einsiedlers Antonius ist der 17. Januar; der Mittwoch davor war nach Pilgrams Calendarium im Jahre 1477 der 15. Januar*), den auch Spach als Todestag angibt.

Ausser diesem Grabstein enthält aber die Kirche auch ein Grabmonument derselben Gräfin, in Stein gehauen, noch nirgends erwähnt, weil man es nicht erklären konnte. Es steht unten im Chor an der Südwand, dem Grabsteine der Adriana gegenüber, neben einer hölzernen Säule, die wenigstens das Gute hat, dass sie das höchst interessante Denkmal, an dem der Weg zur Orgel vorübergeht, vor Schaden bewahrt. Die Gräfin ist in voller Gestalt über lebensgross dargestellt; sie kniet und hält mit beiden Armen vor sich ein Buch, worin einige Buchstaben stehen, die wir

*) Nach gütiger Mittheilung des Herrn Dr. v. Behr in Dresden.