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und an den vier Seiten gothische Schrift, ebenfalls von Bronze, alles untadlig erhalten. Die Um- schrift, worin die einzelnen Wörter durch längliche Zeichen geschieden sind, ist von Jonas Mer⸗ beinah richtig mitgetheilt; sie heisst genauer so mit fehlendem a in Bavrie: anno domini mececlvii in die exaltacionis ſce cerveis obiit dna dna margaretha] dociſſa bavrie comitiſſa in hanawe hic ſepulta cvirs anima reqviect in pace.
Philipp der Jüngere Sohn Reinhards III, gb. 21. Sept. 1449 zu Windecken, 1452— 1467 unter Vormundschaft seines Oheims Philipp, verm. 1468 mit Adriana von Nassau, st. 26. Aug. 1500.
Der Grabstein schliesst sich nördlich an die beiden Steine, die den Eingang zur herrschaft- lichen Gruft decken. Merz sah ihn 1765 an derselben Stelle noch ganz vollständig; jetzt fehlt die eine Seite, wo die Umschrift anfing, dicht an der Hinterwand des schon erwähnten Kirchenstuhls; vielleicht liegt unter diesem das abgebrochene Stück. Mitten auf dem Stein ist Helm und Wappen von Bronze wie bei Reinhard II; die Helmdecken sind weggebrochen, nur die Messingstifte noch zu sehen. Die gothische Umschrift mit länglichen Trennungszeichen, ebenfalls Bronzeguss, geht auf den vier Seiten als Einfassung herum. Jonas Merz, auch hier nicht genau, las den Anfang„Anno Domini 1501 uff mit“, worin 1501 offenbar unrichtig, da alle Genealogien 1500 angeben; das Weitere ist noch vollständig da. Ergänzt und berichtigt heisst die Grabschrift, deren Orthographie etwas wunderlich ist, also:
anno domini md vff mit awoch noch ſant bartholomers tag iſt mit tade abgangen der wvolgh oren hern philips grave zu hanauvwe der erſt ſtifter dis ſtifts zu hanawe des ſel got genedig ſie
Am Schluss ist noch ein kleiner gehender Hirsch angebracht, den ich ebenso wenig erklären kann wie zwei quadrirte Wappenschilde an den Ecken. Der eine bei grave zeigt 1, und 4, einen gekrönten Löwen, 2, und 3, wie Hohenzollern, der zweite bei wolgb 1, und 4, drei Querbalken, 2, und 3, einen wachsenden Adler über drei Rosen.
Der Bartholomäustag ist der 24. August. Auffallend ist der Ausdruck der erst stifter, da schon Reinhard II. Urheber des Stiftes hiess. Zur Erklärung dient, was Calaminus p. 38 anführt: „1493 ertheilte ihm Papst Alexander die Erlaubniss, die Kirche zu St. Maria Magdalena in Hanau zu einer Collegiat-Kirche zu erhöben, so dass nun ein Decanatus cum quibusdam canonicatibus et praebendis daselbst aufgerichtet wurde. Unsere Kirche hiess von jetzt an das Stift von Maria Mag- dalena in Hanau und wurde nun in dieser neuen Würde von der Archidiakonats-Gerichtsbarkeit des Probstes in Aschaffenburg befreit. Ein Archidiakonus hatte nämlich das Recht, Kirchenvisitationen zu halten, Vergehungen mit Geldbusse oder Gefängniss zu bestrafen, und ständige Gefälle an Geld und Früchten zu erheben. Diese und andere Rechte kirchlicher Selbstständigkeit in einer geschlossenen geistlichen Corporation gingen nun auf den Dechanten und sein Kapitel über“. Es war nun eine Stiftskirche mit 13 Stiftsherrn.
Graf Philipp hatte schon vorher die Kirche vergrössert und den Chor zu seinem jetzigen Umfang, wo er fast so gross ist wie das Schiff, erweitert. Darauf bezieht sich eine Inschrift auf einer Steintafel an der Wand zwischen der Kanzel und der Orgel; sie rührt von einem ungeschickten Steinhauer her, ist durch vieles Anstreichen undeutlich und darum schwer zu lesen. In einer noch ungedruckten Hanauer Kirchengeschichte von Bernhard, die der Geschichtsverein besitzt, ist sie nicht,


